1 - 4 - 1898 - 1907

© Holger Bergmann 2015 - 2018

Vom Gleichgewicht zur Einkreisung: Großbritannien und die USA stellen die Weichen zum Ersten Weltkrieg. Teil 2: 1898 - 1907

Inzwischen war der russische Elefant weit nach Osten marschiert. Die Russen hatten sich in Port Arthur festgesetzt, die Deutschen waren ihnen gefolgt und hatten um die Kiaotschou-Bucht ein Gebiet erworben. Die ablehnende, mindes- tens mehr als zögerliche Haltung Russlands zu Salisburys Balkanvorschlägen war auf den neuen russischen Interessenschwerpunkt in Ostasien zurückzuführen. Die Einrichtung einer soliden russischen Machtbasis dort, möglicherweise von Deutschland unterstützt, war auf angelsächsischer Seite zu befürchten. Der russische Expansionsdrang, gebot man ihm nicht Einhalt, konnte am Gelben Meer ein Ventil finden, das seine Benutzung für angelsäschsische Zwecke unmöglich machen würde.

 

Man musste also zunächst die Voraussetzung schaffen, die es ermöglichen wür- de, den russischen Elefanten aufzuhalten und nach Europa zurückzuschicken. Opfer dieses Ansinnens war, für kontinentaleuropäische Augen überraschend, Spanien, das mit Kuba, Puerto Rico und den Philippinen noch Reste seines ehe- mals großen (außerafrikanischen) Kolonialreichs besaß.

 

Der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 ist die erste einer Reihe von Aggres- sionen, mit der die Angelsachsen die Kräfteverhältnisse auf der Welt entschei- dend zu ihren Gunsten verschieben sollten. Isoliert gesehen macht die Aktion wenig Sinn. Spanien war keine Gefahr für die USA, Unabhängigkeitsbewegungen, auf Kuba oder wo auch immer, konnten den USA egal sein (im Gegenteil war "unabhängiges Handeln" im "amerikanischen Hinterhof" Grund für zahlreiche amerikanische militärische Interventionen). Man zog aus fadenscheinigen Grün- den in den Krieg, Vermittlungsangebote der europäischen Mächte hatte man ab- gelehnt.

 

 

 

 

 

 

Nur eine große Koalition aller (wesentlichen) europäischen Mächte unter Führung Großbritanniens hätte die USA stoppen können. Aber Salisbury dachte natürlich nicht daran, Hilfe für Spanien hatte er schon 1896 ausgeschlossen. Die Spanier waren jedenfalls ohne Chance und schnell geschlagen.

 

 

Während sich die europäischen Regierungen zurückhielten (es gab nur, unter wesentlicher britischer Beteiligung, diplomatische Vorhaltungen gegenüber den USA, militärische Aktionen wurden nie in Erwägung gezogen), strengt die konti- nentale Presse eine Kampagne geggen den Yankee-Imperialismus an. Die briti- sche schlägt die Gegenrichtung ein. Die Spanier, im Bewusstsein der angelsäch- sischen Komplizenschaft, versuchten sich auf ihre Weise zu rächen: sie befestigt- en Stellungen rund um Gibraltar, mussten diese auf britischen diplomatischen Druck aber wieder räumen.

 

Hoffnungen darauf, Spanien zu beerben, zumindest was den philippinischen Kolonialbesitz anging, machte sich noch eine andere Macht: Deutschland. Ein aus Kiaoutschou herbeigeeiltes deutsches Geschwader stellte das amerikanische in der Bucht von Manila. Die Deutschen waren zahlenmäßig überlegen, es kam aber nur zu einer gereizten verbalen Auseinandersetzung zwischen dem deutschen und dem amerikanischen Kommandeur. Denn die ebenfalls vor Ort befindlichen britischen Schiffe stellten sich auf die amerikanische Seite. Die Inselgruppe ging in amerikanische Hand über.

<Nachträgliche Einfügung 11.05.2016>

Die obige Darstellung wird stehen gelassen. "Campbell" (s. "Weiterführende Li- teratur") widerspricht ihr. Demnach gab es nichts außer einem rein freundschaft- lichen Verhältnis zwischen den beiden Oberkommandierenden, also auch keiner- lei Grund für ein britisches Eingreifen. Dennoch ist die anderslautende Darstellung schon nach Campbell nicht totzukriegen. Natürlich ist keineswegs ausgeschlos- sen, dass die Briten eingegeriffen hätten, so sich die Gelegenheit ergeben hätte.

Campbell bietet weitere sehr interessante Informationen zum hier betrachteten Zeitraum. "Mahan" (ebenso "Weiterführende Literatur") will sogar "aus sicherer Quelle" von aktivem britischen Eingreifen wissen, hätte sich eine militärische Un- terstützung Spaniens durch die Kontinentalmächte ergeben.

 

Wofür war der Besitz der Philippinen so wichtig für die USA? Die Argumentation mit der Unterstützung von Unabhängigkeitsbewegungen macht überhaupt keinen Sinn, nachdem die USA gerade die philippinische innerhalb der nächsten 5 Jahre blutig niederschlugen. Der ganze Krieg, gegen die Spanier und die Filipinos, ging nur darum, auf der anderen Seite des Pazifik eine Basis zu erhalten, um gegebe- nenfalls auf dem asiatischen Kontinent eingreifen zu können. Gegen wen, ist oben beschrieben (die Konsequenzen werden unten noch deutlich). Abgerundet wurde die pazifische Aktion durch die Eingliederung Hawaiis in den amerikanischen Staatsverband (die letzte Königin des bis dahin unabhängigen Inselreichs war bereits 1893 von amerikanischen Einwanderern gestürzt worden).

 

 

Entscheidende Ereignisse am Ende des 19. Jahrhunderts finden häufig an den unwahrscheinlichsten Orten statt: ein Fluss in Südamerika, Inseln im Pazifik und ein weltvergessener kleiner Ort am Nil. Und nicht immer beruhen sie auf eiskalter Logik. Beim nächsten zu betrachtenden Ereignis spielte Salisbury der Zufall in die Hände.

 

Die Franzosen hatten Ansprüche auf das obere Niltal angemeldet. Eine kleine Streitmacht von etwa 160 Mann, die Mannschaften alle Schwarzafrikaner, erreich- te den kleinen Ort Faschoda im Südsudan. Die Briten, die in ägyptischem Auftrag, das tatsächliche Unterstellungsverhältnis war dabei eher umgekehrt, einen erneu- ten Aufstand der Mahdisten im Nordsudan niederzuschlagen hatten, marschierten auf die Nachricht des französischen Landnahmeversuchs mit fast 26.000 Mann, überwiegend Einheimische, nach Süden weiter und stellten die Franzosen. Die weigerten sich zunächst, der Übermacht zu weichen. Eine handfeste diplomati- sche Krise war das Ergebnis, mit absehbarem Ausgang.

 

Die Franzosen hatten eine Zeit lang mit dem Gedanken gespielt, ihre "Ehre" per Krieg zu verteidigen. Der nach London durchgereichte Hinweis auf russische Un- terstützung verfing aber nicht. Die Russen hatten vermutlich durchblicken lassen, dass sie keine Möglichkeit des Eingreifens sahen. Salisbury dagegen konnte in der Situation des Jahres 1898 gegenüber Frankreich stets mit dem deutschen Zaunpfahl winken. Frankreichs militärische Möglichkeiten waren war zu diesem Zeitpunkt wohl überschaubar, das Land zudem von der Dreyfus-Affäre geschüt- telt. Die Briten konnten sich sicher sein, die Franzosen im Fall der Notwendigkeit ordentlich zu verklopfen. Nach einer kurzen Schamfrist und einem Regie- rungswechsel gaben die Franzosen klein bei.

