1 - Wormer

Klaus Wormer: Großbritannien, Russland und Deutschland am Vorabend

des Ersten Weltkriegs

© Holger Bergmann 2015 - 2018

Während man bei Campbell (siehe vorherige Buchbesprechung) von einem Indi- zienbeweis ausgehen muss, der "Colt" raucht zwar nicht mehr, sondern liegt, kurz zuvor abgefeuert, in der Schreibtischschublade des Täters, liefert Wormer den "rauchenden Colt" tatsächlich. Bei Campbell ging es darum, dass die Amerikaner die Briten ferngesteuert haben. Bei Wormer sollte gefunden werden, dass die Briten Deutschland und Russland gegeneinander in den Krieg treiben wollten, und zwar nicht, wie man meinen sollte, als Alliierter des Ersten Weltkriegs zum Vorteil Russlands, sondern zu dessen Nachteil.

 

Dass die Briten den Kurs in den Ersten Weltkrieg maßgeblich bestimmt haben, ist die Thematik des Hauptteils. Nachdem aber nicht von einem jahrzehntelang ab- zuarbeitenden Masterplan ausgegangen werden kann, ist der Nachweis des An- sinnens nicht so einfach zu führen. Das ging bisher nur in Form von Schlussfol- gerungen aus Ereignissen und Äußerungen handelnder Personen.

 

Der "rauchende Colt" besteht nun aber darin, dass die entsprechende Absicht offen geäußert wird. Wormer unternimmt das spät in seiner Arbeit (S. 271f), aber er unternimmt es. Allerdings kommen wir auch hier um den Einbau einer Schlussfolgerung nicht herum. Zitieren wir:

 

"Die liberalimperialistischen Interventionisten, namentlich Asquith und Grey, hatten es in der sicheren Erwartung eines deutschen Angriffs auf Belgien erreicht, durch ständige Verzögerung der Entscheidung schließlich auch auch jene Minis- ter für den Kriegseintritt zu gewinnen, die einen spektakulären Rechtfertigungs- grund dafür brauchten. Eine Spaltung quer durch das Kabinett war dadurch ver- mieden worden und sicherte schließlich auch die parlamentarische Zustimmung für die Kriegskredite, die ohne Gegenstimme gegeben wurde. Seit dem 29. Juli, spätestens aber seit dem Zeitpunkt der deutschen Kriegserklärung an Russland am 31. Juli [falsch, war 1 Tag später], arbeitete die interventionistische Gruppe gemäß ihrer Überzeugung, dass ein deutscher Krieg und die darin liegende Gefahr einer deutschen Hegemonie den englischen Kampf notwendig machen würde, auf diese Entscheidung hin."

 

Das bedeutet nun folgendes: Gemäß der Analyse im Hauptteil sowie unten und der "Andeutung" der Wormer-Quelle Hazlehurst hier rechts im Anmerkungsteil führt die britische Politik zu einem Krieg zwischen Deutschland und Russland. Eine "deutsche Hegemonie" kann sich dabei aber nur über eine militärische Nie- derlage Russlands manifestieren (Schlussfolgerung), die damit im britischen Kon- zept einkalkuliert ist!

 

Damit könnte man es mit der Analyse von Wormers Arbeit eigentlich bewenden lassen. Sie gibt aber eine Vielzahl von Details her, die eine interessante Ergän- zung des Hauptteils darstellen. Deshalb soll hier auf einige Begrifflichkeiten im Einzelnen eingegangen werden. Wormer konzentriert sich in seinem Quellenstu- dium voll auf die britische Seite und setzt die Bewertung der deutschen Position offensichtlich als anderweitig gegeben und damit nicht nachzuprüfen voraus (das Gegenteil wäre aus Umfangsgründen innerhalb einer einzelnen Doktorarbeit sicher nicht sinnvoll zu leisten gewesen), was zu einigen fragwürdigen Behaup- tungen führt. Dazu mehr unten.

 

 

"Gleichgewichtspolitik":

 

Wormer übernimmt den Begriff einerseits an zahlreichen Stellen, andererseits sammelt er jede Menge Beweise für das Gegenteil. Möglicherweise hat er in seinen Studien einfach die Begrifflichkeit der "balance of powers" aus dem diplo- matischen Schriftverkehr übernommen, mit der sich die handelnden Briten gegen- seitig ihres politischen Kurses versicherten. Dass dadurch ein Widerspruch zum üblichen Verständnis des Begriffs entstand, muss sie nicht gekümmert haben, sie konnten es auch als euphemistische Verbrämung billigend in Kauf nehmen.

 

 

 

 

 

"Gleichgewichtspolitik" sollte eigentlich heißen, dass eine (an sich neutrale) Partei das berühmte "Zünglein an der Waage" spielt, damit zwei andere Parteien sich gegenseitig in Schach halten, niemand überlegen wird und so der Frieden gewahrt bleibt. Wie wir bereits gesehen haben, betrieben die Briten stattdessen eine Politik, die ein Übergewicht der Mächte der Tripel-Entente über die Mittelmächte bewirkte. Wie konnte das mit dem Begriff der "Gleichgewichtspolitik" vereinbart bzw. verschleiert werden?

 

Man unternahm es dergestalt, indem man "Gleichgewichtspolitik" und "britische Interessen" einfach gleichsetzte. Damit wurde jede britische Politik Gleichge- wichtspolitik, auch wenn sich der Inhalt total gewandelt hatte. So konnte man sich nach außen weiterhin die Schiedsrichterrolle anmaßen, während man in Wirklich- keit längst Partei war.

 

Großbritannien war von anderen Mächten abhängig geworden und musste zum Zweck der Sicherung des Empire die friedenssichernde Schiedsrichterrolle aufgeben, sie aber nach außen weiter propagieren. Theoretisch formuliert das Wormer folgendermaßen, nämlich dass aus der "multipolaren konfliktregulieren- den Gleichgewichtspolitik" die "bipolare interventionistische Gleichgewichtspolitik" wird, letztere Version stellt dabei nichts anderes als Einkreisungs- und Kriegs-politik dar.

 

Um den gedanklichen Spagat der Umwandlung der Gleichgewichtspolitik zur Par- teinahme zu schaffen, brauchte es noch die Halluzination der Herausforderung durch Deutschland und die Antizipation von dessen Hegemonie im Fall eines siegreichen Kontinentalkriegs. Das Problem dabei ist, dass man sich nicht gegen eine echte, was noch zu rechtfertigen gewesen wäre, sondern eine eingebildete Bedrohung meinte zur Wehr setzen zu müssen (deren Definition ist bereits wohl- bekannt und wird unten noch einmal behandelt).

 

Dass inhaltlich an der Gleichgewichtspolitik nichts mehr dran war, bestätigten Beteiligte. Goschen redete 1910 von der Gleichgewichtspolitik in der Vergan- genheistform. Nicolson gab im Februar 1913 zu, dass von einer "Gleichge- wichtslage" für Deutschland keine Rede sein konnte. Grey bestritt im Nachinein in seinen Memoiren, überhaupt Gleichgewichtspolitik betrieben zu haben.

 

Der innere Widerspruch, nach dem es nicht möglich war, gleichzeitig mit einer "Gleichgewichtsstrategie den gesamteueropäischen Konflikt zu vermeiden" und mit Hilfe einer "imperialen Gleichgewichtsdiplomatie dem steigenden sicherungs- strategischen Bedarf des Empires“ gerecht zu werden, erklärt sich also nicht aus einer in sich widersprüchlichen britischen Politik, sondern aus der propagandis- tischen Übertragung des Gleichgewichtsbegriffs auf sein Gegenteil.

 

 

Entwicklung ohne britischen Kriegskurs?

 

Beschäftigen wir uns vorab mit der Frage, was passiert wäre, hätte Großbritan- nien seinen Kurs nicht in Richtung Krieg gesteuert. Dazu wäre es notwendig ge- wesen, strengste Neutralität zu wahren. Zitate aus Wormer bestätigen aber die am Ende von "Kriegsgeständnisse" angestellte Analyse, dass Großbritannien dann die totale Isolation und damit der Verlust des Empires gedroht hätte. Es musste sich für eine Seite entscheiden. Nachdem ein Mitgehen mit den Mittel- mächten auch für diese, siehe Kapitel "Alternativen", nicht opportun war, blieb nur eine Entscheidung, die zur Tripel-Entente. Damit kalkulierte man britischerseits, siehe unten, den russischen "Wirt", dessen Expansionismus und den dadurch über einen Balkankonflikt führenden allgemeinen europäischen Krieg in seine Rechnung mit ein. Kurz: Ohne Krieg war das Empire nicht mehr zu halten.

 

Dass bei einem derartigen Kurs Rüstungsbeschränkungen und Friedensbemü- hungen wenig Sinn machen, liegt auf der Hand. Insbesondere im Flottenbereich wäre ein im Rahmen der Haager Friedenskonferenz die britische Übermacht ein- hegendes Abkommen für Großbritannien kontraproduktiv gewesen. Im Jahr 1908 drohte Grey mit Rücktritt, weil Forderungen nach Rüstungsbeschränkung zu Zugeständnissen an Deutschland hätten führen können. Goschen, zu diesem Zeitpunkt britischer Botschafter in Berlin, meint, eine Verzögerung des Flotten- bautempos könnte Deutschland tendenziell technologisch aufholen lassen. Inner- britisch verfestigt sich das Bild, die Form der Auseinandersetzung mit Deutschland würde der Kontinentalkrieg im größeren Maßstab sein.

 

Ein allgemeines Abkommen (1910/11, nachdem Deutschland mit Kaiserbesuchen neue Entspannungsinitiativen zu Russland und Großbritannien gestartet hatte) scheiterte daher nicht am französischen Revanchebedürfnis, sondern am briti- schen Bedürfnis, das französische Revanchebedürfnis für seine Zwecke zu nutzen.

 

So zeigte es sich, dass ein multilaterales Abkommen verhindert wurde, weil Großbritannien die Aggressionsabsichten Russlands und Frankreichs brauchte. Das multilaterale Abkommen wäre gleichbedeutend damit gewesen, dass sich Großbritannien in Abhängigkeit vom Kontinent begibt. Das wäre der Strategie der Abhängigkeit von der anderen angelsächsischen Macht zuwidergelaufen.

 

 

Art und Weise der britischen Kriegsherbeiführung:

 

Wie sah nun die britische Methodik aus, um zum Krieg zu kommen? An der Argu-

mentation aus dem Hauptteil ändert sich nichts. Nachdem man Russland mit fremder Hilfe in Ostasien eine schmähliche Niederlage beigebracht hatte, ver- suchte man es mit Abkommen über Persien an der "indischen Front" ruhigzustel- len, und gab ihm andererseits auf dem Balkan freie Hand, wo es früher oder spä- ter zum Konflikt mit den Mittelmächten kommen musste.

Auch Wormer gibt eine Fundstelle an, nach der sich ein pro-russischer Kurswech- sel der britischen Politik schon länger angedeutet hatte. Grey, der im Übrigen selbst schon "sehr früh" für Russland optiert hatte, brauchte indes nur Lans- downes Politik fortzusetzen. Die europäischen Implikationen der Asienkonven- tion, deren Folgewirkungen dann 1914 "unerbittlich zur Wirkung kamen", wie Wormer sich ausdrückt, hatte Grey dabei bereits 1907 im Auge. "Diese Konstella- tion [des sich über einen Balkankrieg entwickelnden europäischen Krieges] war seit 1908 mehrfach, bei jedem Anzeichen von Schwierigkeiten auf dem Balkan, theoretisch durchgespielt worden und bekannt", führt Wormer weiter aus.

Verbindungen zwischen der Asienkonvention und der deutschen Flottenrüstung ziehen zu wollen führt in die Irre. Stattdessen wird zugegeben, dass in die Asien- konvention führende Überlegungen schon vor der britischen Fokussierung auf die deutsche Flotte angestellt wurden. Die Asienkonvention ist somit langfristig stra- tegisch angelegt. Die zugrunde liegende Strategie kann man m.e. nicht zutreffend als "Sicherungsstrategie" bezeichnen, denn eine solche ist zum einen für die Schwächephase Russlands, in der die Konvention abgeschlossen wurde, über- flüssig und wäre zum anderen bei Erstarken Russlands hinfällig. Diese so genannte "Sicherungsstrategie" gehört in Wirklichkeit zur Einkreisungsstrategie gegen Deutschland und Österreich-Ungarn.

 

Das bedeutet insgesamt, dass der aggressive russische Expansionismus ins bri- tische Konzept einbezogen wurde. Für die französischen Revanchegelüste gilt ge- nau dasselbe. Und nicht nur wurde, wie bereits ausgeführt, Russland auf dem Balkan freie Hand gelassen. Darüber hinaus wurde der Balkan als Kriegsauslöser einkalkuliert! Nicolson freut sich jedenfalls über die russisch/österreich-ungarische Entfremdung. Die deutsche Furcht vor einem daraus resultierenden Zusammen- stoß ist ihm genauso wohlbekannt. Eine Bedrohung Großbritanniens durch Deutschland wird auch hier weiterhin nicht gesehen.

 

Dass man sich von Russland nicht entfremden darf und dessen aggressive Bal- kanpolitik die Indienfront entlastet, ist dabei nur ein Teil der Wahrheit. Diese Argu- mentation wird unten noch genauer fortgeführt.

 

Dabei war das britische Konzept keineswegs ausschließlich langfristig angelegt. Dass es nicht schon vor 1914 zum Krieg kam, lag immer wieder am nicht aus- reichenden russischen Rüstungsstand, und zumindest bei den beiden früheren "systematischen" Krisen gewiss nicht an der britischen Moderationsbereitschaft. Bereits zur Bosnischen Annexionskrise hatte sich Großbritannien kriegsbereit ge- zeigt. Das wiederholte sich zur Zweiten Marokkokrise. Grey plädierte 1911 für eine unnachgiebige Haltung, damit nicht genug, wollte er doch schon zu diesem Zeitpunkt Deutschland mit der Armee "größtmöglichen Schaden zufügen". Die Be- rechtigung der deutschen Ansprüche wurde dabei durchaus anerkannt. Aber man übte Nachsicht für Frankreich, dessen "Weichwerden" man wie das russische von 1908/09 fürchtete, und betrieb Propaganda gegen Deutschland.

Die Krise verbessert jedenfalls die innerbritische Geschlossenheit. Die bisher et- was Distanzierten Winston Churchill und David Lloyd George tun sich dabei im Sinne einer militärischen Intervention besonders hervor.

Welche Konsequenzen aus einem britischen Kriegseintritt folgen würden, war der britischen Führung also schon 1911 bis ins Detail klar. Das ging so weit, dass man überlegte, Belgien mit der Drohung der Blockade von Antwerpen zum Widerstand gegen einen deutschen Durchmarsch zu zwingen.

 

Aus den obigen Ausführungen ergibt sich, dass die Frage nach dem Entschei- dungsspielraum der britischen Politik keinen Sinn macht. Denn die Entscheidung- en waren längst getroffen worden. Greys Absprachen hatten eine implizite Ver- pflichtung zum Kriegseintritt bewirkt, und der Krieg sollte unter "vorteilhaften Be- dingungen" stattfinden, eine "margin of superiority" ist anzustreben, also wird ganz gewiss kein Gleichgewichtsverhältnis gesucht. Nichts darf unternommen werden, was die Tripel-Entente gefährden könnte. Maritim wollte Großbritannien den deut- schen Flottenbauverzicht ohne eigene Zugeständnisse. Es ging um den britischen Machtanspruch, und demgegenüber war auch die Kostenfrage zweitrangig. Ergänzend waren Englands Partner "immer eilfertig mit Mahnungen an der Hand, wenn deutsch-englische Entspannungsbemühungen zu intensiv zu werden drohten."