 

Die Lektion, die Salisbury den Franzosen erteilte, war folgende: dass ihr Bündnis mit Russland nur gegen Deutschland taugte, nicht gegen Großbritannien (Salisburys hierzu passende eigene Beurteilung in Monger, s.u., S. 19f). Frankreich sollte zukünftig die Annäherung an Großbritannien suchen. Für den einen Zweierallianzpartner war die Überzeugungsarbeit geleistet. Die für den anderen stand noch aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei einem weiteren Ereignis im Pazifik war die Größe des Objekts reziprok zu der der Missstimmung, die es verursachte. Auf den Samoa-Inseln war neben der tra- ditionellen einheimischen Herrschaft ein merkwürdiges deutsch-britisch-amerika- nisches Kondominium installiert worden. Als bei Nachfolgestreitigkeiten unter den Einheimischen sich die deutsche Kolonialverwaltung auf die eine, die angel- sächsischen sich auf die andere Seite stellten, beschlossen letztere, das Problem durch Einsatz von Schiffsartillerie zu "lösen". Dabei wurde unter anderem das deutsche Konsulat beschädigt. Deutschland war entsprechend sauer.

 

Salisbury verzögerte lange Zeit die Lösung des Problems, bis Wilhelm II. sich bitterlich bei seiner britischen Großmutter über ihren Premier beschwerte. Die Queen war not amused und wies ihren kaiserlichen Enkel entschieden zurecht. Der herannahende Burenkrieg bewirkte dann, dass Salisbury gegen sein Kabinett den Abschluss einer deutsch-britischen Vereinbarung über Samoa nicht mehr ver- hindern konnte. Der Kaiser übertrieb den Erfolg und die Leistung seines Außen- ministers Bülow, der mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Groß- britannien gedroht hatte, und meinte, zukünftig mit den Briten klarzukommen, was ihn von den strategischen Erfordernissen seiner Zeit ablenkt. Er hätte besser die konträre Analyse seines Botschafters in London Hatzfeld berücksichtigt.

 

Fragt man sich nach der Bedeutung dieses Vorkommnisses, kann sie schwerlich im Besitz eigentlich unbedeutender Inseln gelegen haben. Man wird den Eindruck nicht los, dass sich die angelsächsichen Mächte am konkreten Objekt sich des gegenseitigen Beistands versichern und gleichzeitig keinerlei Unklarheit auf- kommen lassen wollten, bei wem es sich um den gemeinsamen Gegner handelte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich ziehe an diesem Punkt ein Ereignis aus dem zeitlichen Zusammenhang, weil es besser in den handlungslogischen passt und die später notwendige Konzen- tration auf die Ereignisse in Ostasien so nicht behindert. Eine Überseeaktion, die in ihren Konsequenzen der in Samoa ähnelt. Noch einmal rückt Venezuela in den Fokus der Betrachtung.

 

Während eines Bürgerkriegs in dem südamerikanischen Land waren europäische Siedler, darunter Deutsche und Briten, schwer geschädigt worden. Die venezola- nische Regierung weigerte sich, Kompensation anzuerkennen. Die Idee, diese per gemeinsamer Küstenblockade zu erzwingen, stammt aus Großbritannien und ist vom Januar 1902, fällt also noch in Salisburys Regierungszeit. Die Aktion wurde den USA angekündigt und auch von ihnen gebilligt. Da erst der deutsche Prinz Heinrich in Amerika gut Wetter machen sollte, wurde die Aktion deutscherseits bis November 1902 verzögert. Dann schritt man zur Tat. Beschuss durch venezolani- sche Küstenforts erzeugte Gegenbeschuss durch die vereinigten Flotten, die Deutschen zerstörten zwei der Forts.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man kann jetzt nicht behaupten, die Briten hätten die Deutschen auf halbem Wege im Stich gelassen. Die britische Regierung stand die Sache an der Seite der deutschen tapfer durch. Die amerikanische moderierte, in dem sie ihren Bot- schafter in Caracas als Vertreter der venezolanischen Seite verhandeln ließ. Das Wesentliche war jedoch die Pressehetze auf beiden Seiten des Atlantiks durch die angelsächsischen Zeitungen, die sich ausschließlich gegen Deutschland richtete, sobald die Waffen gesprochen hatten. Der britische Botschafter in den USA mein- te, die Sache mit "boshafter Genugtuung" betrachten zu dürfen.

 

Die Affäre wurde im Sinne der Europäer beigelegt, Venezuela zahlte. Das ist je- doch der nebensächliche Teil. Was ich vermisse, ist ein deutlicher Ordnungsruf der angelsächsischen Regierungen an ihre Presseorgane. So gesehen kann man die venezolanische Krise als britische Intrige einqualifizieren, dazu geeignet, gegen Deutschland in den angelsächsichen Völkern Stimmung zu machen, und wie in der Samoa-Affäre den gemeinsamen Gegner zu identifizieren, ja zu brandmarken.

 

 

 

 

 

 

Nach dem Ausfall Frankreichs war keine andere Macht mehr in der Lage, Groß- britannien auf afrikanischem Boden mit irgendeiner Aussicht auf Erfolg entgegen- zutreten. Abkommen mit Frankreich (Niger) und Deutschland (man wollte im Fall der Zahlungsnot Portugals in Bezug auf eine Anleihe, deren Aufnahme dann von Großbritannien hintertrieben wurde, die portugiesischen Kolonien aufteilen) mach- ten Großbritannien den Rücken für den Burenkrieg zusätzlich frei.

 

Außer auf Nebensächlichkeiten wie der rassistischen, altmodisch-religiösen und fortschrittsfeindlichen Ausrichtung der Buren konnte Großbritannien nun ganz of- fen auf seine imperialen Ansprüche pochen (einer der Protagonisten einer harten Haltung den Buren gegenüber war, Sie erraten es, Salisbury gewesen). Zusätzlich musste die Situation in Südafrika bereinigt werden, damit im Fall eines anderweitigen Konflikts (mit dem man offensichtlich bereits rechnete) kein wes- entliches britisches Truppenkontingent dort gebunden war. Den Buren wurde irgendwann klar, dass die britischen Forderungen auf nichts anderes als ihre bedingungslose Kapitulation hinausliefen. Moderationsangebote, unter anderem von deutscher Seite, wurden abgelehnt, der als Vermittler vorgesehene ame- rikanische Präsident McKinley, der schon den Spanisch-Amerikanischen Krieg zu verantworten hatte, erschien den Buren nicht als geeigneter Sachwalter. So entschieden sie sich für Krieg, den sie trotz zum Teil beachtlicher Anfangserfolge, in ihrer isolierten Position natürlich nicht gewinnen konnten.

 

Über die mehr als ungünstige geostrategische Position hinaus hemmten das Ab- kommen über die portugiesischen Kolonien und die Lösung der Samoa-Frage in weitestgehend deutschem Sinn ein Auftreten Deutschlands gegen Großbritan- nien. Doch damit nicht genug. Geschockt von den heftigen britischen Reaktionen auf seine Krüger-Depesche stellte sich der deutsche Kaiser Wilhelm II. nun auf die britische Seite, besuchte mit Gemahlin nach Kriegsausbruch Windsor und steckte den Briten so ungefragt wie überflüssigerweise militärische Tipps. Mit der einzigen "vernünftigen", angesichts des Aufwands und des Risikos eher utopischen Möglichkeit, den Briten entgegenzutreten, sprach ausgerechnet der russische Außenminister Murawiew in Berlin vor: nämlich dem Durchmarsch einer Koalition der europäischen Mächte bis zu den Buren nach Südafrika.

 

 

Das hätte also bedeutet, Russen und Deutsche, vielleicht ergänzt um Österreicher und Ungarn, im Gepäck Franzosen und Italiener, die letzteren beiden unter der Devise statt "Rache für Sadowa" nun "Rache für Faschoda" bzw. "Rache für Adua", durchqueren vom Balkan und Kaukasus aus die ganze Türkei und den afrikanischen Kontinent, die Italiener können sich nebenbei Malta und Tripolis, die Spanier Gibraltar schnappen. Ein irrwitziger Plan, aber wenn man die britischen und französischen Marschleistungen im Jahr zuvor bedenkt, vielleicht nicht voll- ständig undurchführbar. Eine derart flexible und weitreichende Reaktion überfor- derte aber die geistigen und militärisch-organisatorischen Fähigkeiten der Kon- tinentaleuropäer. Mit Wilhelm war solches nicht zu machen. Ich kann mir vorstel- len, dass er, und seine Generäle, so sie davon erfuhren, den Plan als bescheuert einsortierten.

 

 

 

 

 

 

Was taten nun die USA im Burenkrieg? Das, was sie später im Ersten und Zwei- ten Weltkrieg jeweils von Anfang an auch tun sollten: Sie belieferten die Briten mit Nachschub! Während die Kontinentaleuropäer unfähig waren, zu reagieren, klappte die angelsächsische Koalition vorzüglich. Und das sollte sich fortsetzen.

 

 

 

Wie man selbst einen großen Strom aufhalten, umleiten, seine zerstörerische Gewalt sich nutzbar machen kann, zeigt die Zügelung der russischen Expansivität in Ostasien durch die Angelsachsen. Die Russen hatten 1900 die Mandschurei besetzt und waren 1901 der Ansicht, Großbritannien könne sie in China nicht auf- halten. Ebenso gelang es ihnen in diesem Jahr, die Annahme einer britischen Anleihe durch Persien zu hintertreiben.

 

Russisches Entgegenkommen hätte möglicherweise das Bündnis Großbritanniens mit Japan und den Russisch-Japanischen Krieg verhindert. Aber so, wie die Rus- sen sich verhielten, konnte Großbritannien sicher sein, dass seine Rechnung mit dem russischen Expansionskurs aufgehen und es über kurz oder lang mit Japan zum Konflikt kommen würde.

 

Das britische Kabinett stimmte zwar weiter mit seinem Chef Salisbury in den Zie- len überein, aber nicht mehr mit den Methoden, die der in die Jahre gekommene Staatsmann vertrat. Salisbury, der stets an der Idee der "splendid isolation" hing, nach der Großbritannien in Friedenszeiten keine Bündnisse schloss, musste 1900 das Außenamt an Lord Lansdowne abgeben (nicht ohne seinen Sohn Lord Cranborne als Lansdownes parlamentarischen Staatssekretär zu installieren).

 

Lansdowne würde in der Folge eine wesentlich aktivere Bündnispolitik verfolgen als es bisher geschah. Versuche, in China Deutschland gegen Russland vor- zuschieben, misslangen (auf die zu dieser Zeit stattfinden Verhandlungen zu einem allgemeinen Bündnis Großbritanniens mit Deutschland, die letzten Endes scheitern sollten, gehe ich im Kapitel "Hätte Deutschland eine Alternative gehabt?" gesondert ein. Aufhänger für die nicht mit dem deutsch-britischen China-Abkommen zu verwechselnde britische Offerte waren offensichtlich von Russland initiierte Spannungen in China, Oncken S. 514f).

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Berechnungen, die für eine amerikanisch-britisch-japanische Verbindung eine "margin of superiority" zu Lasten der zwischen Russland und Frankreich in Ost- asien führten zur Idee eines britischen Bündnisses mit Japan. Die neue nichteuro- päische Großmacht war auf ihre Art ähnlich expansiv wie Russland, und auch ihre Kraft konnte, passend geleitet, genutzt werden. Lansdowne fürchtete jedenfalls, Russland und Japan könnten miteinander handelseinig werden. Das geplante Bündnis war also klar dazu gedacht, Japan gegen Russland aufzustellen.

 

 

 

 

 

 

Dabei waren die Widerstände gegen das Abkommen am Anfang auch in Großbri- tannien erheblich. Man fürchtete, um Japans willen wegen Nichtigkeiten in einen großen Krieg gezogen zu werden. Schlecht, schließlich sollen andere für Groß- britannien kämpfen. Diesen Befürchtungen half eine passende Formulierung ab. Die Bedenken Salisburys, dass die Entscheidung über den Kriegszustand nach dem Abkommen allein bei Japan liegen würde, verfingen bei seinen Kollegen nicht. Lansdowne setzte genau diese Formulierung durch.

 

Die USA waren von Lansdowne vorab über das Abkommen informiert worden. Entscheidenden Einfluss auf die japan-internen Verhandlungen zum Bündnis übte der Exilamerikaner Henry Willard Denison aus, der früher im amerikanischen diplomatischen Dienst arbeitete. Denison handelte gerne "komplett im Verborge- nen", was Raum für transpazifische Spekulationen bietet. Ich spekuliere an dieser Stelle, er handelte in Übereinstimmung mit seiner früheren, also der US-Regie- rung.

 

Ob die Angelsachsen im Fall einer Niederlage Japans interveniert hätten, blieb ihnen selbst überlassen. Japan als Inselstaat wäre bei einer Niederlage auf dem Festland nicht in seiner Existenz gefährdet gewesen. Vielmehr hätten dann die Japaner im Fall eines weiteren Konflikts russiche Verbände an der Küste binden können. Großbritannien würde demnach so oder so seine Vorteile aus dem kom- menden Krieg ziehen.

 

Kehren wir nun kurz nach Europa zurück, zunächst um uns von unserer bis-dato Hauptfigur zu verabschieden. Lord Salisbury trat im Juli 1902 als Premierminister zurück (Nachfolger wurde sein Neffe Arthur Balfour) und verstarb ein gutes Jahr später. Die "Vollendung" seines Werkes sollte er nicht mehr erleben. Aber im britischen Außenamt trat etwa ab 1902 eine Reihe junger, ausgesprochen deutschfeindlich eingestellter Diplomaten in den Vordergrund (zu nennen sind Namen wie Bertie, Hardinge, Mallet, Nicolson), die, gefördert vom neuen König Eduard VII., Salisburys Werk nahtlos fortsetzen sollten. Mit "erstaunlichem Erfolg", beschreibt Grenville, hatte Salisbury "alle französischen, deutschen und ein- heimischen Widerstände aus dem Weg geräumt". Oncken konstatiert den Triumph von Salisburys Staatsräson.

 

Der rauhe Ton zwischen Deutschland und Großbritannien im Rahmen der venezo- lanischen Krise hatte Frankreich hellhörig gemacht. Auf beiden Seiten des Ärmel- kanals begann man, konvergierende Interessen wahrzunehmen und fing an, sich jeweils bei der Gegenseite einzuschmeicheln (hier ist beispielsweise ein sehr positiv aufgenommener Besuch des britischen Königs in Frankreich 1903 zu nennen). Ergebnis war 1904 die "Entente cordiale", eigentlich kein Bündnis, sondern eine Willenserklärung zur Zusammenarbeit. Natürlich wurde auch in Großbritannien das französische Hauptmotiv, die Isolation Deutschlands zum Zweck des späteren Revanchekriegs, als eigenes Interesse angesehen. Hauptzweck für die Briten war jedoch zunächst, den russischen Verbündeten Frankreich für die kommende Auseinandersetzung mit Russland schön ruhig zu halten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Russen hatten 1902 eingewilligt, die Mandschurei zu verlassen, hielten sich jedoch nicht daran. Da intervenierte im April 1903 der amerikanische Botschafter in St. Petersburg. Nachdem die Russen zunächst wieder nachgegeben hatten, verschärften sie im Oktober 1903 die Lage erneut (die britische verbale Reaktion war heftig, Lansdowne wollte die Russen "erfolgreich gereizt" haben). Japan schaltete nun auf Krieg um, den es ohne die britische und amerikanische Rückendeckung nie gewagt hätte. Der genaue Mechanismus der Kriegsauslösung ist etwas kompliziert, dazu biete ich ein PDF an. Jedenfalls erwarb Japan mit britischer Kooperation zwei bestimmte Kriegsschiffe. Sobald die sichere Ankunft dieser Schiffe in heimatlich-japanischen Gewässern feststand, eröffnete Japan die Feindseligkeiten.