 

Zwischenzeitlich war es in Vorderasien erneut zu einem britischen Kurswechsel gekommen. Nachdem man sich von den Meerengen zurückgezogen hatte und dafür russischerseits Zugeständnisse in Persien erwartete und in Afghanistan auch erhielt, engagierte man sich gegenüber der Türkei wieder stärker. Richtig ist natürlich, dass auch Deutschland in Richtung Südosten aktiv war. Aber daraus im allgemeinen und aus einem deutsch kontrollierten Hafen am Persischen Golf im Besonderen eine Gefährdung des Britischen Weltreichs abzuleiten erscheint doch in nicht geringem Maße übertrieben.

 

 

 

Jedenfalls fürchtete man türkische Pressionen gegen Ägypten und beschäftigte sich mit Destabilisierungsüberlegungen gegen die Türkei. Auf die britische Forde- rung nach Beteiligung an der Bagdadbahn ging Deutschland gerne ein, schließlich konnte britisches Kapital aquiriert und mit der Beteiligung die Hoffnung genährt werden, Großbritannien aus dem abzusehenden Krieg herauszuhalten.

 

 

 

 

 

Die Meerengen halten wollte Großbritannien jedenfalls auf keinen Fall mehr. Es liegt stattdessen der Schluss nahe, dass mit dem britischen Auftreten gegen das deutsche Vordringen in der Türkei ein ganz anderes Ziel verfolgt wurde. Nämlich dass man befürchtete, diesem deutschen Vordringen könnte ein ebensolches im türkischen Nachbarland Persien folgen. Und dadurch hätte das für dort angedach- te, zur Kriegsauslösung wesentliche Arrangement (dazu s.u.) mit Russland in Gefahr kommen können.

 

Die von Wormer zu den Ereignissen des Jahres 1914 gelieferten Ausführungen soll hier auch etwas Raum gegeben werden. Zunächst wurde Persien noch aus einem weiteren Grund für die Briten interessant. Die ersten ergiebigen Ölfunde in Südpersien gelangen im Jahr 1908; seit 1914 betrieb der inzwischen Marinemini- ster gewordene Churchill die Sicherung der Lagerstätten für Großbritannien und die Umstellung der britischen Flotte auf Ölfeuerung. Die strategische Bedeutung des Gebiets gelangte im Deutschen Reich nie zur Bewusstwerdung; die Einnah- me der Ölfelder (1914 oder zu einem späteren Zeitpunkt des Kriegseintritts der Türkei mit relativ einfachem, 1940/41 mit vergleichsweise hohem, aber wohl zu leistendem Auwand möglich) hätte die Kriegsverläufe im Maß irgendwo zwischen "nicht unwesentlich" und "entscheidend" beeinflusst.

 

Die nun unverhohlene russische Expansionspolitik Richtung Balkan machte zwi- schenzeitlich auch in Großbritannien und Frankreich kalte Füße. Zur Sanderskrise hatte Großbritannien zur Zurückhaltung plädiert. Die Krise kommt den Briten un- gelegen, da sie sich selbst an der Infiltration der Türkei beteiligt hatten. Ebenso liegt die (grundlose) Aggression eindeutig bei Russland. Russland hätte sich auß- erdem jederzeit wieder zurückziehen können, der Schwarze Peter wäre dann bei Großbritannien gelegen. Zum wiederholten Mal musste dazu der nicht ausreich- ende russische Rüstungsstand festgestellt werden.

 

Bekannt war (in der Folge der Sanderskrise) die wachsende russische Entschlos- senheit, weitere diplomatische Erfolge der Mittelmächte, damit die Demütigung Russlands und Schwächung seiner Position in Südosteuropa, mit Waffengewalt zu verhindern. Dass Nicolson die deutsche Friedfertigkeit gegenüber Frankreich zugibt, ändert nichts mehr. Für die Tripel-Entente gibt es schon in den Monaten vor dem Kriegsausbruch kein Zurück aus dem eingeschlagenen Kriegskurs mehr.

 

Jedenfalls wirft Bertie, selbst einer der Hauptprotagonisten der Eskalation, Nicol- son dann "blinde und verantwortungslose Gefolgschaft gegenüber Rußland" vor. Nicolson, der Russland tatsächlich bedingungslos unterstützt, ist damit allerdings nicht allein. Der Zar dagegen wird von führenden Mitarbeitern als "pazifistisch" gescholten und sieht sich veranlasst, das durch markige Äußerungen zu kontern.

Sasonow wollte sich wohl schon im Mai 1914 auf den Marsch in Richtung Meer- engen machen. Aber Großbritannien hat weiter Bedenken wegen des falschen Zeitpunkts.

 

Auch Wormer sieht, dass die Marinekonvention von "einiger Tragweite" für den Kriegsausbruch ist. Eine (kriegsvermeidende) Revision der deutschen Außenpo- litik gegenüber Österreich-Ungarn war, und hier ist Wormer zu widersprechen, 1913/14 für Deutschland nicht oder jedenfalls nicht ohne Verlust seines einzigen Verbündeten von Gewicht und damit seiner Machtbasis möglich.

 

Im Hauptteil ist zur Julikrise von einem Experiment der Mittelmächte zur Auslo- tung der Kriegsbereitschaft der Tripel-Entente die Rede. Wormer berichtet, dass Russland und Frankreich hier ebenfalls ein Experiment unternahmen: nämlich den Test auf die britische Bündnistreue!

 

Der Verlauf der Julikrise zeigt, dass Deutschland genau zu dem Zeitpunkt eska- liert, als mit der britischen Neutralität definitiv nicht mehr zu rechnen ist. Das wie- derholt sich beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs und war zur Adriakrise 1912 mit umgekehrten Vorzeichen und entsprechend umgekehrten Ausgang schon ge- nauso. Diese Umstand wird durch die deutschen Kriegserklärungen 1914 ver- schleiert. Spekuliert werden muss, dass ohne diese Russland und Frankreich Deutschland angegriffen hätten und der Krieg darüber ausgebrochen wäre.

 

 

 

 

Im Endeffekt ist Anfang August die Situation eingetreten, auf die Großbritannien so lange hingearbeitet hat. Selbst die kurz vor der Eskalation zum Bürgerkrieg stehende gleichzeitige Krise in Irland kommt der britischen Führung nun recht, da sie durch einen europäischen Krieg verdrängt werden kann und somit Druck in Richtung eines solchen ausübt. Die britischen Interessen sind der Friedenssiche- rung übergeordnet. Die Hoffnung der Mittelmächte auf britische Neutralität war von Anfang an illusorisch. Auch wenn Russland selbst zur Julikrise immer noch nicht ausreichend gerüstet ist, wird die britische Haltung für Russlands Vorgehen und damit für den Kriegsausbruch entscheidend. Der günstige Ausgang der bis- herigen Krisen berechtigte nicht zu Illusionen (so kann man Wormer gegen "Schlafwandler-Thesen" interpretieren). Selbst die deutsche Aggression wurde in das britische Konzept integrativ eingeplant.

 

Zum Schluss dieser Ausführungen über die britischen Methoden zur Kriegsaus- lösung sei im Gegensatz zu Wormer geäußert, dass Krieg kein Bestandteil der Diplomatie war und es auch nicht ist. Krieg ist immer Versagen und Ende der Diplomatie. Krieg war hier weder, wie Wormer auf S. 63f zutreffend meint, Mittel der Außenpolitik, noch, wie er fälschlich annimmt, äußerstes Mittel der Besitzver- teidigung, sondern durch geschicktes Intrigenspiel zu erreichendes Mittel der Machtsteigerung.

 

Natürlich befand sich auch Deutschland im Widerspruch zwischen Großmacht- geltung und Friedenssicherung. Aber das war für den Kriegsausbruch nicht entscheidend. Der Krieg war, wie in diesem ersten Teil der Arbeit mit zahlreichen Details zu beweisen versucht wird, eine Aggression der Tripel-Entente gegen die Mittelmächte, was Deutschland mit seinen Kriegserklärungen ungewollt ver- schleierte. Bzw. konnte das den handelnden Personen in Deutschland auch schon egal sein.

 

Bleibt hinzuzufügen, dass Großbritannien die Doppelstrategie von Kriegsbereit- schaft und deren Camouflage als Friedenswillen auch nach dem Ersten Welt- krieg in Form der Appeasementpolitik fortsetzte.

 

 

Planung des militärischen Eingreifens:

 

Wormer liefert nicht nur Informationen darüber, warum und mit welchen politi- schen Methoden, s.o., der Krieg von Großbritannien auf den Weg gebracht wurde. Sondern auch darüber, dass bereits lange vor Ausbruch die britische Beteiligung daran auch militärisch geplant wurde.

 

Die Vorstellung isolierter britischer Angriffe auf Norddeutschland ("Kopenhagen" und Landungen eines ca. 100.000-Mann-Expeditionskorps in Schleswig-Holstein), war, wie im Hauptteil behandelt, Gegenstand früher britischer Planungen. Spie- gelbildlich gehörte dazu die Halluzination eines deutschen Überfalls auf Groß- britannien. Davon kam man aber schließlich ab.

 

Nachdem die Asienkonvention mit Russland 1907 den Abbau der indischen Position ermöglichte, resultierte daraus eine (auch rüstungsökonomisch begrün- dete) Stärkung der britischen Europaposition. Spätestens ab 1909/10 begann die britische Admiralität ihre Beteiligung am europäischen Kontinentalkrieg zu planen. Im Zuge der Zweiten Marokkokrise setzte sich diese Konzeption immer mehr durch. Konkret ging es um das Vorhaben der Entsendung einer Expeditions- streitmacht nach Frankreich. Zufrieden konstatierte der Herausgeber der "Times", Chirol, den Übergang des Kriegsministers Haldane von einer defensiven zu einer offensiven, also Aggressionsstrategie.

 

Grey spricht seinerseits im Juli 1912 offen aus, dass er in einen Kontinentalkrieg "um die Vorherrschaft" eingreifen würde. Die Konzeption führt 1913 zu einem in- nerbritischen Konflikt, nachdem für die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in Großbritannien wieder eine Invasionspanik aufgebaut werden musste, der Gene- ralstab die Möglichkeit eines deutschen Überfalls aber leugnete, weil er schon zu diesem Zeitpunkt aufgrund der Vereinbarungen mit Frankreich den britischen Kriegseintritt und die Form der Beteiligung (Expeditionsheer statt Deckungs- streitkräften auf der Insel) im Auge hatte.

 

Der Kriegsgrund ist 1913 wie auch schon 1909 Grey bekannt: die deutsche Isola- tionsfurcht (die so auch ins britische Konzept Eingang findet). Diese deutsche Ein- kreisungsphobie ist dabei, egal wie oft es geleugnet wird, Folge britischer Bestre- bungen. Delcassé rechnet mit einem deutschen Präventivschlag, Bertie legt diesen zeitlich auf Herbst 1913 (wobei er französische Vorstellungen nach London weitergibt). In Frankreich hofft man auf einen frühen Kriegsausbruch (weil die "Verstrickung Österreich-Ungarns in Balkanaffären die deutsche Position schwächt"). Wormers Konjunktiv, Frankreich hätte wohl die Kriegsgefahren unter- schätzt, ist nicht zu akzeptieren. Frankreich wollte den Krieg für seine Zwecke nutzen.

 

Auch im Mittelmeer- und Balkanraum konkretisierte sich die britische Strategie. Zunächst äußert sich Wormer hier zum wiederholten Mal fragwürdig: Großbritan- nien brauchte eine russische Flottenpräsenz (könnten denn des Zaren Schiffe die Meerengen passieren) gewiss nicht als "Stabilisierungsfaktor", und wenn es denn den russischen Einfluss auf dem Balkan brauchte, dann ebensowenig zu diesem Zweck.

 

Russische Schiffe im Mittelmeer will jedenfalls auch Frankreich. Die Qualität der russischen Schiffsbesatzungen schätzte man dabei allerdings nicht als besonders hoch ein. Es gibt Pläne, die Türkei unter Druck zu setzen, solche, die Meerengen zu öffnen und eine geheimgehaltene britisch-russische Zusammenarbeit in Bal- kanfragen.

 

Ein russischer Flottenbeitrag im Mittelmeer wird nicht zuletzt deshalb gern gesehen, weil auch Österreich-Ungarn, Italien, Griechenland und die Türkei mar- itim aufrüsten und der Beitrag des "Verbündeten" das britische Budget entlastet. Dabei darf allerdings eines nicht übersehen werden: dass die angedachte Flotten- kooperation nicht als Voraussetzung, sondern nur als Folge einer Aggression rea- lisiert werden kann. Entsprechend entwickelt man den Plan eines Zangenangriffs auf die Meerengen.

 

 

Verschleierung des Kriegskurses:

 

Ein derart unmoralisches Ansinnen wie eine offensichtlich in den Krieg führende Politik konnte in einer parlamentarischen Monarchie mit freier Presse natürlich nicht offen propagiert werden, auch nicht in Form einer bedauerlichen Zwangs- läufigkeit, die sich ergeben hätte, wäre die Tripel-Entente zu einem formellen Bündnis umgewandelt worden. Dass die deutsche Einkreisungsfurcht berechtigt war, hatten Grey und andere, s.o., zugegeben. Dass aus dieser deutschen Iso- lationsfurcht der Krieg erwachsen würde, sah nicht nur Grey selbst so, ebenfalls s.o., sondern auch seine zahlreichen Kritiker in seiner eigenen Partei.

 

Deshalb musste der Kriegskurs verschleiert werden. Es war also gerade die lock- ere Form der Tripel-Entente, die den Krieg möglich machen sollte, indem sie die innerbritische Opposition dagegen dämpfte. Andernfalls wäre es zu einer Spal- tung der Liberalen Partei gekommen, was deren Machterhalt (und den persönli- chen von Asquith, Grey und der anderen Imperialisten) gefährdet hätte. So gese- hen stärkte auch noch Bethmann Hollwegs leiser Kurs Greys Politik, in dem er dessen Kritiker seinerseits damit beruhigte.

 

Der entscheidende Faktor der britischen Öffentlichkeit ist dem russischen Bot- schafter in London Benckendorff bereits 1912 klar. Dass Deutschland unbedingt für einen britischen Kriegseintritt als Aggressor dastehen müsste, hat er schon damals an seine Regierung weitergegeben (im Hauptteil formuliert er dasselbe praktisch in Form eines Vorwurfs an die Briten, dass die Beschuldigung Deutsch- lands bei der Adriakrise und der Sanderskrise nicht möglich war und der Zeitpunkt für den Kriegsausbruch demnach der falsche, ist für die Adriakrise im Hauptteil, für die Sanderskrise oben beschrieben).

 

Wiederholt hat das Öffentlichkeitsargument der britische Botschafter in St. Peters- burg gegenüber Benckendorffs Chef, Außenminister Sasonow. Denn der wünsch- te nach der Sanderskrise ein formelles Bündnis. Die wachsende Zahl der Kriegs- kurskritiker in Großbritannien („Taubenschläge“) hätte das aber nicht zugelassen. Die Marinegespräche, von Frankreich vermittelt, boten da einen Ausweg.