 

 

 

 

 

Mit den nun folgenden überwältigenden japanischen Siegen hatte in Europa kaum jemand gerechnet. Port Arthur wurde erobert, die konstruktionsfehlerbehaftete russische Flotte vor der Inselgruppe Tsushima versenkt. Japan hatte jetzt eigent- lich genug, die Russen dachten aber noch lange nicht daran, aufzugeben. Aus russischer Sicht war es durchaus möglich, im Inneren der Mandschurei die Japaner in einen zähen Abnutzungskampf zu verwickeln, um das Schicksal doch noch zu wenden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie nun die Briten beim Beginn des Krieges mitgeholfen hatten, wurden die Ame- rikaner zu seiner Beendigung aktiv. Als Japan die USA erfolgreich um Vermittlung ersuchte, der Zar aber keinerlei Friedensbereitschaft zeigte, wies Roosevelt seinen Unterhändler an, dem Zaren zu erklären, die USA wünschten nicht, dass Russland vollständig vom Pazifik verdrängt würde. Wer hätte das bewerkstelli- gen sollen? Die Japaner nicht, die liefen Gefahr, allmählich ins Hintertreffen zu geraten und wollten den Krieg beenden! Es kann also nur die Drohung mit einem amerikanischen Eingreifen gemeint gewesen sein! Und die war nur glaubwürdig, weil man mit den Philippinen einen Stützpunkt zum unabhängigen Eingreifen auf dem asiatischen Kontinent zur Verfügung hatte. Der Zar jedenfalls verstand den Hinweis und schloss Frieden, der Vertrag wurde auf amerikanischem Boden unterzeichnet.

 

 

 

 

Die Deutschen hatten ihrerseits den Krieg mit angeschoben. Der Krieg kam Deutschland, nach dem Dafürhalten der Führung, nicht ungelegen, würde eine kriegerische Verwicklung Russlands in Asien zumindest für die Dauer des Krieges die Zweifrontenbedrohung beseitigen (weshalb man den Friedensschluss auch so lange wie möglich hinauszuzögern suchte). Der Mechanismus der Kriegsbegün- stigung war dabei so raffiniert wie unqualifiziert: man suggerierte beiden, eigent- lich zum Krieg entschlossenen Seiten, die Nachgiebigkeit/Einigungsbereitschaft der jeweiligen Gegenseite. Hinterher konnte man schließlich behaupten, man hätte nur jede Seite als friedlich hinstellen wollen! Auch das weitergehende Kalkül sah nur Vorteile für Deutschland: bei einem russischen Sieg, mit dem man zu- nächst fest rechnete, wäre eine starke, Deutschland dauerhaft entlastende rus- sische Position in Asien entstanden. Bei einer russischen Niederlage jedoch würde Russland "kommen" müssen, also um ein Bündnis mit Deutschland unter dieses begünstigenden Bedingungen nicht herumkommen. Zunächst nötigte man den Russen ein Deutschland einseitig begünstigendes Handelsabkommen auf, das in der russischen Öffentlichkeit mit Empörung quittiert und als "zweites Se- dan" verteufelt wurde. Dann meinte der Kaiser, der Zar wäre endlich genügend weichgeklopft, und traf sich mit ihm auf der kleinen Ostseeinsel Björkö, um mit ihm ein Abkommen auszuhandeln. Der Zar machte auch mit.

 

Nach St. Petersburg zurückgekehrt, wurde der labile Autokrat aber von seinem Regierungsapparat zur Rede gestellt. Aus dem Abkommen wurde nichts, mit der Begründung, es gefährde die russische Beziehung zu Frankreich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das deutsche Kalkül war nicht aufgegangen. Die deutsche Unterstützung (unter anderem hatte man Russland einen Kriegskredit gewährt) hatte Russland nichts genützt, die Bekohlung der russischen Ostseeflotte durch deutsche Schiffe hatte sie in die Katastrophe von Tsushima "geführt".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus der Niederlage im Krieg gegen Japan hatte Russland folgendes gelernt: das Bündis mit Frankreich nützte ihm in Ostasien nichts (war also nur gegen Deutsch- land sinnvoll), ein Bündnis mit Deutschland nützte ihm überhaupt nichts. Ohnehin war das vom Kaiser vorgeschlagene Abkommen defensiv ausgerichtet gewesen, kam also dem russichen Erwerbstrieb nicht entgegen. Die angelsächsische Über- zeugungsarbeit gegenüber Russland war damit geleistet. Auf der Balkanhalbin- sel würde man Russland jedoch nicht entgegentreten.

 

Ende 1905 war Deutschland also praktisch bereits isoliert, sein diplomatischer Spielraum gleich Null. Manifest wurde die Situation im nächsten Jahr zur Ersten Marokkokrise. Die deutsche Einmischung in Marokko kann man sicher als über- flüssig einqualifizieren. Die Frage nach deutschen Interessen in Marokko halte ich für akademisch, auch wenn Oncken etwa die Spahis voraussieht, die als Besatz- ungssoldaten später in Deutschland den Russen kaum nachstanden. Man handel- te aus Gründen der "nationalen Würde", d.h., in der marokkanischen Angelegen- heit als "Weltmacht" auch was zu sagen haben zu wollen. Deutschland hatte im Grunde in Marokko genauso wenig zu suchen wie zehn Jahre zuvor in Korea.

 

Auch wenn die Briten das anders sahen, Marokko passte in keine deutsche "Geo- strategie" (die es ja ohnehin nicht gab). Die russischen Niederlagen in Ostasien schienen das europäische Gleichgewicht untergraben zu haben, und deutsch- erseits fühlte man sich wohl dermaßen stark, dass man meinte, Druck ausüben zu können. Das ging so weit, dass man ein französisches Kompensationsangebot ablehnte.

 

 

 

 

Zwischenzeitlich erlitt das britische Intrigenspiel einen kleinen Rückschlag. Den britischen Vorschlag, zu einer Gegenaktion mit 100.000 Mann in Schleswig-Holstein zu landen, lehnte der französische Ministerpräsident Rouvier ab. Sein revanchistischer Außenminister Delcassé demissionierte.

 

 

 

 

 

 

 

Sollte es die Überlegung gewesen sein, Frankreich sozusagen per diplomatischer Niederlage auf der Algeciras-Konferenz doch noch in das Björkö-Bündnis hinein- zuzwingen, hat sie etwas Absurdes. Das Deutschland dieser Zeit macht den Ein- druck einer hässlichen Frau, die sich für unwiderstehlich hält. Militärischer Druck war jedenfalls ziellos, deutsche Kriegsbereitschaft, insbesondere des Kaisers, nicht vorhanden.

 

Die deutsche Außenpolitik konnte sich jedoch berechtigte Hoffnungen machen, dass die USA dort wie anderenorts (beispielsweise in China) auf einer "Politik der offenen Tür" bestehen würden, was auf ein alle Mächte gleich berechtigendes Ergebnis hinausgelaufen wäre. Das war in Marokko aber nicht der Fall, die Krise mutierte für Deutschland zu einer krachenden diplomatischen Niederlage. Die kurze Phase der deutschen Weltpolitik, seit 1898, hatte 1906 bereits ihr Ende gefunden.

 

Das Ergebnis der Algeciras-Konferenz hatte gezeigt, dass die deutsche militäri- sche Überlegenheit trotz vorübergehender russischer Schwäche in Wirklichkeit nicht vorhanden war. Im Grunde brauchte niemand das deutsche Militärpotenzial zu fürchten.

 

 

 

 

Mit dem russisch-britischen Abkommen über Persien 1907 ist der "friedliche" Teil der Einkreisung der Mittelmächte beendet, die Tripel-Entente ist gebildet. Der Schah hatte deutsche Finanzhilfe gewollt, Großbritannien versuchte, deutschen Einfluss auszuschalten. Die Aufteilung des Landes in Einflusssphären führt auch in Persien selbst zu großer Empörung, da man sich als Spielball fremder Mächte sah. Die langfristigen Auswirkungen dieser und folgender Behandlungen (man denke an die Ereignisse der Jahre 1941 und 1953) sind bis heute spürbar. Russland schließt auch ein Abkommen mit Großbritannien über Mazedonien und einigt sich mit Japan über die Mandschurei.

 

Nach Ansicht führender britischer Politiker ist dadurch die Gefahr eines rus- sischen Einfalls in Indien beseitigt (Monger, S. 356), nach der des neuen bri- tischen Außenministers Grey besteht völlige Sicherheit für Großbritannien (ds., S. 351) und Deutschland kann, "wenn es nötig ist", entgegengetreten werden. Nur ist das entgegen der Meinung Mongers kein "neues Gleichgewicht", sondern die Zerstörung des Gleichgewichts.

 

 

Es ist bis heute umstritten, ob man das Vorgehen der Alliierten als Einkreisung sehen darf oder ob behauptet wird, Deutschland hätte sich selbst ausgekreist. Ich denke, die Belege, die ich in dieser Arbeit angeführt habe, sprechen eine eigene Sprache. Kaiser Wilhelm II. hat das ganz klar erkannt, und auch von der britischen Seite ist ein Zitat zu finden, das den Sachverhalt beschreibt, und zwar vom Diplo- maten Bertie: "[Die französische] idée fixe ist, das Mittel zu sein, um eine Ver- ständigung zwischen England und Rußland herbeizuführen. Das war Delcassés Politik. Wenn sie zum Ziele kommt, kann sich der deutsche Willy in seinem eigenen Ring amüsieren, wie er mag. Er könnte niemanden treffen." Die Fertigung dieses Einkreisungsrings war das Resultat an entscheidender Stelle angel- sächsischen Handelns.

 

 

<Nachträgliche Einfügung 13.07.2016>

Das obige Bertie-Zitat ist geeignet als Nachbar für entsprechende andere von alli- ierter Seite, auch wenn sie nicht in den zeitlichen Rahmen dieses Unterkapitels passen. So sagte der russische Kriegsminister Suchomlinow im Februar 1913, in Richtung Frankreich, Deutschland sei: "in einer sehr kritischen Position. Es ist von feindlichen Kräften eingekreist: im Westen Frankreich, im Osten Russland - und es fürchtet sie."

 

Der oben erwähnte Delcassé äußert sich in geeigneter Weise: "Was... das alte Geschwätz über das europäische Gleichgewicht anbetrifft, ...: Das ist nur noch leeres Gerede!" (März 1913).

 

 

 

 

Anfang 1898 setzten die Russen ihre Ansprüche

gegen wirkungslosen diplomatischen Druck Großbritanniens durch. Großbritannien zwingt China dennoch, das Jangtze-Tal für den Handel unter britischer Kontrolle zu öffnen (das war Be- dingung für einen Kriegsschuldenkredit, den China dann auf russischen Druck nicht annahm)

Grenville, S. 142.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bereits 1897 hatten die USA die "kubanischen Insurgenten" als Kriegspartei anerkannt, On- cken, S. 481. Den Weg in den Krieg bereitete eine amerikanische Pressekampagne vor. Ob- wohl die Spanier praktisch jede amerikanische Forderung erfüllen wollten, ließen die USA von ihrem Kriegskurs nicht ab (Grenville, S. 200, 209).

Die Frage, ob das amerikanische Schlacht- schiff "Maine" im Hafen von Havanna (noch vor Kriegsausbruch) aus "internen" oder "externen" Gründen explodierte, lässt sich mit der Antwort auf die Frage "cui bono?" leicht klären. Auch der britische Botschafter in den USA Pauncefote kann hier nicht an spanische Schuld glauben

(Grenville, S. 209).

 

 

Spätere Falschmeldungen der angelsächsi- schen Presse behaupteten, Großbritannien hät- te eine derartige Koalition, die natürlich unter deutscher Führung agiert hätte, verhindert (Grenville, S. 206f, dagegen s.u. nachtr. einge- fügt "Mahan"). Salisburys Position zu Spanien ds. S. 206.

 

 

 

 

Grenville, S. 214.

 

Ds., S. 217.

 

 

 

 

 

Entsendung von deutschen Kriegsschiffen s. Grenville, S. 216.

Wortgefecht zwischen den Admiralen Dewey und Diederichs vor Manila Oncken, S. 483. Ob das Eingreifen der britischen Schiffe überhaupt authentisch ist, ließ sich nicht klären. In den deutschsprachigen Wikipedia zur Geschichte der Philippinen bzw. Manilas lässt sich die Epi- sode ohne nähere Quellenangabe nachlesen, in den englischsprachigen nicht. Grenville sortiert sie unter die Falschmeldungen ein (S. 199, 216, dort sieht er zumindest keine offizielle Aufgabe der britischen Neutralität). Ein wenig mehr liest man in: Dewey-at-Manila-Bay--Lessons-in-Ope- rational-Art-an.pdf. Dort heißt es auf Seite 11 un-

ren: "Despite initially having far fewer ships than the Germans would ultimately operate in the re- gion, the Americans enforced the blockade with an aggressiveness that prompted cooperation

from most foreign naval vessels." Ich denke, dass man daraus die Kooperation von vor Ort befindlichen britischen Schiffen herauslesen kann.

 

 

 

 

 

Persönliche Schlussfolgerung. Ähnlich sieht das

der Klett-Verlag. In diesem PDF als Material für Schulunterricht heißt es: "Der Sieg über Spani- en hatte den USA Stützpunkte eingebracht, die als Sprungbretter nach China dienen sollten."

<PDF nachträglich eingfügt 11.05.2016.>

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zu Faschoda sehr ausführlich Grenville, S. 218 - 234.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Französische Kriegsüberlegungen aus Grün- den der "nationalen Ehre", gleichzeitig "selbst- mörderisch", so der französische Außenminister

Delcassé gegenüber diplomatischen Vertretern laut Grenville, S. 225, Oncken zu französi- schem Taktieren S. 489. Salisbury hatte der Queen empfohlen, den deutschen Kaiser einzu- laden, ds..

Besuch des russischen Außenministers Mura- wiew in Paris, Salisbury ist nicht beeindruckt, Grenville, S. 227, ds. zur Dreyfus-Affäre. Briti- sche Zuversicht ds., S. 229, französisches Nachgeben ds., S. 230.

 

So eben auch die Analyse von Oncken, S. 489f.

Wenn in den französisch-britischen Beziehung- en durch "Faschoda" sich nicht eine neue Ära eröffnete, wie Grenville auf S. 234 meint, würde es bis dahin aber nicht lange dauern. Denn, so hat nicht nur Oncken auf S. 490 den Eindruck, "daß Salisbury bei der Richtung seiner Politik diese mögliche Folge (die Kluft zwischen Frank-

reich und Großbritannien zu schließen) sehr früh erkannt hat, wie auf der anderen Seite Delcas- sé, der, von dem russischen Bündnis ent- täuscht, seinen Blick nach London zu richten begann. Dagegen sucht man in den deutschen Akten vergeblich nach einer sicher formulierten Erkenntnis, daß seit dem Ausgang der Fascho- da-Krise der stärkste Trumpf, den man in Berlin lange Zeit hindurch der englischen Politik gegen-

über in der Hand hatte [Oncken kann nur die Möglichkeit des Kontinentalblocks meinen ], un- merklich an Wert nach allen Seiten zu verlieren beginne".

 

 

Zu Samoa sehr ausführlich Oncken, S. 491ff., und Grenville, S. 274ff. Nachträglich zitiert On- cken den deutschfeindlichen Diplomaten Eyre Crowe in Zusammenhang mit dessen Memoran-

dum (S. 604) zu Samoa: "...daß Lord Salisbury sein Möglichstes tat, um den Widerstand der Vereinigten Staaten zu wecken."

 

 

 

Salisburys Verhalten Grenville, S. 275f. Monar- chischer Briefwechsel ds. S. 276. Lösung der Samoafrage ds., S. 277, und Oncken, S. 495f. Der Kaiser sah seinem Besuch in Windsor im November 1899 mit "genuine pleasure" (Gren- ville, S. 277) entgegen und verhielt sich dort "englischer als die Engländer" (ds., S. 278).