 

Es war eine Folge der duch den Parlamentarismus bedingten Verschleierungs- taktik, dass Großbritannien keinem Block offiziell zuneigte. Die Bindung an die Entente-Partner war nicht wirklich unerwünscht, aber sie musste veborgen wer- den. Die „Manöverierfähigkeit“ der britischen Politik war nur zum Schein vorhan- den, um die parlamentarische Kontrolle auszuhebeln.

 

Spekulativ ist folgendes: Ein parlamentarisches Scheitern der Kriegsbemühungen Asquiths und Greys wegen nicht erfolgten deutschen Einmarschs in Belgien hätte zur Spaltung der Liberalen Partei und Rücktritt von Asquith und Grey, zur Macht- übernahme der Konservativen, zur Einbeziehung von Interventionisten wie Lloyd George und Churchill in deren Kabinett und zur Kriegserklärung der neuen Regierung an Deutschland geführt. Denn die Konservative Partei war auch ohne "Belgien" zum Kriegseintritt entschlossen.

 

 

Das "Persische Arrangement":

 

Die Julikrise kam, entgegen Wormers Darstellung, für Großbritannien keineswegs überraschend. Bei einer derartigen Aussage wird die politische Großwetterlage des wiederholten und stets von neuem möglichen Auftretens gefährlicher Krisen ignoriert. Die Sanderskrise war nicht lange her, und das russische Auftrumpfen legte eher die Absehbarkeit der nächsten Krise nahe.

Franz Ferdinand galt den Russen und ihrem Parteigänger Nicolson als gefährlich, diese Akteure begrüßten sogar seine Ermordung. Am Tag des Attentats warnte Benckendorff seine Regierung von London aus vor einem britischen Kurswechsel zugunsten Deutschlands. Das war nichts weiter als die Aufforderung, die Briten jetzt über eine härtere Gangart in Persien unter Druck zu setzen.

 

Dabei hatte die britische Persienpolitik zu nichts anderem als zur Einbindung Russlands gedient. Deutsche Aktivitäten in Richtung Persien, die niemals mehr als Störmanöver hätten sein können, waren dabei zweitrangig. Aber tatsächlich konnte sich die britische Politik aufgrund dieser Allianz nur noch zwangsläufig gegen Deutschland richten.

 

Man kann nun die Vermutung entwickeln, die kurzlebige deutsch-britische Ent- spannungsphase von 1914 hätte dazu gedient, Russland genau zu einem Zeit- punkt, in dem es sich nun wieder stark fühlte, zu reizen. Denn Russland würde nun eine Rechnung aufmachen: es konnte nun gleichzeitig auf dem Balkan und in Persien aggressiv vorgehen, und dadurch den Briten für den Verzicht auf eine härtere Persienpolitik die Unterstützung für eine Balkanaggression abnötigen.

 

Längere Zeit waren russische Unterdrückungsmaßnahmen in Persien öffentlich kritisiert, stillschweigend aber geduldet worden. Grey zeigte sich hierbei Russland gegenüber "grenzenlos elastisch". Denn Russland brauchte Großbritannien in Eu- ropa, Großbritannien brauchte Russland in Asien. So wurde es zumindest den Russen suggeriert.

 

Die tatsächlichen russischen Maßnahmen von 1914 hielten sich dabei durchaus in Grenzen. Aggressive Presseartikel, russischer Griff nach der Mongolei, für den Verzicht darauf konnte Russland britische Zugeständnisse in Persien erwarten, und innerpersischer Bahnbau genügten, um in Großbritannien die russischen Be- strebungen zunehmend als Belastung wahrzunehmen.

 

Wenn nun die deutsch-britische Detente ein Zeichen an Russland, war, so konnte das härtere russische Vorgehen in Persien dazu gedient haben, die Briten auf den Wert der russischen Freundschaft hinzuweisen. Jedenfalls wurden die Russen, die sich am längeren Hebel wähnten, nun heiß darauf, über Persien eine politi- sche Entscheidung zu erreichen. Dass sie dabei den Briten auf den Leim gingen, sahen sie nicht.

 

Denn die Briten konnten es sich offensichtlich leisten, die Russen noch weiter zu provozieren, in dem sie ihnen (sachlich völlig unbegründete) Schwierigkeiten beider Linienführung des innerpersischen Bahnbaus machten. Ebenso stockten die Marinegespräche, was Frankreich wieder zu vermittelndem Eingreifen ver- anlasste. Die Russen hätten nun über Persien eskalieren können, aber die Briten konnten in diesem Fall über einen Lagerwechsel zu den Mittelmächten ein russi- sches Ausgreifen gegen ihre mittelasiatische Position jederzeit kontern.

 

In diesem Fall wäre Russland weder in Europa noch in Asien vorwärtsgekommen. Russland war eben nur unter bestimmten Voraussetzungen stark, und die bedurf- ten eines Arrangements mit Großbritannien. Genau dieses Arrangement war Ziel der britischen Politik, und Russland konnte sich einreden, seine obige "Rechnung" würde aufgehen, auch wenn die britische Politik russischen Druck in Persien nicht wirklich fürchten musste. Russland brauchte also nur so zu tun, als würde es Großbritannien erpressen, und gleichzeitig ein solches Arrangement anbieten.

 

Die Idee, den Druck in Persien in eine "Sicherheitsgarantie" umzuwandeln, könnte von Benckendorff stammen; jedenfalls teilte er das am 02.07.1914 Sasonow mit. Am 16.07.1914 gab er Greys Einschätzung, Deutschland könnte sich auf Kriegs- kurs begeben, nach Russland weiter. Sasonow erfährt davon am 18.07.1914 und ist daraufhin zu Eskalation entschlossen. Überzeugt davon, gegen die Briten über Persien einen Hebel in der Hand zu haben, entschloss er sich, diesen zu benut- zen und den Briten ihren Besitz in Indien formell zu garantieren (19.07.1914). Russland verpflichtete sich damit in der Konsequenz, fortan seine ganze Energie auf den Balkan zu lenken. Grey, der sein Glück gar nicht fassen konnte, ließ sich das russische Angebot erst ungläubig bestätigen, um dann Buchanan seine Freude darüber zu bekunden.

Am 20.07.1914, ebenfalls noch vor dem österreichisch-ungarischen Ultimatum an Serbien, lässt Grey über den auf Staatsbesuch in Russland weilenden Poincaré den Russen so ungefragt wie sachlich unbegründet Konzessionen bezüglich der südpersischen Ölfelder mitteilen. Sasonow weiß nun, dass er sich auf die Briten verlassen kann.

 

 

Mit Kenntnis dieser Details sind Darstellungen, Grey wollte den großen Krieg ver- hindern, bzw. Sasonow hätte dieses über die britische Parteinahme zu erreichen versucht, unglaubwürdig oder politisch motivierte Verschleierungsmanöver. Als solche sieht der Historiker Immanuel Geiss die deutschen Telegramme an Russland und Österreich-Ungarn. Die Fortsetzung der russischen Mobilmachung trotz deutschen Telegramms an Österreich-Ungarn findet jedenfalls Goschen, nun britischer Botschafter in Deutschland, "befremdlich". Bestätigt wird hier die Vermu- tung aus dem Hauptteil, der Zar hätte seinen Laden nicht im Griff gehabt. Buchan- an will die Russen mit dem (bzw. für das) Öffentlichkeitsargument zu vorsichtigem Taktieren bewegen.

 

Damit soll die Kriegsschuldfage schon vor Ausbruch beantwortet werden. Russ- land wird damit erneut und definitiv die Teilnahme Großbritanniens am Krieg auf Seiten der Tripel-Entente suggeriert. Grey macht Benckendorff am 27.07. den britischen Verzicht auf diplomatische Manöver klar.

Am 01.08.1914 will Frankreich Großbritannien auf die Entente-Linie festlegen. Wegen des Öffentlichkeitsarguments braucht Grey aber noch etwas Zeit.

 

Ob es ein britisches "Management der Julikrise" (S. 260) überhaupt gab, hängt davon ab, wer hier wen geködert hat. Laut S. 257, darauf aufbauend Neitzel, Kriegsausbruch, S. 179, konnte "Grey Sasonows Köder nicht widerstehen" (darin die Unterstellung enthalten, "eigentlich hätte er ja Frieden gewollt, aber...").

Unter Berücksichtigung der Fakten deutsch-britische Detente, Bahnbauschwierig- keiten, Verzögerung der Marinegespräche und ungefragte Ölfelderkonzessionen, die gegen eine wirkliche britische Erpressbarkeit in Persien, sprechen, haben, wie oben argumentiert, eher die Briten die Russen mit ihren geschickten Intrigen geködert.

 

 

Verqueres Deutschlandbild:

 

Da sich Großbritannien ja als Mitglied der zivilisierten Weltgemeinschaft verstand, brauchte es "triftige Gründe", um einen derart ausweglos in den Krieg führenden politischen Kurs vor sich selbst zu rechtfertigen. Und wenn man keine hatte, musste man eben welche konstruieren. Dazu diente permanent der unterstellte deutsche Hegemonieanspruch. Tatsächlich liefert Wormer auf S. 223f einen pas- senden Beleg [ich erlaube mir, den Satz aus Verständlichkeitsgründen ein klein wenig umzustellen].

Da heißt es: "Ihre Gleichgültigkeit im östlichen Mittelmeerraum [also die pro-russi- sche Politik, Deutschland und der Türkei gegenüber ist man ja keineswegs gleich- gültig] können die Briten vor sich selbst als diplomatische Sicherung des mediter- ranen Gleichgewichts gegen die expansiven Tendenzen der Mittelmächte [damit das deutsche Hegemoniestreben] rechtfertigen."

 

Dabei ist die deutsche Infiltration der Türkei viel eher Gleichgewichtspolitik als alle britischen Bestrebungen des Zusammengehens mit Russland, "expansionistische Tendenzen der Donaumonarchie" gab es nicht (S.222f, die Annexion Bosnien- Herzegowinas war ein rein formaler und darüber hinaus abgeschlossener Akt, es gibt sonst keinerlei Belege für ein tatsächliches oder geplantes Ausgreifen Öster- reich-Ungarns).

 

Bei Wormer weiß man nicht immer, ob er die unterstellten Hegemonietendenzen der Mittelmächte, Deutschlands im Besonderen, nur referiert oder selbst argu- mentativ übernimmt. Eine entsprechende Beleglage ist jedenfalls nicht vorhanden, auch der "Sprung" eines einsamen "Panthers" nach Agadir kann dafür nicht her- halten (es gibt beim entsprechenden Zitat keine Behandlung von Völkerrechts- bruch durch Frankreich und Spanien, von zögerlicher französischer Verhand- lungsbereitschaft und vom mageren Ergebnis).

 

Das hindert aber weder die Akteure der damaligen Zeit noch den mit ihnen be- fassten Historiker am fleißigen Verwenden der Begrifflichkeit. Ein Bezug auf Fak- ten muss dafür nicht zwangsläufig vorhanden sein, etwa S. 26 "...Gleichgewichts- politik..., mit der England auf kontinentale Hegemonial- und maritime Suprematie- tendenzen Deutschlands zu reagieren gedachte," S. 176: "Indem sich die Auf- merksamkeit der englischen Außenpolitiker auf die kontinentalen Hegemonialten- denzen des Reiches richtete, ...", S. 180: "um vermutete deutsche Hegemonialbe- strebungen notfalls mit Gewalt zu vereiteln", S. 224: "Das Verhältnis zwischen eu- ropäischem und imperialistischem Herrschaftsanspruch hatte sich während des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts [kleiner Fehler, gemeint ist das 19. Jh.] in einer für England ungünstigen Weise verschoben. Der Grund dafür war der Zu- wachs des militärischen wie maritimen deutschen Machtpotentials und der ange- nommenen deutschen Hegemonialtendenzen", S. 243: "Man war sich in England nicht sicher, ob der deutsche Kanzler [Bethmann Hollweg] genügend innenpoli- tisches Stehvermögen besitzen würde, um dem Druck der [nach der Hegemonie strebenden] militaristischen Kräfte standzuhalten", S. 285: "...nachdem an deut- schen Hegemonialbestrebungen kaum jemand zweifelte", und am Schluss der Hammer, S 291: "...offene Herausforderung einer potentiellen europäischen Heg- emonialmacht...", wie gesagt, alles ohne Bezug auf wie auch immer geartete deutsche Handlungsweisen.

 

An absurden Vorstellungen ist ebenfalls kein Mangel. Laut Grey hatte Deutsch- land Großbritannien in die Defensive gedrängt. Wodurch und in welcher Form, wird nicht angegeben. S. 63: "Das [britische] europäische Engagement entwickel- te sich analog zum Grad der deutschen Herausforderung...", auch hierzu gibt es keine Erklärung. S. 117: "Die freiwillige Preisgabe wichtiger englischer Positionen, die eine deutsch-englische Verständigung angesichts der hohen Forderungen des Reiches notwendig gemacht hätte,...", welche Positonen wären preiszugeben? Welche "hohen Forderungen" stellte das Reich? Dazu ebenfalls keine Argumente. In Form seines "Riesenheeres", das in Wirklichkeit gegen die Zweifrontenbedro- hung durch Frankreich und Russland auch mit der Unterstütung seines maroden Partners Österreich-Ungarn kaum ausreicht, und seines Flottenprogramms wurde sogar eine Überseebedrohung der britischen Vormachtstellung [immerhin bemüht er nicht eine existenzielle Bedrohung] durch Grey attestiert.

 

Zur deutschen Flotte wurde im Rahmen dieser Arbeit ausführlich und wird weiter- hin Stellung genommen. Nach "Aussortierung" der möglichen Gegner Japan, USA, Frankreich und Russland bedroht die, und nur die, deutsche Flotte angeb- lich die Existenz des Empire. So Eyre Crowe.

 

Es ist ebenfalls nicht deutschen Aktivitäten geschuldet, dass Deutschland nach der Niederlage Russlands gegen Japan "dominierte" [in Wirklichkeit handelte es sich eher um eine temporäre Entspannung seiner strategischen Lage] und "Frei- raum für die Verfolgung seiner vermuteten hegemonialen Ziele" gewonnen hatte. Die russische Niederlage (und damit die "ungünstige Verschiebung", s.o. Zitat zu S. 224) hatten, siehe Hauptteil, die Angelsachsen aus geostrategischen Gründen selbst mit herbeigeführt. "Durch... das russische Desaster... war Deutschland... zum Hauptstörfaktor der englischen Außenpolitik geworden." Wie gesagt konnte Deutschland dafür nichts, und an dieser Stelle verdient die Eingangsfrage dieser Arbeit eine Wiederholung, nämlich wenn Deutschland schon stört, wobei eigent- lich?

 

Heftig ist auch die von der britischen Admiralität stammende Annahme, Deutsch- land hätte Frankreich 1871 zu milde behandelt und und würde den Fehler nach einem neuen deutsch-französischen Krieg korrigieren. Der deutsche Wunsch nach britischer Neutralität im Fall eines kontinentalen Krieges sollte diesen nach britischer Vorstellung zur Erreichung hegemonialer Ziele erst ermöglichen.