Der Besuch von Kaiser und Gemahlin "leistete der englischen Politik einen unverglichlichen Dienst, dessen volle Tragweite damals noch nicht vorauszusehen war", Oncken, S. 498.

Hatzfeld hatte unter anderem geschrieben: "Was hier jetzt die Situation erklärt, ist der schrankenlose Hochmut, welcher sich der Eng- länder, namentlich der Regierung [Salisbury], der Regierungspartei, seit der Flottenvermeh- rung, der Unterwerfung des Mahdi und dem Zu- rückweichen Frankreichs bemächtigt hat. Man ist fest überzeugt, dass keine Macht es wagen wird, ernstlich gegen England aufzutreten." Na- türlich nicht, wenn man die USA in seinem Rü- cken weiß (Zitat Hatzfelds aus Oncken, S. 495). Ein Satz aus Oncken verdient noch besondere Erwähnung: "In dem Augenblick, wo das eng- lische Weltreich an jenes Unternehmen ging, dessen Riesenumfang damals auch die kühn- ste Phantasie nicht voraussah, war man in London der freundlichen Haltung des Deutsch- en Kaisers sicherer als irgendeiner Macht." (Oncken, S. 496, wohl abgesehen von der der USA). Oncken definiert nicht genau, was er mit diesem riesigen Unternehmen meint, der kom- mende Burenkrieg allein war nicht derart bedeu- tend. Ich behaupte, er sieht die hier beschrie- benen Ereignisse ebenso wie ich als Einheit.

 

Eine weitere wichtige Quelle, auf die Manfred Rauh sich stützt, ist George Monger, Ursachen und Entstehung der englisch-französisch-russischen Entente 1900 - 1907, Wissenschaft- liche Buchgesellschaft, Darmstadt 1972. Über Monger selbst konnte ich nichts in Erfahrung bringen.

Zur Venezuela-Affäre Oncken, S. 535ff, und Monger, S. 129ff. Britischer Vorschlag des Vor- gehens bei Oncken, S. 535/539, bei Monger, S. 129, geht der Vorschlag auf Deutschland zu- rück und ist vom Juli 1902.

<Nachträgliche Einfügung 11.05.2016>

Campbell (s. "Weiterführende Literatur") stützt Onckens Darstellung, wenn auch mit Verweis auf den "unzuverlässigen" deutschen Diploma- ten Eckardstein.

 

Gleichzeitig wurde seitens Großbritannien den USA übermittelt, ein "Friedensschritt" der euro- päischen Mächte gegen den Spanisch-Amerika- nischen Krieg, also gegen amerikanische Inter- essen, vier Jahre zuvor wäre von Deutschland orchestriert worden. Dabei steckte der eigene Botschafter in den USA Pauncefote dahinter.

(Oncken, S. 481f.)

<Nachträgliche Einfügung 11.05.2016>

Nach Campbell (s. "Weiterführende Literatur") kann man Onckens Darstellung so nicht stehen lassen. Pauncefote handelte nach diplomati- schen Gepflogenheiten, die britische Regierung verhinderte "Schlimmeres" (siehe ausführliche Darstellung dort).

 

 

"Die beiden Regierungen konnten, als sie aus dem ganzen Unternehmen ausschieden, gegen-

seitig nur loyales Verhalten anerkennen", On- cken, S. 539. Der amerikanische Gesandte Bowen vertritt Venezuela lt. Monger, S. 132.

"Sturm der Entrüstung, Feldzug der Schmähun-

gen" in Großbritannien gegen Deutschland ein- schließlich eines einschlägigen Gedichts von "Dschungelbuch"-Autor Rudyard Kipling, Mon- ger, S. 130, ds. Ausspruch des britischen Bot- schafters Sir Michael Herbert. Die amerikani- sche öffentliche Meinung wurde mit jedem Tag erregter, ds. S. 132. Ebenso dort meint Monger, Venezuela gab "leider" nach.

Hinzuzufügen ist noch der Satz von Oncken auf S. 540: "Zum ersten Mal hatte alle Art von übler Nachrede über die bedrohlichen deutschen Be- gehrlichkeiten auf ihrer Reise um den Erdball die systematische Unterstützung des anglo- amerikanischen Pressedienstes gefunden, und im nächsten Jahrzehnt sollte das liebevolle Be- mühen niemals aufhören, dem Amerikaner die Deutschen und ihre frevelhaften Absichten so sehen zu lassen, wie es dem englischen Inter- esse entsprach."

 

 

 

 

Zu den Abkommen Oncken, S. 491. Das briti- sche Vorgehen in Bezug auf die portugiesische Anleihe kam in Deutschland besonders schlecht

an (ds. S. 486ff).

 

 

Britische Haltung im allgemeinen Grenville, S. 258, Salisburys im speziellen S. 235f im Vorfeld des Konflikts, was er später "vergessen" haben wollte.

 

 

Strategische Überlegungen Grenville, S. 254. Salisbury hatte bereits ein härteres britisches Vorgehen in China ausgeschlossen, bevor nicht "mindestens" das französische Problem in Afri- ka beseitigt war, Grenville, S. 131, also deutli- cher Zusammenhang zwischen den Weltschau-

plätzen.

Burische Position Grenville, S. 256. Deutsche und andere Moderationsangebote ds., S. 240, und Oncken, S. 495.

 

 

Zum Abkommen s.o., ebenso zu Samoa, dazu auch Oncken, S. 493.

 

...und erfreut über die Lösung der Samoa-Frage

 

Zum oben bereits angesprochenen Besuch auch Oncken, S. 499.

Grenville, S. 279: Memorandum des Kaisers an den Prinzen von Wales, der seinen Neffen im besten Fall ohnehin nicht ausstehen konnte (ds.,

S. 37) und dadurch nicht unwesentlich in Rich- tung Weißglut transportiert wurde. "Niemals standen sich Onkel und Neffe freundschaftlicher

als zu dieser Zeit,..." meint dagegen Oncken

auf Seite 505.

 

Besuch des russischen Außenministers Mura- wiew in Berlin Grenville, S. 272, und Oncken, S. 504. Wenn Murawiew nur von einem diplomati- schen Schritt geredet haben sollte, kann ich mir nicht vorstellen, weswegen ein solcher die Bri- ten hätte beeindrucken sollen. Bei der damaligen

Flottenschwäche der Kontinentalmächte (Gren- ville, S. 272, 290) war also eine groß angelegte Landoperation die einzige Option.

Wilhelm war ja bereits 1898 für die Türkei ein- getreten, die als erstes einem solchen Vor- marsch zum Opfer gefallen wäre (der Kaiser konnte sich aber auch in Bezug auf die Türkei zukünftig noch sehr "flexibel" zeigen).

Nach Grenville (s.o.) lehnte Deutschland auf- grund der Flottenschwäche, laut Oncken (S. 504) wegen der seitens Frankreich unerfüllbaren

Forderung nach Anerkennung der Grenze jede Aktion ab. Ich meine, die familiären Beziehungen

und Sentimentalitäten Wilhelms II. hätten eine streng antibritische Politik kaum zugelassen.

 

Zum britisch-amerikanischen Verhältnis im Bu- renkrieg: S. 156 in Will Kaufman, Heidi Slette- dahl Macpherson, Britain and the Americas: Culture, Politics, and History : a Multidisciplinary Encyclopedia, ABC-CLIO, mehrere Orte, 2005.

 

 

 

 

 

 

 

Grenville, S. 402, und Monger, S. 69. Erst der russisch-japanische Krieg wird die Russen zu einer Übereinkunft über Persien geneigt stim- men.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Grenville, S. 325.

 

 

 

Grenville, S. 326. Laut Chamberlain ist Deutsch-

land der geeignete Kandidat, sich Russland, wo immer es geht, im britischen Sinne in den Weg zu werfen (Grenville, S. 315, das wäre gegen Salisburys Absichten. Misconceivement oder deception, Mr. Grenville?). Entsprechend ging es bei der deutsch-britischen Übereinkunft über China nur darum, Deutschland von Russland zu trennen (Monger, S. 24) bzw. Großbritannien und Deutschland gegen Russland aneinander zu binden (Grenville, S. 316). Salisbury wünsch-

te kein deutsch-britisches Abkommen zu China, weil das seine angedachte britisch-französi- sche Übereinkunft hätte stören können. Das brachte sein Kabinett extrem gegen ihn auf (Monger, S. 22). Deutschland nimmt Erwartung- en zugunsten eines britisch-japanischen Vor- gehens gegen russischen Druck auf China sehr zurückhaltend auf, worauf Bertie (s.u.) bereits wieder den Kontinentalblock von 1895 befürch- tet (Monger, S. 32). Lansdowne schlug ein Bündnis vor, das Deutschland zugunsten Ja- pans gegen Russland vorschiebt, da Großbri- tannien noch in Südafrika verwickelt ist (März 1901). Außerdem soll die deutsche Flotte die französische in Schach halten (Grenville, S. 340f). Bülow, inzwischen Reichskanzler, fiel darauf natürlich nicht herein (ds., S. 342). Lansdownes Versuch hinterließ in Japan, Deutschland und Großbritannien nichts als Frust (ds., S. 343).

Wilhelm II., der ans Sterbebett Königin Victorias geeilt war (sie war dann sozusagen in seinen Armen gestorben, was dem Kaiser in Großbri- tannien noch einmal große Popularität verschaff-

te), hatte in diesem Zusammenhang engere bri- tisch-deutsche Beziehungen gewünscht und den Gegensatz zu Russland betont, daraus aber im Zusammenhang mit dem russischen Druck auf China und der japanischen Oppositi- on dagegen keine für Großbritannien befriedi- genden Konsequenzen gezogen. Großbritannien

fühlt sich im Stich gelassen (Monger, S. 28/37).

Zu Unrecht. Es ist nicht an Deutschland, von Großbritannien für dessen Interessen in den Krieg mit Russland getrieben zu werden (per- sönliche Einschätzung).

 

"Margin of superiority" Grenville, S. 389. Zwi- schenzeitlich erneut "naval scare", diesmal ge- gen eine russisch-französische Flottenverbin- dung im Pazifik, ds. S. 403, und [wie immer] un-

begründet, ds. S. 404.

 

Grenville, S. 398. Grenvilles Darstellung, Lans- downe hätte friedliche Absichten gehabt (ds. S. 401), ist nicht zu folgen. Die Warnungen des britischen Botschafters in Tokio Satow vor dem japanischen Kriegskurs waren bekannt (ds., S. 419). Die Unterstellung, Lansdowne würde das Abkommen zur Abschreckung Russlands anse-

hen (und so den Frieden wahren), ist demnach unglaubwürdig.

 

 

Gerade im Kabinett. Monger, S. 72f.

Persönliche Einschätzung.

Monger, S. 77.

 

Grenville, S. 413f.

 

 

 

Monger, S. 90. Der amerikanische Präsident Theodore Roosevelt war ein "starker China- politiker" (der dort vor allem die "Politik der offe- nen Tür" verfocht).

Zu Denison Grenville, S. 408f.

 

 

 

 

 

Monger, S. 183f.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Diplomatenfraktion Monger, S. 123ff, deren Unterstützung durch den König S. 125.

 

S. 291.

 

S. 531.

 

 

 

Eindruck der Auseinandersetzung auf Frank- reich Oncken, S. 540, 542f.

Mit Abkommen im Vorfeld der Entente Cordiale hatte Großbritannien seinen diplomatischen Spielraum bereits erweitert. Etwa mit Frank- reich über Südostasien (Monger, S. 98). 1902 hatte Lansdowne Italien die Kontrolle über Liby- en erlaubt (Grenville, S. 433, "Tripolis-Deklara- tion", ein Zwischenschritt zur Herauslösung aus dem Dreibund und zur Ermöglichung der Ereig- niskette zur Ingangsetzung des Ersten Welt- kriegs, auch Monger, S. 92). 1903 erlaubte Lansdowne Frankreich die Kontrolle über Ma- rokko (Grenville, S. 432, ein Zwischenschritt zum Schmieden der Allianz des Ersten Welt- kriegs). Anerkennung eines italienisch-französi- schen "Tripolis-Marokko"-Abkommens durch Großbritannien laut Oncken, S. 532. Italien er- neuerte den Dreibund formell, löste sich aber inhaltlich von ihm und gab so Frankreich Rück- endeckung für die Entente Cordiale. Frankreich hatte Italien bereits 1900 "gekauft", zwischen- zeitlich hatte Großbritannien eine "lateinische" (Frankreich-Spanien-Italien) Allianz im Mittel- meer befürchtet (Monger, S. 166), der franzö- sische Außenminister Delcassé aber bereits eine französisch-britisch-russisch-italienische Verbindung gegen Deutschland vorgeschlagen (Monger, S. 224).

Zielrichtung der Entente längerfristig gegen Deutschland (ds., S. 125), kürzerfristig, um Frankreich von einem Kriegseintritt an der Seite Russlands abzuhalten (ds., S. 158, 229).

 

Russische Rückzugs-Zusage aufgrund briti- schen und amerikanischen Drucks Monger, S. 90. Amerikanischer diplomatischer Schritt ds., S. 154f. Großbritannien wollte das auch noch anstacheln, aber die amerikanische Haltung war überinterpretiert worden. Die USA schließen

[zu diesem Zeitpunkt!] einen Kriegseintritt aus (ds., S. 154ff, vielmehr soll Japan vorgeschoben

werden, persönliche Einschätzung).

Neue Verhärtung der russichen Haltung ds., S. 172f, womöglich hatte sich in St. Petersburg ei- ne "Kriegspartei" durchgesetzt, persönliche Ein- schätzung).

Britische Note und Lansdownes Selbsteinschät-

zung ds., S. 174.

Das PDF beruht auf "On the Periphery of the Russo-Japanese War", was ebenfalls als PDF im Internet herunterladbar zur Verfügung steht.

 

Auch nicht Großbritannien, Monger, S. 156. Kaiser Wilhelm II. glaubt fest an einen russi- schen Sieg gegen Japan, entsprechend gibt es keine Vorbereitungen für ein deutsches Eingrei- fen (Oncken, S. 548f). Der Krieg erwischte Russland schon dahingehend auf dem falschen Fuß, als dass die Transsibirische Eisenbahn noch nicht komplett fertig war (Monger, S. 8f). Zwischenzeitlich hatten die russischen Schiffe irrtümlich auf britische Fischerboote in der Nord-

see gefeuert, die sie für japanische Torpedo- boote hielten. Die britische Flotte fügte der rus- sischen eine tiefe Demütigung zu, indem sie sie dafür vorübergehend im spanischen Hafen Vigo einschloss ("Doggerbank-Zwischenfall"). Die Ente, dass die "Präsenz" japanischer Torpedo- boote in der Nordsee auf "Warnungen" des deutschen Kaisers an die Russen zurückgeht, ist eine Konstruktion des britischen Diplomaten Bertie (Monger, S. 216).

 

Noch im Krieg erneuern Japan und Großbritan- nien ihr Bündnis, die Einbeziehung der USA ist angedacht. Die triumphale Wiederwahl Roose- velts ermöglicht "den Vorschlag eines gemein- samen Vorgehens bei Kriegsende im Zusam- menhang mit dem möglichen Friedensbeding- ungen" (Monger, S. 224f). Roosevelt macht mit und würde sich einem Eingreifen der Neutralen [Deutschland, Frankreich] gegen Japan wider- setzen (ds. S. 225f).

Der entscheidende Satz bezüglich des ameri- kanischen Eingreifens findet sich in Shoji Mitarai,

The Road to the Portsmouth Peace Treaty: The reluctance of European nations to act as medi ators (PDF aus dem Internet, S. 1): "He [Roo- sevelt] did not want Russia driven off the Pacific slope, and this message convinced the Tsar."