 

Weiterhin erschließt es sich nicht, womit man einen deutschen "Vormarsch" in Persien belegen will. Dass die britisch-russische Verbindung auch ein "Gegenge- wicht" gegen die erfolgreiche deutsche Türkeipolitik sein sollte, wurde oben be- reits angesprochen ("Art und Weise"), ebenso dort die magere strategische Be- gründung der alliierten Aktivitäten und die ("Persisches Arrangement") geringe Wirkung der deutschen. Jedenfalls bereute man britischerseits den Rückzug aus der Türkei und äußerte völlig überzogene Furcht vor dem Bagdadbahn-Bau [der Deutschland keinerlei strategische Vorteile bringt, die für einen geostrategischen Angriffskrieg notwendigen Truppenkonzentrationen lassen sich auch mit so einer Bahn nicht erzielen]. Bevor man 1914 Russland Schwierigkeiten beim innerpersi- schen Bahnbau machte (s.o.), forcierte man diesen gemeinsam mit Russland im Jahr 1911, um deutschen Bahnbau in Persien [der welchen auch immer gearteten strategischen Einfluss hätte haben können] zu vereiteln.

 

Es wurde hier bereits eingangs festgestellt, dass Wormer keine Untersuchung der deutschen Außenpolitik vornimmt. Wenn er dann diese doch bewertet, bleiben Fragwürdigkeiten nicht aus. Hierzu lesen wir auf S. 277: "Während die deutsche Außenpolitik in einem linearen Abhängigkeitsverhältnis zu der [sic] mit sozialim- perialistischen Strategien bewältigten innen- und gesellschaftspolitischen Spann- ungen gesehen werden kann,...", S. 286: "... war die Position der englischen Auß- enpolitiker gewissermaßen derjenigen der deutschen vergleichbar, die unter dem innenpolitischen Zwang zu spektakulären Erfolgen handelten."

Wir beschäftigen uns in dieser Arbeit mit Kriegsursachen. Für gesellschaftspoliti- sche Ansätze wie die aus der marxistischen Forschung stammende Sozialimpe- rialismustheorie liegen keine Verknüpfungspunkte vor, und, wie gesagt, Wormer liefert diese auch nicht, sondern übernimmt sie offensichtlich aus seinem wissen- schaftlichen Umfeld. Eine Vergleichbarkeit der britischen und der deutschen Außenpolitik kann ebenfalls nicht gesehen werden, beide Akteure verhalten sich antagonistisch. Und wenn die deutsche Öffentlichkeit in Ignoranz der wirklichen machtpolitischen Möglichkeiten vielleicht spektakuläre Erfolge erwartete (die sich aus dem besagten Grund nie einstellten), ist ein entsprechender innenpolitischer Druck innerhalb Großbritanniens nicht erkennbar.

 

Wenn Wormer dann, nach allen unternommenen erheblichen Anstrengungen, die das genaue Gegenteil beweisen, seine Schlussbetrachtung mit dem (zweiten) Satz beginnt: "Die risikobehaftete deutsche 'Totalstrategie' hatte die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Rußland, Frankreich und den Mittelmächten her- beigeführt und damit die Konfliktträchtigkeit der deutschen Außenpolitik [die Wor- mer, wie oben angeführt, nicht untersucht] bestätigt", kann man das nur als Provo- kation ansehen. "Der deutsche Kriegseintritt erfolgte... mit diplomatischen Mitteln in Erfüllung eines, aus innenpolitischen Gründen mit höchstem Konfliktrisiko be- hafteten, außenpolitischen Programms," und der Krieg war angeblich integrierter Bestandteil der deutschen Diplomatie, so endet Wormers Text auf S. 291. So weit Wormer das selbst glaubt, hat er seine eigene Arbeit nicht verstanden. Wahr- scheinlicher ist, dass er politisch bedingte Konzessionen macht.

 

Hier bleibt noch ein kleiner Punkt hinzuzufügen. Ob man das Auftreten Fürst Lich- nowskys gegenüber Grey vom 06.07.1914 als "plumpe" (so Wormer) oder "ele- gante" Drohung bezeichnen möchte, ist müßig. Auf keinen Fall handelt es sich um einen "Ausrutscher", sondern um den legitimen Versuch, den absehbar kom- menden Krieg zu lokalisieren.

 

 

Günstiges Deutschlandbild:

 

Wir haben nun gesehen, welche grundlos negativen Vorstellungen von Deutsch- land gepflegt wurden (und z.T. werden). Die folgenden Zitate sollen belegen, dass man Deutschland aber auch anders sehen konnte und sah.

 

Werfen wir einen ersten Blick wieder auf die Flottenproblematik. Asquith spricht im April 1906 der Tirpitzflotte eine feindliche Zielrichtung gegen "England" rundweg ab. Churchill redet im Februar 1912 im Zusammenhang mit der (zur Flotten- beschränkung gedachten) Haldane-Mission von der deutschen "Luxusflotte" (was etwas über die Sinnfälligkeit dieser zum Scheitern verurteilten Mission aussagt). Dass hinter der britischen Flottenrüstung - und das wird in Deutschland nicht anders gewesen sein - letzten Endes auch konjunkturelle Gründe standen, gab der Direktor des Marinegeheimdienstes Ottley zu. Schließlich ist auch Wormer der Ansicht, ein deutscher Verzicht auf Flottenrüstung hätte nichts gebracht.

 

Dass der "Habenichts" Deutschland im Verhältnis zum "Großeigner" Großbritan- nien zwangsläufig als der aggressivere Teil dastehen muss, ergibt sich aus der Natur der Sache. Die "friedensstiftende" Wirkung der Haldane-Mission, deren Scheitern in Großbritannien begrüßt wurde, zeigte sich insofern, als Russland, das zwischenzeitlich einen scharfen Ton in persischen Angelegenheiten ange- schlagen hatte, umgehend einen Rückzieher machte, sobald diese leisesten deutsch-englischen Entspannungsbemühungen sichtbar wurden.

 

Dass Deutschland gegen Großbritannien keine Angriffsmöglichkeiten hat, meint die Admiralität sowohl 1908, nach Grey ist auch der Kaiser da kein Unruhestifter, als auch 1912. Die Bedrohung durch den russischen "Allierten" ist gefährlicher als die durch den deutschen Gegner. Ab 1912 hatten sich die Beziehungen zwi- schen Großbritannien und Deutschland günstig entwickelt, beide Seiten hatten sich um den Abbau von Spannungen bemüht. "Deutsche Vernunft" und "British interests" waren durchaus in Einklang zu bringen [wie die gemeinsame Fortset- zung des Bagdadbahnbaus und die im gegenseitigen Einvernehmen betriebene Reorganisation der türkischen Streitkräfte zeigte]. Der status quo zwischen Groß- britannien und Deutschland ist nach Wormer 1913/14 "unverbindlich, aber pro- blemlos". Die von Nicolson eingeräumte Friedfertigkeit Deutschlands gegenüber Frankreich wurde bereits erwähnt.

 

Die ganze Betrachtung des in Großbritannien gepflegten Deutschlandbildes lässt nur einen Schluss zu: ein sich aus der deutschen Politik ergebender Grund zum Krieg Großbritanniens gegen Deutschland existierte nicht. Schließlich haben selbst Bertie und Grey kurz vor Kriegsausbruch die deutsche Friedensgestimmt- heit beobachtet: "Grey thinks the Germans are in a peaceful mood and they are very anxious to be on good terms with England".

 

 

Manipulationen:

 

An dieser Stelle ist von Phänomenen zu berichten, die sich unter die verwandten Thematiken "Verschleierung des Kriegskurses" (s.o.) und (angebliche) "Wider- sprüchlichkeit der britischen Politik" (s.u.) nur unzureichend subsummieren lassen. Es soll hier die Methodik im Vordergrund stehen, bei der obigen "Ver- schleierung" war es die Funktionalität, während es sich bei der "Widersprüchlich- keit" m.e. um eine Fehlinterpretation handelt. Tatsächlich ist die Politik von Grey und Kollegen so geschickt angelegt, dass sie bis heute nur schwer durchschaut werden kann. Wormer stellt nach der Möglichkeit der Manipulation eine Eingangs- frage und führt im Laufe seiner Arbeit einiges an Beispielen auf.

 

Im Hauptteil haben wir das häufig wiederkehrende Phänomen "naval scare", Wor- mer spricht von "Flottenpanik", als stets unbegründet bzw. aufgebauscht beobach- tet. "Die Flottenpanik von 1905 war", so Wormer, "eine publizistisch aufgebaute Eintagsfliege gewesen", und man ging britischerseits eher von einem "Kopenha- gen" als von einer deutschen Invasion aus. Für dasselbe Phänomen von 1909 gilt natürlich auch dieselbe Systematik: "Das Zusammenspiel von Presseagitation, künstlich erzeugter Massenhysterie, konjunktur- und sozialpolitischem Kalkül und Flottenvergrößerung...", wobei Wormer die wirtschaftlichen Argumente als mit ausschlaggebend einqualifiziert. Der im Hauptteil erwähnte "Tweedmouth-Brief" des Kaisers führt, so gegen dessen Absicht wie folgerichtig, zu einer mit wirt- schaftlichen Argumenten unterfütterten Flottenrüstungs-Pressekampagne. Wor- mer spricht für 1909 von einer "zumindest großzügig gehandhabten Infor- mationspolitik" und dem Anheizen der Invasionspanik in der Öffentlichkeit durch interessierte Kreise und Presseorgane.

 

Von letzteren stand dem Foreign Office und dessen anderweitigen Helfern stets die "halboffiziöse" Times bzw. deren außenpolitischer Herausgeber Chirol zur Seite. Chirol war zuvor selbst Beamter des Außenministeriums gewesen und bekam von seinen ehemaligen Kollegen regelmäßig Informationen zugesteckt. Er verstand die Vorteile, die die Entente cordiale mit Frankreich und die russische Niederlage gegen Japan Großbritannien boten und unterstützte die pro-russische Politik in gesetzten Lettern. Das ging so weit, dass er mit Vertretern der russi- schen Botschaft die Formulierung von Leitartikeln abstimmte, um die jeweiligen Öffentlichkeiten positiv zu beeinflussen.

 

Nach den vorangegangenen Ausführungen nimmt es nicht Wunder, dass auch das "verquere Deutschlandbild" Perioden entstammt, in denen von einer deutsch-britischen Konfrontation keine Rede sein konnte, also entsprechend manipuliert ist. Grey entwickelte seine antideutschen Vorstellungen "während seiner Lehrzeit im Foreign Office", wo er gewiss mit den bekannten, sich noch im Talentstadium befindlichen deutschfeindlichen Beamten zusammengetroffen ist. Entsprechend wurden auch Antizipationen des britisch-russischen Ausgleichs zu einer Zeit ent- wickelt, als von einer "deutschen Gefahr" noch überhaupt keine Rede war.

Die hierzu entwickelte Figur ist die des militaristischen preußischen Junkers, der Deutschland zielstrebig in einen europäischen Krieg treibt [diese Vorstellung hat nach dem Ersten Weltkrieg, gerade auch in Deutschland, Eingang in den allge- meinen gedanklichen und Sprachgebrauch gefunden und ist seither nicht totzu- kriegen]. Dass die Konservative Partei Anfang 1910 mit antideutschen Reden Wahlkampf führte, zählt ebenfalls zu den Manipulationshandlungen. Auch Wormer schlussfolgert, dass das Misstrauen gegen Deutschland [wenigstens] "teilweise geschürt" war.

 

Dass die Ressentiments auf beiden Seiten der Nordsee auf Gegenseitigkeit beru- hen konnten, wusste der gemäßigte liberale Politiker Morley. Schlimmer ist, dass die Briten bei der Beurteilung Deutschlands ihr eigenes [offensichtlich zynisches und egoistisches] Selbstverständnis auf Deutschland übertrugen. Dass die Briten [im allgemeinen und er selbst wohl im besonderen] immer nur von sich auf andere schlossen, hat Nicolson offen ausgesprochen.

 

Greys Manipulation zur Aufrechterhaltung der Illusion der "Freien Hand" richtete sich auf seine eigenen Kabinettskollegen, denen die aus einem offenen Bündnis mit Frankreich und Russland resultierende Kriegsgefahr nur zu bewusst war. Seine "mehrdeutige", russlandfreundliche Politik zur Haager Friedenskonferenz ebnete 1907 den Weg zur Asienkonvention. Und auch Sasonow gegenüber, der 1912 in Balmoral die Bereitschaft Großbritanniens zur Teilnahme an einem Bal- kankrieg ausloten wollte, konnte Grey nicht offen sein. Das Kriegsrisiko war Grey dabei bekannt und egal. Aber die Russen mussten selbst die richtigen Schlüsse aus dem britischen Auftreten ziehen, wie oben im "Persischen Arrangement" ver- deutlicht.

 

Kommen wir am Schluss dieses Punktes zur Großbritannien direkt in den Krieg führenden moralischen Entrüstung über den deutschen Überfall auf Belgien. Klar- erweise ist auch diese Entrüstung nicht echt, sondern ein berechneter Akt der In- terventionisten zur Integration der Neutralisten. Das Reichsverteidigungskom- mittee hatte schon 1908 darauf hingewiesen, dass ein deutscher Einmarsch in Belgien die Herbeiführung des britischen Kriegseintritts wesentlich erleichtern würde. Entsprechend hofften die Interventionisten auf diesen deutschen Schritt. Völkerrechtlich spielte, so drückte es Asquith aus, die Verletzung der belgischen Neutralität durch Deutschland für Großbritannien keine Rolle, es geht nur um den machtpolitischen Hintergrund. Zur Einordnung der britischen Krokodilstränen als Manipulation bleibt da keine Frage offen.

 

 

Krieg zwischen Deutschland und Russland:

 

Normalerweise hätte gerade die Schwäche Russlands nach der Niederlage gegen die Japaner den Schluss zugelassen, dass Großbritannien gerade kein Abkom- men mit Russland schließen muss. Denn auch für die britische Indienposition war eine temporäre Entspannung eingetreten. Schon daraus ist ersichtlich, dass die britische Annäherung an Russland einen bestimmten Zweck verfolgte.

 

Dabei war das Russlandbild, allen vorgenommenen Manipulationen zum Trotz, auch bei Grey und Konsorten alles andere als positiv. Eigene Zwangsmittel waren aber bereits nach einer Analyse Salisburys nicht anwendbar. "Schon die Wahr- nehmung von Veränderungen und Erscheinungsformen anderer Staaten fand un- ter der selektiven Perspektive englischer Interessen statt und prägte so auch das englische Rußland- und Deutschlandbild". Die Annäherung an Petersburg war demnach ein logischer Schritt innerhalb einer umfassenden defensiven innen- wie außenpolitischen Konzeption, die die Bewahrung des [britischen] status quo zum Ziel hatte.

 

Diese treffende Analyse darf aber nicht zu dem Fehlschluss verführen, die Be- wahrung des status quo (= Fortbestand des Empire) mit der Bewahrung des Frie- dens gleichzusetzen. Nachdem, s.o., eigene Zwangsmittel nicht mehr anwendbar waren, durften andere für die British interests locker draufgehen, zunächst die Ja- paner, dann die Mittelmächte.

 

Ein (Indien eigentlich wieder bedrohendes) Erstarken Russlands in den auf die Niederlage folgenden Jahren wurde dabei sowohl erwartet als auch für die briti- schen Interessen eingeplant. Das ging so weit, dass man die blutige Niederschla- gung der russischen Emanzipationsversuche durch die zaristische Autokratie im Zuge der auf die Niederlage folgenden inneren Erschütterungen in Großbritan- nien positiv aufnahm. Wäre die Revolution von 1905 in Russland geglückt, hätte Deutschland, zumindest nach Ansicht Einzelner, als Damm gegen die revolutio- näre Flut aus dem Osten herhalten sollen [man fühlt sich unwillkürlich an den bun- desdeutschen Sperrriegel gegen die Armeen des Warschauer Pakts erinnert].