Roosevelt erhielt für seine Bemühungen den Friedensnobelpreis.

 

Zu den deutschen Aktivitäten Barbara Vogel, Deutsche Rußlandpolitik. Das Scheitern der deutschen Weltpolitik unter Bülow 1900–1906,

Bertelsmann, Düsseldorf 1973. Hierin:

S. 122: Echte russische Friedensliebe ist ver- dächtig, denn sie könnte Russland und Groß- britannien einander näher bringen! Das muss verhindert werden!

Beseitigung der Zweifrontenbedrohung S. 161,

Kanzler Bülow lässt den deutschen Botschafter in Japan weitergeben, Russland wäre friedlich, gleichzeitig weist der Kaiser den Zaren auf die günstige Gelegenheit hin (S. 154), auch auf S. 158 einschlägige Telegramme nach St. Peters- burg und Tokio.

S. 121: Deutschland "bündnisfähigstes Land" laut Bülow. Manifestation des deutschen Fehl- kalküls.

Ausdruck "zweites Sedan" beispielsweise bei Neitzel, Kriegsausbruch, S. 86.

 

 

 

 

Die Überlegung, Frankreich sozusagen in dies- es Bündnis mit hineinzuzwingen, war die Idee des Zaren, nicht des Kaisers, während der eb- enso gescheiterten Vorverhandlungen vom No- vember 1904 (Oncken, S. 556). Admiral Tirpitz war von dieser Idee nicht begeistert (ds. S. 557f). Im Übrigen erwies sich die (unfertige) deutsche Flotte als "Kriegshindernis", denn ein Kriegseintritt Deutschlands an der Seite Russ- lands hätte für Großbritannien den Bündnisfall ausgelöst und die britische Flotte hätte die deut- sche dann wohl vernichtet (Vogel, S. 168f, konk-

ret beziehen sich die Besorgnisse auf Präven- tivkriegsüberlegungen des deutschen Heeres- generalstabs gegen den angedachten Bündnis- partner Frankreich).

Bülow war das Björkö-Abkommen wegen seiner

Beschränkung auf Europa auch nicht recht, er wollte seinen Abschied nehmen. Der sentimen- tale Kaiser drohte für diesen Fall mit Selbstmord

(Oncken, S. 581f).

Russischerseits wurden sogar Sondierungen in Frankreich bezüglich des Beitritts zum Björkö- Bündnis unternommen. Die Franzosen lehnten natürlich ab - jedoch mit der überraschenden Begründung, ihre neue Beziehung zu Großbri- tannien könnte darunter leiden! (Oncken, S. 583)

 

 

Vogel S. 172f: Kredit, Kohle und Verlautbarung- en an Russland, damit der Krieg nur nicht so schnell zu Ende geht. Ds. S. 169 findet man in Deutschland die amerikanische Einmischung in Ostasien vorteilhaft. Roosevelt kommt bei On- cken gut weg (S. 551f, 563f, sein Auftreten ge- gen britische antideutsche Pressehetze und zugunsten des deutschen Kaisers könnte auch ein Verschleierungsmanöver gewesen sein). Auch Großbritannien, das wohl Russland auch noch gerne eine Weile beschäftigt sehen möch- te, nimmt die Mediationswünsche kühl auf (Mon-

ger, S. 230, 241) Der Kaiser beteiligt sich schließlich doch noch an den Friedensbemüh- ungen (Genaueres nur bei Mitarai, S. 7, der deutsche Botschafter in Washington suchte seinen japanischen Kollegen vom langen Atem Russlands und der japanischen Erschöpfung zu überzeugen) und lässt sich von Roosevelt eine dahingehende "Bescheinigung" ausstellen (Vogel, S. 173).

 

Salisburys Kalkül hierzu Grenville, S. 427.

 

 

 

 

"Unterirdisch" wurde das in Großbritannien vor- bereitet, meint Oncken auf S. 551.

 

 

 

 

 

Angebliche deutsche Interesssen in Marokko Oncken, S. 567f, 584, auch Vogel, S. 166. Be- reits im Krieg 1870/71 müssen die Franzosen Nordafrikaner eingesetzt haben, Oncken, S. 568.

"Würde als Großmacht", Vogel, S. 167.

 

 

Wiederholter britischer Argwohn Monger, S. 236,

243, auch Oncken, S. 585.

Untergrabenes Gleichgewicht Monger, S. 226, überlegene deutsche Position Vogel, S. 165, die vor allem den Geheimrat Holstein veranlasst, Druck auszuüben (Oncken, S. 585).

Großbritannien bot Frankreich Schutz gegen deutsche Hafenforderungen in Marokko an. Frankreich bot Deutschland - marokkanische Häfen! - an. Deutschland war nicht interessiert (Oncken, S. 574f).

 

Die Information stammt von Delcassé, Lans- downe hat ihren Wahrheitsgehalt bestritten. Es gibt aber auch britischerseits Zeugen (Oncken, S. 576f). Laut Monger, S. 248, handelt es sich bei dem britischen "Angebot" um ein französi- sches Missverständnis. Die Sache wird ver- kompliziert durch Neitzel (S. 88), der sie mit der Zahl von "105.000" Mann bestätigt und sich da- bei auf die englischsprachige Version des Wer- kes von Monger stützt. Wenig später kam der britische Admiral Fisher auf den Plan zurück (Monger, S. 258f).

 

So die Argumentation bei Rauh, S. 49.

Oncken, S. 570: Deutscher Einfluss in Marokko würde eine "reaktionäre islamitische [sic] Be- wegung" stützen. Sieh an!

Die Landung in Tanger erwies sich als ein für Deutschland politisch, für den Kaiser sogar kör-

perlich gefährlicher Bluff, da er dort ein fremdes Pferd besteigen musste, das er mit nur einem Arm nicht richtig steuern konnte und das ihn angeblich beinahe umgebracht hat. Dafür mach-

te er Bülow verantwortlich (Oncken, S. 572).

In Algeciras ist der Kaiser, was von Bülow kri- tisch gesehen wird, nicht kriegsbereit (er braucht erst ein Bündnis "mit Sultan und Islam" und artilleristische Aufrüstungsmaßnahmen, Oncken, S. 586ff).

Ablehnende Position der USA s. Neitzel, S. 86,

trotz freundschaftlichen Verhältnisses zwischen

Kaiser und Präsident (Oncken, S. 593).

Betrachtet man die Angelegenheit insgesamt, war sie eigentlich nur ein Sturm im Wasserglas, der den ganzen Aufwand nicht lohnte (persön- liche Einschätzung), der Entente Cordiale bzw. dem "neuen europäischen Kurs" aber Gelegen-

heit zu einem "ersten Probestück" lieferte (On- cken, S.595).

 

 

Zu den Ereignissen s. Neitzel, S. 91.

 

 

 

 

 

 

 

Russisch-britisches Abkommen Neitzel S. 95, russisch-japanisches S. 92.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Kaiser stellte fest, dass "die Einkreisungs- politik ihren ruhigen, unveränderlichen Gang nehme", Neitzel S. 92. 1907 war es noch ruhig.

Bertie-Zitat laut Monger, S. 273. Gefolgt von ei- nem Zitat von Austen Chamberlain, nachdem die russisch-britische Verbindung geeignet ist, dem deutschen Adler Klauen und Schwingen zu schneiden. Er hatte außerdem Lansdowne geraten, bei den Verhandlungen mit Russland vom "Nahen Osten" (= aus britischer Sicht Ost-

europa) auszugehen, wo "die russischen und deutschen Interessen aufeinandertrafen."

 

Zitat aus Dale C. Copeland, The Origins of Major

War, Cornell University Press, Ithaca (N. Y.) und London, 2000, S. 68. Zu dieser Schrift wird eine eigene Buchbesprechung angefertigt.

 

 

 

 

Aus Stefan Schmidt zu Frankreichs Plan XVII in Der Schlieffenplan, siehe 2. Kapitel zum 2. Teil,

S. 256.