 

 

Weitere Kriegsgeständnisse:

 

Noch zur Regierungszeit Balfours schreibt Chirol an Hardinge: "All das Gerede über Feindseligkeit ist Quatsch. Wenn sie existiert, haben wir sie uns selbst zuzu- schreiben, und es geschieht uns recht." Leicht in sich widersprüchlich, dafür m.e. um so bezeichnender.

 

Im Februar 1906 äußert ausgerechnet der radikalliberale Politiker Burns gegenü- ber einem "Agenten" der deutschen Botschaft, wenn Deutschland sein Verhalten nicht ändere, werde es die Ostsee schwarz vor britischen Schiffen vorfinden und die Briten würden mit dem Kaiser den Boden feudeln. Hardinge freute sich über Burns' Auffassung von Diplomatie.

 

Esher sieht im September 1906, dass die Politik Greys Großbritannien in einen großen Krieg führt. Er beklagt aber nicht die Tatsache, sondern die mangelnde Vorbereitung dafür.

 

Grey rechnete bereits 1908 für den Fall einer "echten" Einkreisung oder Isolierung Deutschland, dass dieses mit Krieg reagieren müsste (die Müßigkeit subjektiver, objektiver, falscher oder richtiger Einkreisungsphobie wurde bereits oben unter "Planung des militärischen Eingreifens" angesprochen).

 

Ohne Originalquellen zeitlich schwierig einzuordnen ist Greys bereits zitierte (unter "Günstiges Deutschlandbild") Kriegserwartung für "frühestens" 1913. Nach dem Kontext könnte das schon 1906 - 1908 seine Auffassung gewesen sein.

 

Der radikalliberale Politiker Morley übt im Juli 1911 scharfe Kritik an der "Mansion House-Rede" Lloyd Georges, sie wäre eine "verantwortungslose Provokation Deutschlands und damit eines allgemeinen Kriegsrisikos". Mit der Rede hatte Lloyd George "Frieden um den Preis, dass Großbritanniens Stimme nicht mehr zählt," als eine "nicht hinnehmbare Demütigung" bezeichnet und damit auf die Un- botmäßigkeit des Deutschen Reiches reagiert, das sich geweigert hatte, seine Marokko- und Kongopläne Großbritannien gegenüber offenzulegen.

(Morley und Burns waren die einzigen beiden Minister, die auf Grund der briti- schen Kriegserklärung an Deutschland zurücktraten.)

 

In den Rahmen der Zweiten Marokkokrise gehört auch das bereits unternommene Zitat (s.o. "Art und Weise") Greys, Deutschland mit der Armee "größtmöglichen Schaden zufügen" zu wollen.

 

Im Dezember 1912 wiederholt Grey seine Erwartung, der Krieg würde über einen Balkankonflikt ausbrechen. Was ein gewisses Licht auf seine durchaus nicht er- folglosen Moderationsbemühungen während der zeitgleichen Adriakrise wirft.

 

Die möglichen kriegerischen Folgen von Greys Ententekurs waren der radikallibe- ralen "innerparteilichen Opposition" durchaus bekannt. Wormer räumt ihr einiges an Aufmerksamkeit ein. Sie war aber nie in der Lage, Greys Kriegskurs ernsthaft in Frage zu stellen.

 

 

Golfhafen- und Prestigeprobleme:

 

Der Umstand, dass die "imperialen Gegner" Großbritanniens, Deutschland und Russland, einen Hafen am Persischen Golf anstrebten oder die Briten ihnen die- ses zumindest unterstellten, nimmt in Wormers Arbeit einen gewissen Raum ein. Einerseits führt diese Betrachtung auf die Ausgansthematik des "Great Game" zurück, nach der die Briten unbedingt meinten, den Russen den Zugang zu einem Warmwasserhafen versperren zu müssen. Andererseits muss man sich doch fragen, worin die Beeinträchtigung, die die Briten durch einen "fremden" Hafen am Golf fürchteten, eigentlich bestanden haben mag.

 

Denn der Persische Golf ist ein enges Randmeer, und durch die noch engere Straße von Hormus vom Indischen Ozean getrennt. Das Südufer der Straße von Hormus befand sich unter britischer Kontrolle, das Nordufer konnte von der an sich zuständigen, aber schwachen persischen Regierung gegen die Briten nicht in irgendeiner Weise verwendet werden. Im Golf selbst lagen mit Kuweit, Bahrein und Qatar britisch gehaltene Positionen. Ein "fremder" Hafen wäre immens weit von heimischen deutschen oder russischen Positionen entfernt gewesen. Die Strecke zum Persischen Golf, wo jede für einen Flottenunterhalt notwendige Infrastruktur fehlte und über See-, noch ungeeigneter über Landverbindungen mühsamst hätte aufgebaut werden müsen, wäre entweder wie die Engen zum Schwarzen Meer für die Russen nicht passierbar gewesen, oder man hätte über den Atlantik bzw. das Mittelmeer hinweg bis an Indien entlang permanent an den überall verstreuten britischen Flottenpositionen vorbei müssen, die die Briten in einem z.T. Jahrhunderte dauernden Prozess in weisester Voraussicht aufgebaut hatten.

 

Auf diese Art und Weise ist also eine Bedrohung der britischen militärischen Positionen durch solch einen Hafen nicht nachvollziehbar. Mag sein, dass man so einen Hafen schlicht als ersten Schritt in die falsche Richtung sah oder Handelsinteressen bedroht meinte. Aber auch das gibt als Motivation für das besondere britische Engagement in dieser Gegend wenig her.

 

Nun sind Probleme immer auch Chancen. Die Briten kamen auf die Idee, den Russen auf einmal einen Hafen am Persischen Golf einzuräumen, den Deutschen aber nicht! Auch hier erschließt sich die angeblich schlimmere Bedrohung durch Deutschland, das für sein Vordringen ja auch den türkischen Verbündeten brauchte, während sich Russland nur des wehrlosen Persiens bemächtigen musste, nicht. Tatsächlich ging es darum auch nicht. Sondern die Briten sahen die Möglichkeit, wie über Marokko, wo sie durch ihr Vorgehen den Riss zwischen Deutschland und Frankreich vertieften, über das entsprechende Vorgehen im Vorderen Orient den Gegensatz zwischen Deutschland und Russland zu fördern (deutsche Störmanöver waren als die britische Vorgensweise fördernd einge- plant).

 

Eine heute für uns kaum noch nachvollziehbare weitere "Bedrohung" sollte die des britischen Prestiges gegenüber den Einheimischen durch das Vordringen anderer "Weißer" an den Golf sein. Offensichtlich setzten die Briten auf eine Art Mythos der Einmaligkeit, um ihre Vorherrschaft abzusichern. Deshalb sah man auch die mögliche Mitarbeit Japans an der Verteidigung Indiens alles andere als gern. "Das englische Prestige war eine der mächtigsten Waffen des englischen 'sahib' gegenüber den Eingeborenen". Die damals nicht nur in Deutschland verbreitete Herrenrassenmentalität wirkte sich damit direkt auf die strategische Lagebeurteilung aus, wozu ein "fremder" Golfhafen nicht unwesentlich beigetra- gen hätte.

 

Deutschland war, wie immer bis unmittelbar vor Kriegsausbruch, an einer Eskalation nicht gelegen. Zunächst gelang eine deutsch-russische Verständigung über den vorderasiatischen Bahnbau, was die Briten veranlasste, die russischen Persientrassen zunächst erst recht zu fördern. Schließlich holte man zur Bagdad- bahn die Briten mit ins Boot, auch die Franzosen sollten teilnehmen. Das Ab- kommen stärkte die britische Golfposition. Aus dem Bagdadbahn-Bau einen Kriegsgrund konstruieren zu wollen führt also in die Irre. Dass diese Weltgegend dennoch für den Kriegsausbruch mit entscheidende Wirkung hatte, sahen wir oben im "Persischen Arrangement". Aus den "fremden" Häfen am Golf wurde durch den Kriegsausbruch nichts.

 

 

Das Wirtschaftlichkeitsargument:

 

Das Großbritannien der Jahre vor dem Ersten Weltkrieg wurde auch von heftigen sozialen Auseinandersetzungen, Streikwellen und Lohnkämpfen, erschüttert. Die innerbritischen Kritiker von Greys Politik führten den Vorrang der sozialen vor den imperialen Problemen ins Feld. Ironischerweise trugen sie aber damit selbst zum Kriegskurs mit bei. Denn man kann die Tripel-Entente auch als Entlastung für den britischen Verteidigungshaushalt ansehen. Der Kriegskurs diente so mittelbar dazu, Sozialausgaben zu ermöglichen.

 

Das Wirtschaftlichkeitsargument ist dabei durchaus mehrschichtig. Die maritime Hochrüstungsphase kann man dabei auch als eine Art "Kalten Krieg" ansehen, wobei die finanzpolitische und gesellschaftliche Struktur des Gegners getroffen werden soll. Verlierer ist, wessen Volkswirtschaft den rüstungsmäßigen Anfor- derungen nicht mehr nachkommen kann. Der Haldanebesuch kann auch als innenpolitisch motiviert angesehen werden, da er mit einem Höhepunkt der inne- ren sozialen Auseinandersetzungen in Großbritannien zusammenfiel.

 

So gesehen erfüllte das Wirtschaftlichkeitsargument eine wichtige Scharnier- funktion zwischen sozialen und globalstrategischen Fragen. Die Trennung zwi- schen politischen und kommerziellen Interessen ist dabei sowieso stets als künstlich anzusehen.

 

Es gab auch keineswegs ausschließlich einen Antagonismus zwischen Rüstungs- und Sozialpolitik. Denn die Staatsausgaben im Rüstungsbereich erzeugten gerade in einer Zeit, als noch viel "Mehrwert" durch die Leistung von Massen gering ausgebildeter Arbeiter geschaffen wurde, eine erhebliche Nachfrage nach Arbeit und damit tendenziell sozialen Frieden. Dass Grey auch hier zum Mittel der Manipulation (des Kabinetts) mit Hilfe verbündeter Presseorgane griff (der deutsche Rüstungsstand wurde übertrieben dargestellt), passt absolut ins Bild.

 

Zurückhaltung im Flottenbereich, das gilt für alle Staaten gleichermaßen, hätte die Heeresrüstung begünstigt. Ansonsten aber muss wiederholt werden, was oben bereits festgestellt wurde: gegenüber Großbritanniens Machtanspruch war die Kostenfrage zweitrangig.

 

 

Die Chimärenfurcht:

 

Wormers Werk enthält einiges an Beispielen, dass die Furcht vor einer möglichen deutsch-russischen Verbindung die britische Diplomatenfraktion die ganze betrachtete Phase über (ca. 1905 - 1914) umtreibt. So kommt im Zuge des Russisch-Japanischen Krieges die Furcht auf, Frankreich und Deutschland könn- ten Russland zu Hilfe kommen. Sanderson meint im selben Jahr, Deutschland könnte eine prorussische britische Pressekampagne zum Anlass nehmen, sich umso schneller Russland in die Arme zu werfen. Bertie gibt entsprechende französische Befürchtungen wortgetreu nach London weiter. Nicolson fürchtet sich vor einem Wiedererstehen der Dreikaiserpolitik. Ende 1905 wird mit der Furcht vor einem russischen Angriff auf Indien im Fall einer russich-deutschen Verbindung eine Art "Herzlandargument" entwickelt.

 

Ein "deutsch-russischer Alleingang" wurde auch Anfang 1907 bei den Anfängen des Bagdadbahnbaus befürchtet. Die oben angesprochene Ungleichbehandlung bei der Hafenbeurteilung hatte damit zu tun. Eine Art Panik, Deutschland könnte ihnen zuvorkommen, besteht in der britischen Diplomatenfraktion später im Jahr im Vorfeld der Asienkonvention. Hardinge produziert 1909 ein umfangreiches Memorandum, in dem er die Konsequenzen durchspielt, wenn in Russland die "deutschfreundlichen und reaktionären" Kräfte ans Ruder kommen würden. Chimärenfurcht entsteht schon, wenn Deutschland und Russland nur miteinander reden. Auch die o.a. Streiks lösen Vorstellungen aus, der Kontinentalblock könnte als Reaktion darauf entstehen.

 

Im Frühjahr 1914 legte Nicolson die Platte mit der Dreikaiserpolitik wieder auf. Wenig später deutete der deutsche Außenminister Jagow die Möglichkeit einer deutsch-russischen Zusammenarbeit in der Türkei an. Auch Wormer ist der Ansicht, Deutschland hätte sich besser mit Russland verständigt, als Groß- britannien durch den Flottenbau zu reizen. Dafür war es aber 1914 längst zu spät. Deutschland hatte es nicht verstanden, die russisch-britische Rivalität in Asien für seine Zwecke zu nutzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Isolationsfurcht:

 

Die Furcht vor der deutsch-russischen Verbindung war nicht die einzige der phobischen Plagen, die Großbritannien quälte. Der realistische Gehalt wird dadurch nicht weniger zweifelhaft. Eine angenommene Revision bestehender Verhältnisse durch Russland und Deutschland konnte auch das Vordringen jeweils einer einzelnen Macht bedeuten. Dem pflegte man mit dem Anspruch auf "open door" zu begegnen, was letzten Endes aber nur die Verteidigung bisher unbestrittener Vormachtstellungen bedeutete.

 

Auch seines engsten Verbündeten war Großbritannien nicht unbedingt sicher. Selbst noch 1913/14 befürchtete Grey ein französisch-deutsches Arrangement im Zusammenhang über das Problem der portugiesischen Kolonien, das erneut erörtert wurde. Die militaristische Einschränkung seines außenpolitschen Spielraums durch die von seinem eigenen Lager manipulierte Flottenpanik von 1909 veranlasste selbst Grey kurzfristig zum Gegensteuern. Zum Halten des two-power-standards mussten die Schiffe des französischen Alliierten in die Kalkulation mit einbezogen werden.

 

Hinter der die britische Politik bestimmenden Isolationsfurcht stehen dabei weniger innenpolitische, durch das Wirtschaftlichkeitsargument formulierte Zwänge als solche geostrategischer Natur. Natürlich konnten die Kontinental- mächte innere Schwierigkeiten Großbritanniens für sich ausnutzen. Dazu hätte es, den Kontinentalblock vorausgesetzt, innerer Schwierigkeiten Großbritanniens aber gar nicht bedurft. Schließlich sieht auch Wormer, dass Großbritannien aufgrund "pragmatischer geostrategischer Überlegungen den Ententen mit Rußland und Frankreich den Vorzug" gab. Was bei Wormer nicht steht, ist, dass die britische Isolationsfurcht im Grunde aus dem Verhältnis zu den USA resulierte.

Buchanan schreibt am 03.08.1914, einen Tag vor der britischen Kriegserklärung, an Nicolson, dass England treu zu sich und seinen Freunden stehen [und sich damit am Krieg beteiligen] muss, sonst wäre es nach dem Krieg isoliert und die Tage des Empires gezählt.

 

 

Angebliche Widersprüchlichlichkeit der britischen Politik:

 

Es ist im Rahmen dieser Arbeit weder möglich noch angestrebt, in einer Art und Weise in die Abgründe der menschlichen Seele im allgemeinen und der han- delnden Personen im besonderen hinabzutauchen, so dass individualpsycho- logische Erklärungsmuster ans Tageslicht gefördert werden könnten. Würde man dieses unternehmen, wären sicher einige Macken festzustellen (die Wilhelms II. beispielsweise sind ja kein Geheimnis). Auch britische Akteure wären gewiss betroffen.

 

Der Politik von Grey und Konsorten aber innere Widersprüchlichkeit zu attes- tieren, nach der die europapolitische und die imperiale Sicherungsstrategie Großbritanniens am Ende nicht mehr zu vereinbaren waren, bedeutet aber, dass die Historiker entweder die Politik Greys nicht verstehen oder aus politischen Gründen falsche Fährten legen. Das geht im Einzelfall so weit, dass man bei Grey Schizophrenie diagnostiziert.

 

Es muss aber lange nicht jeder Intrigant krank sein. Nach Mallet war Grey "völlig gesund". Natürlich kann man auch eine bewusst in den Krieg führende Politik generell als krank bezeichnen. Auf eine derartige persönliche Bewertung kommt es aber nicht an. Im Rahmen ihres eigenen Vernunftbegriffs verhielt sich die britische Politik völlig rational. Wormer versteht das auf S. 89f, wo er die britische Annäherung an Petersburg als logischen Schritt im Rahmen einer umfassenden defensiven Konzeption zur Bewahrung des status quo (nicht des Friedens) einqualifiziert, und missversteht das auf S. 222, wo er die britische Balkanpolitik "kaum anders" denn als Gleichgewichtspolitik zur Eindämmung expansiver Tendenzen der Mittelmächte erklären kann.

 

Dass die temporär friedenserhaltende britische Politik reine Taktik war, um einen unter günstigen Bedingungen zu führenden Krieg zu ermöglichen, ergeben in ihrer Konsequenz die Ausführungen hier wie im Hauptteil. So gesehen existieren auch keinerlei Widersprüche innerhalb der britischen Politik.

 

 

Aphorismen und Metaphern:

 

Diese Arbeit dient der Herstellung von Zusammenhängen. Manche Aussprüche sind aber prägnanter, wenn man sie für sich stehen lässt. Beginnen wir mit einer Notiz von Churchill: "Wir sind kein junges Volk mit unschuldiger Vorgeschichte und dürftigem Erbe. Wir haben uns in Zeiten, in denen mächtige Völker durch Barbarei oder interne Kriege gelähmt waren, einen im ganzen unverhältnismäßigen Anteil des Wohlstands und Handels der Welt unter den Nagel gerissen. An Landbesitz haben wir alles, was wir wollen, und unser Anspruch, in unseren riesigen und glanzvollen Besitzungen, hauptsächlich durch Gewalt erworben, überwiegend durch Militärmacht gehalten, in Ruhe gelassen zu werden, erscheint anderen oft weniger nachvollziehbar als uns."

Da klingt die Anerkennung der Berechtigung der Ansprüche von "Habenichtsen" durch... Und die Möglichkeit, Konflikte durch Ausgleich statt durch Krieg zu lösen...

 

Im Folgenden soll doch wieder ein Zusammenhang hergstellt werden, aber nur bestimmter Aussprüche untereinander bzw. zum Beginn dieser Besprechung. Es geht um das britische Russland- und Deutschlandbild. Die "russische Militär- despotie" und das "militaristische deutsche Kaiserreich" können von Wormer selbst konstruierte Bezeichnungen sein, er kann sie aber auch seinen britischen Quellen entnommen haben. Russland galt den Briten auf jeden Fall als "halbzivilisiert", ob man die Einschätzung auch auf Deutschland übertragen kann, ist beim Zitat von "halbzivilisierten bzw. säbelrasselnden Autokratien" zumindest nicht ausgeschlossen. Die Bedeutung der Einschätzung ergibt sich aus einem Zitat von Lansdowne, zu der Zeit bereits Oppositionspolitiker: "So weit es uns betrifft, gibt es keinen Grund, warum wir in dem neuen Kapitel der Geschichte, das jetzt für Russland beginnt, nicht zum Wohl der Zivilisation mit ihm zusam- menarbeiten sollten." Auch wenn ich jetzt Lansdowne eine böswillige persönliche Auffassung unterstelle, die er in seiner reinen Seele kaum gehabt haben kann, ist es möglich, diesen Satz auch folgendermaßen zu lesen: Russland gehört nach britischer Auffassung nicht zur Zivilisation. Die Zusammenarbeit mit ihm dient dem Wohl der "Zivilisation" (was wohl die angelsächsische Welt plus vielleicht noch Frankreich sein soll), also nicht dem Russlands und natürlich auch nicht dem Deutschlands. Eine Bestätigung des "rauchenden Colts" eigener Art. Das Bild vom "barbarischen Russen" soll dann durch Vermittlung der russischen Kultur in England revidiert werden [sofern nicht Pressemanipulationen schon dafür gesorgt haben, s.o.]. Als russisches Zitat passt hier ein Ausspruch von Iswolski, Rüstungskontrolle wäre eine Idee von "hysterischen Weibern, Juden und Sozialisten."

 

Was die "Zivilisiertheit" innerhalb Großbritanniens angeht, stellt Wormer fest, dass die mit den Beziehungen zu den Autokratien befassten Diplomaten diesen in Ihrer Distanz zum Parlamentarismus geistig näher standen, als sie zugegeben hätten. Monger attestiert Grey [mindestens einmal] Verfassungsbruch durch Umgehung des Kabinetts. Soweit Grey gegen den Krieg ist, dann aus der Furcht heraus, er wäre "Wegbereiter des Sozialismus" (S. 78). Spring-Rice will, nach feinster Mafia- Art, die britische Gegnerschaft zu Deutschland nicht "mit irgendwelchen feindseli- gen Gefühlen", sondern "vom rein geschäftsmäßigen Standpunkt" aus betrachtet wissen (S. 134).

 

Von Wormer selbst sind Schlussfolgerungen mit der Benutzung des Ausdrucks "Härtegrad", in Bezug auf die britische Deutschlandpolitik, interessant. S. 172: "Der Härtegrad der englischen Haltung gegenüber Berlin richtete sich nicht zuletzt nach der Qualität der Tripel-Entente beziehungsweise nach der militärischen Bereitschaft der kontinentalen Flügelmächte. Wenn - wie in der Annexionskrise - Frankreich oder Rußland wegen ihres mangelnden Rüstungsstandes einen Krieg nicht riskieren wollten, dann musste England ohnmächtig der expansionistischen Politik der Mittelmächte zusehen." S. 226: "Denn der Härtegrad der englischen Politik richtete sich nach dem Härtegrad der Entente. In den Augenblicken, in denen Differenzen innerhalb der Tripel-Entente mit innenpolitischen Schwie- rigkeiten wie Ende 1911 und Anfang 1912 zusammenfielen, zeigte sich England verhandlungsbereit." Zeigt den Opportunismus der britischen Politik und die Tatsache, dass zum europäischen-Krieg-Anzetteln immer noch (mindestens) drei gehörten.

 

Dass Großbritannien nach Wormer gegebenenfalls auch noch vertragsbrüchig würde, ist innerhalb der gesamten Betrachtung ein solitärer Fall: "Jedenfalls kann für diese Zeit davon ausgegangen werden, daß englische Interessen jederzeit englischer Vertragsloyalität übergeordnet waren." Eine m.e. übertrieben harte Beurteilung. Aber auch Wormer scheint irgendwann die Geduld mit seinem Studienobjekt verloren zu haben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zitieren wir am Schluss hier die "Netzmetapher", und zwar zunächst in den von Wormer angeführten Worten des Historikers Ludwig Dehio: "...wie gegen frühere Kolonialmächte [traf England [Einfügung Wormers]] jetzt gegen Deutschland seine diplomatischen Vorsichtsmaßnahmen und spann das Netz seiner Freundschaften, die sich automatisch um den Gegner zusammenziehen mußte, wenn er seinen Weg verfolgte...". Das trifft sich mit folgendem: "Das Netz war gesponnen, und Deutschland flog wie eine laut summende Fliege hinein." Worte des stellvertretenden französischen Außenministers Abel Ferry. Bilder der Falle, die den Mittelmächten gestellt wurde, der Schlinge, die sich immer enger zuzog.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klaus Wormer: Grossbritannien, Russland und Deutschland. Studien zur britischen Weltreich- politik am Vorabend des Ersten Weltkriegs.

Dissertation. Wilhelm Fink Verlag, München 1980.

 

Wormer wird von Rauh und Neitzel zitiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hierzu Wormers Anmerkung Teil IV Nr. 372 S. 378. Aus seiner Quelle "Hazlehurst" liest er: "Es war indes so, wie Hazlehurst, s.u., S. 46, andeu- tet, daß die liberale Politik durch die Entwicklung der kontinentaleuropäischen Situation endgültig gezwungen wurde, zu den tendenziell langfristig angelegten Entscheidungen zu stehen."

Mit den "langfristig angelegten Entscheidungen" ist nichts anderes als die langfristige Anlage des

britischen Kriegskurses gemeint, wie wir ihn im Hauptteil dieser Arbeit hier im Detail studieren können.

 

 

 

C. Hazlehurst: Asquith as Prime Minister 1908 - 1916, in: English Historical Review (1970), S. 502ff.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Verwendung von mit "Gleichgewicht" verbunden-

en Begriffen bzw. "balance of powers" an über 40 Stellen in Wormers Werk.

<Einfügung 18.10.2016>

Vergleiche die ebenso ausführliche wie fehlge-

hende Behandlung des Gleichgewichtsbegriffs

bei Rust, Literaturhinweis s. "Alternative", S. 4ff. Nach der bisherigen Analyse hier gab es weder ein deutsches Hegemonialstreben, noch sollte, wie die hier folgenden Ausführungen zeigen, Deutschland lediglich "eingedämmt" werden (so Rusts Behauptungen, der zwar eine Vielzahl an-

derer Quellen, Wormers Arbeit aber offensicht- lich nicht kennt).

 

S. 273: Man reklamiert zwar die Erhaltung des Friedens als vornehmstes Ziel der Gleichge- wichtspolitik, stellt aber eine Verschiebung des Gleichgewichts zugunsten Russlands fest, an der man sich durch „prorussische risikobehaft- ete Gleichgewichtspolitik“ (S. 245) selbst betei- ligt und Deutschland in eine lebensgefährliche Situation gebracht hat.

 

Begriffliche Gleichsetzung S. 40, 73, 106, 138.

S. 141: Russland „östlicher Pfeiler“ in Englands kontinentaleuropäischer Gleichgewichtskonzep- tion. Die Zusammenarbeit mit Russland, und damit die „Gleichgewichtskonzeption“, ist „Bri- tish Interest“.

 

So festgestellt auf S. 282 (die Abhängigkeit von den USA wurde anderweitig ermittelt, ein briti- scher Kurswechsel hätte die Abhängigkeit von den Kontinentalmächten gebracht). Übergang der Begrifflichkeit von multipolar = friedenssich- ernd zu bipolar = parteilich S. 73f, 79, 84, Erklä- rung letzterer als Kriegsstrategie S. 142.

Beschreibung der Einkreisung Deutschlands zwischen Frankreich, Russland und der briti- schen Seesuprematie durch Hardinge S. 176.

 

Behauptung deutscher Hegemoniebestrebungen

im Zusammenhang mit "Gleichgewichtskonzep- ten" S. 26, 79, 135f (wobei man weder Deutsch-

lands See- noch Landmacht fürchtet).

Siehe auch der "rauchende Colt" oben.

„Hegemonieverhinderung“ kann auch heißen, dass trickreich die russische Hegemonie verhin-

dert werden soll.

 

Goschen: "...that there was such a thing like bal-

ance of powers", S. 174. Zu Nicolson S. 233, zu Grey S. 18.

 

 

 

 

S. 274. "Gleichgewichtsstrategie" und "Gleich- gewichtsdiplomatie" können nicht gleichzeitig widerstrebende Ziele meinen.

Zusätzliche Betrachtung s.u. in "Angebliche Widersprüchlichlichkeit der britischen Politik".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

<Vor dem sich auf Wormer u.a. beziehenden neu eingefügten Schlussabschnitt dort.>

Isolationsfurcht S. 80f. Hierzu unten ein eigener Abschnitt.

 

 

 

Konkretes Zitat Greys zur Verteidigung des offi- ziellen Gebrauchs des Begriffs "Triple Entente" aus Isolationsfurcht S. 81.

 

 

 

S. 147f.

 

 

S. 153.

 

S. 161.

 

 

Ds.

 

 

 

Nikolaus in Postdam Herbst 1910 S. 174, Wil- helm in London Frühjahr 1911 S. 175.

 

Ds. Nicolsons entsprechende Überlegungen.

 

 

 

Zum Scheitern eines allgemeinen von Grey in- tendierten Abkommens S. 178. Weiterleitung von Anm. 281 (S. 356) auf Anm. 252 (S. 355), wo laut Nicolson Russland und Frankreich nicht daran dächten sich maritim [und sonst auch nicht] die Hände binden zu lassen.

 

 

 

 

 

Quelle für untenstehendes Zitat:

Klaus Hildebrand, Preußen als Faktor der briti-

schen Weltpolitik, 1866 - 1870. Studien zur Au-

ßenpolitik Großbritanniens im 19. Jahrhundert.

Habilitationsschrift, Mannheim 1972.

<PDF s.u. nachträglich eingefügt 13.07.2016>

 

 

S. 88 Anm. 17: Nach Klaus Hildebrand im Jahr 1869! (Vgl. unsere Darstellung im Hauptteil.)

Hierzu ein PDF. Greys Option und Kontinuität zu Lansdowne S. 102.

"Unerbittlich" S. 263, Implikationen S. 252, 136f.

 

Wörtliches Zitat S. 264.

 

 

 

Asienkonvention = russisch-britisches Abkom- men über Persien 1907, s. Hauptteil.

Relativierung der Flottenfrage S. 127, 147, da- gegen später wieder Verknüpfung, S. 183. In

Wirklichkeit Komplettierung der Entente, S. 137.

Frühe Überlegungen zu den asiatischen Mög- lichkeiten, also damit deren Langfristigkeit S. 283, dadurch ist die "Sicherungsstrategie" (S. 282) von Wormer fehlinterpretiert, es sei denn, man will den gesamten Kriegskurs als solche auffassen.

 

 

Russland wird "mittelfristig wirksam", S. 181,

zu Frankreichs Vorhaben S. 173. Nachweis der freien Hand für Russland S. 183, des Balkans als Kriegsauslöser S. 186. Nicolsons Freude S. 170, seine Einschätzung Deutschlands S. 231. Die Möglichkeit eines Überraschungsangriffs Deutschlands auf Großbritannien kann der Chef der Admiralität nicht erkennen (S. 231f).

 

 

Kein "alienate" gegen Russland lt. Nicolson S. 256, Balkanaggression entlastet Indienfront nach Hardinge S. 257.

 

Es ergibt sich hier ein gewisser Widerspruch zum im Hauptteil ausgewerteten "Oncken". Wormer sieht die britische Position und Grey persönlich noch kritischer.

Britische Konfliktbereitschaft 1908/09 S. 176.

 

Greys Plädoyer S. 36, seine in Form einer inter-

nen Frage geäußerte Aggressionsabsicht S. 78.

Einräumung der Berechtigung deutscher An- sprüche und Behandlung Frankreichs und Deutschlands S. 179.

 

 

Kurswechsel der "Reformer" (S. 71) Churchill und Lloyd George zu den "Imperialisten" S. 180f.

 

Militärische Interventionsabsicht ab 1911 und Überlegungen zu Belgien S. 181.

 

 

 

 

 

 

Implizite Verpflichtung S. 50f, vorteilhafte Bedin-

gungen S. 266, für die, da ist Wormer zu wider- sprechen, kein "Zwang" bestand, denn die in die handlungspolitische Bindung führende Initiative lag bei Großbritannien (man könnte dagegen das Abhängigkeitsverhältnis zu den USA anfüh- ren, das Wormer aber nicht behandelt). "Margin of superioty" mit Hilfe der Ententepartner, deren Freundschaft nicht aufs Spiel gesetzt werden darf, S. 73. Maritimes S. 166f, Einschätzung der Ententepartner (wörtlich) S. 170.

 

 

 

S. Hauptteil insbes. "1890 - 1897" (Schluss) und S. 131ff, Erwartung russischer Zugeständnisse S. 103, Großbritannien erhält die Vorrangstellung über Afghanistan S. 128. Zur "Hafenproblematik" s.u., Russland als unverzichtbarer Verbündeter gegen deutsche imperialistische Expansionsbe- strebungen S. 287. Wie diese bei der türkischen Schwäche und der weiten, auch per Bahn kaum überbrückbaren Entfernung nach Deutschland die "vitale" britische Position am Golf gefährden sollen, ist nicht nachvollziehbar.

 

Eine türkische Intervention gegen Ägypten zeichnete sich Anfang 1911 (S. 218) genauso- wenig ab wie ein massiver deutsch-türkischer Angriff gegen den Suezkanal 1907 (S. 133). Beides sind britische Schauerträume (persön- liche Einschätzung).

Deutsches Einverständnis (nicht ohne innere Widerstände) zur britischen Beteiligung an der Bagdadbahn in Dietrich Eichholtz: Die Bagdad-

bahn, Mesopotamien und die deutsche Ölpolitik bis 1918, Leipziger Universitätsverlag 2007, S. 44f.

Wormers Konjunktiv "wollte man den Zugang zum Mittelmeer verschlossen halten" S. 288. Wollte man nicht, S. 171, 202, 244f, dazu unten mehr. Befürchtete deutsche Konkurrenz in Per- sien S. 128ff, die hinter den britischen Gegen- aktionen steckende Strategie ist persönlich ge- schlussfolgert, siehe hierzu unten mehr.

 

 

 

 

 

Ölfunde S. 209.

 

Churchills Bestrebungen S. 250.

 

 

Spekulativ.

 

 

 

 

 

 

Großbritannien und Frankreich fürchteten die wachsende, von Russland geförderte Unnach-

giebigkeit der Balkanstaaten (S. 245). Britische Zurückhaltung zur Sanderskrise und deren Be- gründung S. 241f.

 

 

 

 

 

Einschätzung Russlands S. 264.

 

 

"Unfreiwillige positive Bewertung" Deutschlands durch Nicolson S. 245, ds. in Verbindung mit dem Zitat der "Unnachgiebigkeit" s.o. Verlust der (Russland bremsenden) Einflussmöglichkeiten.

 

Details dieses Blocks S. 246.

 

 

 

 

Ds. Nicolson hielt den Zeitpunkt für "denkbar schlecht". Aber sicher nicht wegen der "explo- siven Lage" [sondern wegen der Rückwirkung auf die britische Öffentlichkeit].

 

Zur Marinekonvention S. 254.

 

Zur Möglichkeit der Revision der deutschen

Außenpolitik S. 231.

 

 

 

S. dort.

Das österreichisch-ungarische Ultimatum und

die Vermutung, Deutschland stecke dahinter, boten Frankreich und Russland die willkomme- ne Gelegenheit, Großbritannien zu einem Treue-

bekenntnis zur Entente aufzufordern (fast wört- lich v. S. 264).

Unter Umständen übernimmt Wormer hier z.B. vom Diplomaten Buchanan (S. 234) die These, in deutlichen Worte Londons an Berlin im Ju-

li 1914 (und damit in einem eindeutigen Bekennt-

nis zur Tripel-Entente) hätte eine geringe Chan-

ce der Friedenssicherung gelegen, S. 265. Dem widerspreche ich, denn dieser These liegt die Annahme zugrunde, beim Kriegseintritt Deut- schlands handelte es sich um ein "miltärisches Abenteuer". In Wirklichkeit handelte es sich um einen Verzweiflungsakt (s.o. Zitat zu S. 273).

 

 

 

Auch hier ist Wormer zu widersprechen, der auf S. 246 schreibt: "Es lag keineswegs in der Ab- sicht des Foreign Office, einem allgemeinen Konflikt der europäischen Großmächte über Bal- kanfragen Vorschub zu leisten", aber in seiner gesamten Arbeit nichts als Beweise für das Ge- genteil sammelt.

 

Zusammenfassung der Situation S. 289f.

 

 

 

 

 

"Es war die spezifische Außenpolitik des in die Defensive gedrängten englischen Imperialis- mus, die Englands Kriegseintritt verursachte",

S. 291. Außenpolitik und Kriegseintritt derart zu verknüpfen ist eine Bankrotterklärung für die Diplomatie.

 

 

 

Persönliche Schlussfolgerungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur Appeasementpolitik S. 290f. Für Wormer ist der britische "Friedenswille" natürlich echt.

 

 

 

 

 

 

 

Der Hauptteil liefert diese Informationen nicht, dort ist nur von Stabsgesprächen und Bündnis- verhandlungen die Rede, nicht von der intern- britischen, im Rahmen der Kriegführung der Tripel-Entente letztlich realisierten Interventions-

planung.

 

 

Invasionspanik 1909 S. 48. Bethmann Hollweg bezeichnete derartige Vorstellungen als lächer- lich (S. 232). Britischer Fokuswechsel S. 159.

 

 

 

Entsprechende Analyse durch Chirol S. 123. S. 177f Kriegsplanungen der Admiralität, Lager- wechsel Haldanes und Zufriedenheit Chirols, letzteres auch S. 165. Vorrang der neuen Kon- zeption S. 68f, deren inhaltliche Konkretisierung S. 180f.

 

 

 

 

Greys Vorhaben S. 64.

 

 

 

Gegensatz zwischen Invasionspanik und

Kriegseintrittsfokus des Generalstabs S. 232.

 

 

 

 

Antizipation des deutschen Kriegseintritts 1913 S. 233, 1909 S. 172. Grey hat sogar Verständ- nis für die deutsche Besorgnis (S. 70, vollzieht aber permanent eine Politik, die deutschen Inte- ressen genau entgegengerichtet ist), Buchan- an kann die deutsche Furcht vor der wachsen- den Macht Russlands nachvollziehen (S. 234). Inwiefern man die Einkreisung als objektiv falsch, subjektiv aber richtig ansehen kann (S. 232), entzieht sich meinem Erkenntnisvermö- gen. Ds. Bertie, französische Vorstellungen und Details. S. 233.

 

 

Bedachte russische Flottenpräsenz im Mittel- meer und russischer Einfluss auf dem Balkan S. 202, dagegen wieder Konfliktrisiko durch nach- giebige britische Haltung gegenüber der russi- schen Mittelmeerpolitik S. 247.

 

 

Französischer Wunsch und Pläne des Vorge- hens gegen die Türkei S. 202. Sonstige Details S. 203. Pläne zur Öffnung der Meerengen und zur Zusammenarbeit auf dem Balkan auch S. 171.

 

 

 

Allgemeine Aufrüstung im Mittelmeerraum S. 244, Planung des Zangenangriffs S. 244f, Ent- lastung für das britische Budget S. 245.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Begründung s.u.

 

 

 

 

 

 

 

 

Funktion der Form der Tripel-Entente und Beth- mann Hollwegs unfreiwillige Mitarbeit S. 235. Spaltungsgefahr der Liberalen Partei S. 52.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Benckendorffs Appell S. 165, im Hauptteil bei der Sanderskrise.

 

 

 

 

 

 

 

Details S. 253f.

 

 

 

 

 

 

Details S. 280f.

 

 

 

 

 

Wormers nachvollziehbare Vermutung S. 272f.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Entsprechende Behauptung S. 227.

 

 

 

 

 

Was man [nicht ohne leicht schockiert zu sein] auff S. 261 nachlesen kann [mit "den Russen" sind natürlich (maßgebliche) Petersburger Krei- se gemeint]. Benckendorffs Nachricht (ohne Kenntnis des Attentats [sonst hätte er darauf Bezug genommen]) S. 262.

 

Einschreiten Greys gegen alle die Verbindung störenden Aktivitäten S. 207, selbst wenn sonst Rivalität herrscht. Einschätzung deutscher Akti- vitäten "höchstens Störmanöver" S. 130, "zweit-

rangig" S. 212, ds. automatische aus der briti- schen Politik folgende Kontroverse mit Deutsch-

land.

 

Betrachtungen hierzu S. 228. Ich vermute hin- ter der britischen Verhalten eine andere Motiva- tion als Wormer, der sie nicht als Provokation, sondern als mögliche Warnung vor einer allzu aggressiven russischen Persienpolitik ein- schätzt. Mehr hierzu s.u..

Russisches Überlegenheitsgefühl S. 257.

 

Gewaltsames russisches Vorgehen gegen per- sische Autonomieansätze und britische Reak- tionen S. 210, Greys Flexibilität S. 211. Gleichlautende Feststellung von Nicolson und Tyrrell (der bei Wormer nicht "deutschfreund-

lich" erscheint) S. 210.

 

 

Presseartikel S. 248, Mongolei S. 250, Bahnbau s.u., die Beeinträchtigung militärstategischer und handelspolitischer britischer Interessen da- durch wird bezweifelt, nicht zuletzt von Grey (S. 248f).

 

 

Einschätzung des russischen Vorgehens S. 228.

 

Hebelmotiv S. 259.

Persönliche Einschätzung.

 

 

 

Bahnbau-Hickhack S. 248ff. Die Begründung der Verzögerung der Marinegespräche mit dem deutschen Einspruch (02.07.1914) könnte auch ein taktisches Manöver Greys gewesen sein (S. 259). Französische Vermittlungsbemühungen vom 14.07.1914 [passendes Datum zur Eskala- tion der Julikrise] S. 258.

Sonst Schlussfolgerungen aus den Bemerkung-

en zu S. 228 oben, und etwa der Ansicht Joseph

Chamberlains (s. "Kriegsgeständnisse"), Deutschland könne eine russische Aggression gegen Indien nicht dulden. Denn bei einer sol- chen wäre Russland frontal Großbritannien und mglw. auch Japan und den USA gegenüberge- standen und wäre zusätzlich der Rückenbedro- hung durch die Mittelmächte ausgesetzt gewe- sen. Da war die Aggression gegen den Balkan im Zusammengehen mit den Briten schon aus- sichtsreicher. Schließlich fiel bei den Russen der Groschen bez. des britischen Ansinnens.

Benckendorff am 02.07. S. Anm. 304 S. 376, am 16.07. ds. Anm. 300 (zu S. 262).

Information kommt bei Sasonow an und dessen Reaktion S. 263, 257.

 

 

 

 

 

Greys Reaktion S. 257. Damit steht der britisch- russische Kriegskurs schon Tage vor dem Ulti- matum an Serbien fest!

 

Konzessionen an Russland S. 263, deren Be- wertung und die Lage der Felder (es kann sich bei "nördlich gelegenen" (Wormer) nur um sol- che unter britischer Kontrolle (also im Süden be-

findliche) gehandelt haben) persönlich eingesch-

ätzt. Für Sasonow ist die britische "Flexibilität" nun erwiesen (Wormer).

 

So zu Grey S. 261 und Sasonow S. 269. Man wird hier (und da) das Gefühl nicht los, Wormer

positioniert sich politisch nach der Fischer-

Richtung oder sieht sich unter entsprechendem Druck. Zu Geiss Anm. 349 S. 378, weitere De- tails ebenfalls S. 269.

 

 

 

 

 

 

 

Details S. 270, "...fast schon mehr um die vor- weggenommene Festsetzung des Schuldan- teils...", meint Wormer, wobei man das "fast schon mehr" auch weglassen kann (persönli- che Einschätzung).

 

 

 

 

 

Neitzel zitiert in seiner Anm. 228 Wormer mit S. 262f. Das Ködermotiv befindet sich bei Wormer sowohl auf S. 257 (ausführlicher) als auch auf S. 263.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zur "Zivilisiertheit" s. "Aphorismen" ganz unten.

S. 223: "...triftige Gründe für die Übernahme die- ses Risikos...".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Man könnte hier einzig den Versuch Österreich-Ungarns anführen, Serbien in eine Zollunion zu zwingen (Neitzel, Kriegsausbruch, S. 135). Ser-

bien weigerte sich kategorisch.

 

 

 

 

 

 

Hierzu S. 179. Die Berechtigung des deutschen Protests wurde oben ("Art und Weise") bereits angesprochen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Kursive Hervorhebungen nicht im Original.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Greys Aussage S. 33, 151.

 

Die Anmerkung 201 zum Zitat ging verloren.

 

 

 

 

 

 

"Riesenheer" (ohne jede Zahlenangaben zu Truppenstärken) usf. S. 151.

 

 

 

 

 

 

Konzentration auf die deutsche Flotte und Eyre Crowe-Zitat S. 39.

 

 

 

 

Wortwahl in Anführungszeichen S. 135.

 

Kursive Hervorhebung nicht im Original.

 

 

 

Zitat S. 283.

 

 

 

 

 

 

Deutsch-französisches Horrorszenario der Ad- miralität S.69. Anm. 246 S. 322 hierzu sind "Ad- mirality notes" vom April 1913, der "Fehler" wird ohne weiteres Zitat "englischen Diplomaten" zu- geschrieben.

Britische Unterstellung des Sinns der Neutralität S. 159.

Wortwahl "Vormarsch", S. 74, 128, "Vorstoß", "Manöver", S. 129, "Gegengewicht" S. 74.

 

 

 

 

Zum "erstrangige britische Interessen bedroh- eden" Bagdadbahn-Bau S. 132, ds. Bedauern über die sich durch die zwischenzeitliche bri- tische Gleichgültigkeit entwickelte Situation in der Türkei durch Hardinge und Esher.

 

Bahnbau-Aktivitäten 1911 S. 216f.

 

 

 

 

Definition des "Sozialimperialismus" als "innen- politisch motivierter Zwang zur expansiven Machtpolitik zum Zweck der Herrschaftssiche- rung", S. 29.

 

 

 

 

 

 

Persönliche Beurteilung. Dass es zur Erklärung der in den Krieg führenden Einflussfaktoren in- nenpolitischer Effekte nicht bedarf, sollte aus dieser Arbeit hervorgehen. Wormer bezieht sich (S. 56) auf ein entsprechendes Werk von Hans- Ulrich Wehler, ohne dessen Gehalt zu hinterfra- gen.

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 276.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 255. Die Darstellung beschränkt sich auf eine Reaktion Lichnowskys zu den Marinege- sprächen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 125.

 

 

S. 164.

 

 

S. 146. I. F. weitere Aussagen zur deutschen Ungefährlichkeit und friedlichen europäischen Lage 1906 - 1908, aber Kriegserwartung Greys für "frühestens 1913".

Wormers Schlussfolgerung S. 225.

 

S. 164.

 

Ds. Freude über das Scheitern der Haldane- Mission durch die "Flottenpartei", zur russi- schen Reaktion S. 192f.

 

 

 

 

 

Aussagen zu 1908 S. 151, zu 1912 bereits s.o. S. 231f.

Russische Bedrohung gefährlicher S. 211.

Besseres Verhältnis ab 1912 S. 265.

 

Gleichsetzung von "Vernunft" und "interests" durch Hardinge, S. 213.

 

 

 

Wormers Wortwahl S. 238.

Nicolson (s.o.) S. 245.

 

 

Persönliche Bewertung.

 

 

Memorandum Berties vom 25.06.1914, S. 318 Anm. 214 zu S. 66.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Frage nach möglicher Manipulation von Presse-

kampagnen S. 18.

 

 

 

 

S. 135.

 

 

Zitat S. 56, Thema ff.

 

 

 

S. 150, auch hier kommen wirtschaftliche Mo- tive hinzu.

 

Zitat S. 155, Akteure S. 156 (Thema S. 154ff).

 

 

 

 

 

Wortwahl "eine Art halboffiziös" S. 25. Chirols frühere Position S. 95, Verbindungen zum Fo- reign Office S. 101.

 

Entspr. Äußerungen und Aktivitäten ds..

 

 

S. 114, Thema "Manipulation des englischen Rußlandbildes" S. 113ff.

 

 

 

 

 

Grey im 19. Jh. S. 67f.

 

 

S. 87. Bei Monger (S. 123) taucht das Motiv um 1900 erstmalig auf.

 

Junkerfigur S. 87, deutscher Militarismus (geht auch ohne Junker, dafür mit 'zynischen Preu- ßen') S. 151.

 

 

Konservativer Wahlkampf S. 160.

 

S. 224.

 

 

 

Morley S. 72.

 

 

Übertragung S. 65.

S. 233: Nicolson bescheinigt seinen Landsleu- ten, andere immer nur nach englischen Maß- stäben zu beurteilen.

 

 

"Doktrin der freien Hand" ohne echte Grundlage durch Grey S. 79.

 

S. 169.

 

 

Ausweichen Greys gegenüber Sasonow S. 222, seine Risikobereitschaft v. Wormer ds. verleug- net, S. 223 durch einseitige britische Parteinah- me aber eingeräumt.

 

 

 

 

 

Details S. 268.

 

 

 

 

 

Belgien keine "formaljuristische", sondern prag- matische Frage S. 80. Asquith S. 267.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nämlich den eingangs dieser Buchbespre- chung angegebenen ("rauchender Colt").

 

Negatives Russlandbild auch bei den Interven- tionisten S. 115. Salisburys Feststellung "...the day of free individual coercive action is almost passed by" S. 92.

Fast wörtliche Übernahme eines Halbsatzes un-

ter Weglassung eines vorangestellten "möglich- erweise" S. 89. Auch der Folgesatz ist beinahe wörtlich übernommen, aber ohne den im Origi- nal relativierenden Konjunktiv, S. 89f.

 

 

Sich aus den bisherigen Ausführungen ergeben-

de Schlussfolgerungen.

"...England brauchte andere Mächte, die mittel- bar für Britannien den Krieg führten und Rußland

tunlichst so schwächten, daß es in Asien auf ab-

sehbare Zeit nicht mehr gefährlich werden konn-

te." (Rauh, S. 46).

 

S. 115.

 

S. 116

 

 

 

So der britische Diplomat Spring-Rice (S. 68).

 

 

 

 

 

 

 

S. 113, eigene Übersetzung des dort zitierten englischen Originaltextes.

 

 

 

 

S. 136, 117.

 

 

Wormer meint, Hardinge freute sich über Burns'

Sprachregelung, nicht über die Auffassung vom Krieg als Mittel der Politik. Ich bin mir da nicht so sicher.

 

S. 77.

 

 

 

S. 71. Die Anmerkungen 262 und 275 zum Zitat beziehen sich leider auf einen anderen Sach- verhalt.

 

 

 

S. 146.

 

 

 

S. 189.

 

 

 

 

 

 

 

S. 271.

 

 

S. 78.

 

 

 

Prophezeiung 1909 siehe die "Kriegsgeständ- nisse" im Hauptteil. Hier S. 69.

 

 

S. 286.

 

Thematik S. 70ff, Ineffizienz der Radikalliibera- len z.B. S. 51.

 

 

 

 

 

 

"Künstlicher Aufbau begrenzter Interessen", etwa gegen den Bau eines deutschen Golfha- fens durch Großbritannien S. 42f. Ob Deutsch- land über den Bau der Bagdadbahn hinaus je- mals einen solchen plante, geht aus der Dar- stellung nicht hervor. Russischer Hafen siehe Hauptteil.

 

 

 

 

 

 

 

Sicher nicht nur persönliche Einschätzung.

Um ca. 1900 ist diese Entwicklung abgeschlos- sen.

 

S. 93 fragwürdige Vorstellungen des Aufbaus eines fremden Handelshafens zur stategischen Flottenbasis.

 

 

 

 

 

Z. B. Besetzung Gibraltars 1701.

 

 

[Angeblich] "Verheerender Effekt" einer von Deutschland kontrollierten Bahn zum Persi- schen Golf (S. 221). Deutscher Endhafen "direk-

ter Schlag gegen die [britische] imperiale Sich- erungsstategie" (S. 216)

 

 

S. 87: Ein "rein kommerzieller" russischer Hafen

am Golf wäre toleriert worden (Monger S. 68), S. 99: Balfour will den Russen den Weg zum Golf ebnen. Das schon zu Zeiten, als von einer "deutschen Gefahr" keine Rede sein konnte, diese also erst konstruiert werden musste (ca. 1901, Anm. 10 S. 330 zu S. 87).

Ungleichbehandlung Russlands und Deutsch- land durch Großbritannien Anm. 406 S. 344 zu S. 134. Über die deutschen Störmanöver (S. 130, s.a.o.) in Marokko kam Großbritannien Frankreich näher, etwaige solche in Persien dienten zur Annäherung an Großbritanniens an Russland.

 

Deutsche Manöver bedrohen britisches Anse- hen, S. 37f.

 

 

Einschätzung eines japanischen Verteidigungs- beitrags als "erheblicher Prestigeverlust" S. 139.

Sahib-Zitat S. 42.

Indirekte Bedrohung des britischen Prestiges durch deutschen Einfluss in Persien S. 216.

 

 

 

 

 

Ds. und f.

 

Britische Beteiligung und deren Sicherung der britischen Golfposition S. 240, französische Beteiligung S. 241.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Problematik "Druck der sozialen Frage" S. 119ff,

S. 118 war es auch Ziel der "amtlichen" briti- schen Außenpolitik, über die Annäherung an Russland Kosten zu sparen. Aber es ging eben nicht nur um die "Verbilligung" (S. 96) des impe- rialistischen Konkurrenzkampfs.

 

 

 

So Bertie, S. 148, der "mit distanziert sportli- chem Interesse" einen Kostenkrieg heraufziehen

sieht. Deutsche Flottenpläne "Angriff auf die fi- nanzpolitische und gesellschaftliche Struktur" Großbritanniens S. 199 (wobei die Umkehrung genauso gilt), ds. u. S. 193 Haldanemission auch innenpolitisch motiviert.

 

 

Wortwahl "Scharnierfunktion" S. 122, 280. Die Tripel-Entente ist damit auch kostensparend. "Die Diplomatie trat als Ersatz an die Stelle sicherungsstrategischer Aufwendungen..." (ds.).

Dass sich andere für Großbritannien schlagen dürfen, ist somit auch eine Art "Wirtschaftlich- keitsdoktrin". Zusammenfassung der Argumen- tation S. 286.

 

Konjunkturprobleme durch Flottenzurückhaltung

S. 146, 157, 162.

Manipulierte Invasionshysterie 1908/09 mit Be- teiligung Greys S. 154ff, bes. S. 156.

 

 

 

Gegenseitige Beeinflussung der militärischen Ressortbudgets S. 162. Zweitrangigkeit der Kostenfrage (s.a.o. "Art und Weise") S. 166f.

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 80.

 

 

 

S. 109, 137.

 

S. 137f.

 

Entspr. Memorandum der britischen Botschaft in Berlin S. 139.

 

 

 

S. 134f.

 

S. 129.

 

S. 172. [Im Rahmen einer hypothetischen ex- pansiven Kooperation hätten sich Kaiser und Zar

auf die fortschrittlichen, weniger auf die reaktio- nären Kräfte stützen müssen (dt. Geheimpoli- zei überwachte russische Emigranten, S. 137)].

Chimärenfurcht infolge Gesprächen S. 174, in- folge Streiks S. 197.

 

Zu Nicolson (Anm. 276) und Jagow S. 258. Dabei sah "London" (gemeint ist Nicolson, Anm. 269) selbst in der Annäherung an Russland die einzige Überlebenschance für das Deutsche Reich (wörtlich wiedergegeben, Her-

vorhebung nicht im Original). Wormers Schluss-

folgerung S. 226. Deutschlands Versagen S. 86f.

Ein weiteres, nettes Zitat Buchanans zur Chi- märenfurcht lautet: "Russia is rapidly becoming so powerful that we must retain her friendship at almost any cost. If she acquires the conviction that we are unreliable and useless as a friend, she may one day strike a bargain with Ger- many and resume her liberty of action on Turkey and Persia". Gefunden in http://noglory.

org/index.php/articles/313-tell-me-lies-about-the-great-war-the-first-world-war-was-not-a-war-for-belgium-it-was-a-war-for-empire, dort weitere interessante Details, zuvor ein Zitat Nic- olsons zur deutschen Harmlosigkeit, es werden von mir nicht alle Schlussfolgerungen dieser Seite geteilt <nachträglich eingefügt 13.07.2016>.

 

 

 

 

 

 

Entspr. Annahme der britischen Außenpolitiker S. 21f.

 

Wormers Deutung von "open door" S. 34.

 

 

 

 

 

S. 238ff, bes. Anm. 98 S. 370 zu S. 240.

 

(S.a.o. "Wirtschaftlichkeitsargument") S. 154ff, Grey befürchtete die Einführung der allgemei- nen Wehrpflicht durch die Hintertür.

S. 155: Frankreich muss, zumindest zur Mani- pulation des Schiffbauprogramms, als maritimer

Gegner herhalten.

 

Isolationsvisionen britischer Politiker und Militärs

infolge befürchteter Wertlosigkeit Großbritan- niens für die Entente S. 176f.

 

Abhängigkeit vom Kontinent auch im Fall eines multilateralen Friedensabkommens, s.o. "Ent- wicklung ohne britischen Kriegskurs".

Formulierung S. 225.

 

S. Buchbesprechung "Campbell" und Hauptteil.

 

 

Gering gekürzte eigene Übersetzung des engli- schen Originals auf S. 275.

 

 

 

 

 

 

[Angebliche] "Irrationale Antriebe" bei britischen Außenpolitikern und auch ihren radikalliberalen Gegnern S. 118.

 

 

 

 

 

 

Eingangs zu zu den "Widersprüchen" Greys als Schnittpunkte verschiedener Notwendigkeiten S. 19, ausgangs "unlösbare Widersprüche" zwi-

schen Interventionswillen und Friedensbewah- rung, S. 268. Sicherungsstrategie S. 222.

Bescheinigung der Geisteskrankheit, etwa von Zara Steiner, Anm. 23 S. 331 zu S. 89.

 

 

Mallets Aussage bei Monger, S. 321.

 

 

 

 

Bereits zitiert unter "Krieg zwischen Deutsch- land und Russland".

 

Zur "Gleichgewichtspolitik" wurde oben ausführ- lich Stellung genommen. Im Abschnitt "Verque- res Deutschlandbild" streite ich expansive Ten- denzen der Mittelmächte im Allgemeinen und hegemoniale Deutschlands im Besonderen ab.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anm. 19 S. 300 zu S. 31. Eigene Übersetzung des englischen Originaltextes.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wortwahl S. 105.

 

 

 

 

S. 115.

 

S. 129.

 

 

Zitat S. 96. Eigene Übersetzung des englischen

Originaltextes.

 

 

 

Russland verlor den Krieg gegen Japan nach britischer Einschätzung aus "Dummheit und Ig- noranz", S. 94.

 

 

S. 252 (ohne Zitatunterlegung).

 

 

 

Zitat S. 169.

 

 

 

S. 50f.

 

 

Es geht bei Monger (S. 311) um ein Gespräch Greys mit dem französischen Außenminister Cambon über eine britische Intervention im Fall eines deutsch-französischen Krieges vom 10. Januar 1906, das er "grob verfassungswidrig" (S. 320) seinen Kabinettskollegen verheimlich- te.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 165 im Zusammenhang mit einer Seerechts- frage, deren Regelung "im Krieg ohnehin ohne Bedeutung" wäre (laut Erstem Seelord).

Zur Selbsteinschätzung der britischen Vertrags- treue kann ein Zitat unseres Hauptakteurs Sa- lisbury dienen: "Our treaty obligations will follow our national inclinations - and will not proceed them." Auf deutsch: "Unsere vertraglichen Ver- pflichtungen werden unseren nationalen Nei- gungen folgen, sie werden ihnen nicht vorange- hen." Aus The Mirage of Power, Literaturangabe s. 1. Teil 4. Kapitel "Kriegsgeständnisse", S. 146, in Bezug auf die britische "Verpflichtung", Bel- gien zu Hilfe zu kommen. Grey nahm auf Salis- burys Ausspruch Bezug, in dem er in seiner Re- de am 03.08.1914 ausführte: "....we would not bargain away whatever interests or obligations we had in Belgian neutrality." Auf deutsch: "...wir würden uns nichts an Interessen oder Verpflich- tungen, die wir in Bezug auf die belgische Neu- tralität hatten, abhandeln lassen." Gefunden in http://www.westernfrontassociation.com/great-war-people/politics/political-intrigue/2975-the-british-route-to-war.html#sthash.epsNnMsS.DuvIyfVM.dpbs.

Übersetzungen selbst angefertigt.

<Zu externen Zitaten Neueinfügung vom 13.07. 2016>

 

Zitat S. 75f.

 

 

<Neufassung 18.04.2018>

Das Zitat befindet sich in folgenden PDF:

http://www.menschenkunde.com/pdf/geschichte/Einschwoerung_Hitlers_Giacomo_Preparata.pdf, gedruckte S. 19, PDF-S. 28.

einem Auszug aus Guido Giacomo Preparata:

Wer Hitler mächtig machte - Wie britisch-ame- rikanische Finanzeliten dem Dritten Reich den Weg bereiteten, Perseus-Verlag, Basel 2009.

Das Buch wird, entgegen der sich mit dieser Arbeit überschneidenden Behandlungsthemen, nicht als Quelle verwendet, da ich die Argumen- tation insgesamt nicht für wirklich schlüssig hal- te. Naheliegend für ihn als Wirtschaftsprofessor,

denke ich, hat Preparata die Rolle des angel- sächsischen Finanzkapitals beim Aufstieg Hit- lers übertrieben. Ein Zusammenhang zwischen einer möglichen Manipulation der Weltwirt- schaftskrise und der Machtergreifung Hitlers kann bis auf ein "It was clear that this aided the Nazis" (S. 159, PDF-S. 93) nicht hergestellt werden.