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© Holger Bergmann 2015 - 2018

Verpasste Chancen der Mittelmächte Spätherbst 1914 - 1917

Das geläufigste Bild des Ersten Weltkriegs ist das des Stellungskriegs, das, nach den einleitenden, beweglichen Auseinandersetzungen der ungepanzerten und weitestgehend unmotorisierten Heere, tatsächlich den Kriegsverlauf mehr als weniger dominierte. So war lange Zeit keine Entscheidung möglich. Artillerie- reinsatz, bis hin zum Exzess, und nachfolgende Sturmangriffe der Infanterie vermochten nur in geringem Maße, die Frontlinie zu verändern. Im Westen ergab sich das bereits kurz nach der Marneschlacht (siehe zweites Kapitel zu diesem Teil). Die Heere erschöpften sich danach im Wettlauf zum Meer. Bis 1918 sollte sich für keine Seite eine wirkliche neue Chance eröffnen.

 

Im Osten dagegen verging ein Jahr, bis die Fronten erstarrten. In diesem Rahmen boten sich den Mittelmächten zwei Gelegenheiten, um gegenüber den Truppen des Zaren zu einem durchschlagenden Erfolg zu gelangen. Bei diesen Aussagen besteht die Gefahr, gegenüber dem Kapitel "Julikrise" im ersten Teil in Widerspruch zu geraten oder einen dort scheinbar bestehenden fortzuschreiben. Die richtige Kalkulation der deutschen Reichsleitung, die Russen wären schlagbar, sollte nicht zu der Fehlkalkulation verführen, der Krieg wäre insgesamt, aus der Perspektive des Jahres 1914 heraus, gewinnbar gewesen.

 

Den Sieg im Osten hätte man nicht automatisch für einen Sieg im Westen verwer- ten können. Das gilt umso mehr, als dass man diese Überlegung gar nicht anstell- te, und selbst wenn, wäre die Umsetzung nicht so einfach möglich gewesen, als dass die Berechnung das Ergebnis "sicherer Sieg" realistisch hätte erbringen können. An dem russischen Riesenbrocken hätte man sich allzu leicht ver- schluckt, bzw. wäre man unschwer selbst verschluckt worden, insofern war die Überlegung der deutschen Führung, von einer Eroberung Russlands Abstand zu nehmen (siehe Kapitel 1 zu diesem Teil), schon richtig. Verzichtete man aber von vornherein darauf, die russischen Ressourcen für sich unter Kontrolle zu bringen, so machte man die kriegerische Variante der friedlichen Verbindung mit Russland (siehe Kapitel "Alternativen" im ersten Teil) zunichte und brachte sich um jede Chance, der Koalition der Westmächte dauerhaft zu widerstehen.

 

Diese, vom Klischee der Grabenkämpfe und der bis heute anhaltenden gedank- lichen Dominanz des westlichen Schauplatzes verdeckte Perspektive ergab sich im Verlauf des Krieges tatsächlich mehrfach. Dem steht nicht entgegen, dass der Schlachtenerfolg gegenüber der russischen Truppen nur der Anfangs- oder Zwi- schenschritt auf dem langen Weg zur geostrategischen Aussichtnahme einer Nut- zung des russischen Territoriums und seiner menschlichen und materiellen Kapa- zitäten hätte sein können.

 

Die erste Chance, die sich ergab, war die Schlacht bei Lodz im November 1914. Zunächst war deutscherseits eine 9. Armee aus dem Boden gestampft worden, der 1915 eine 10. und eine 11. Armee folgen sollten, ebenso kam es zur Aufstell- ung einiger kleinerer Verbände im Osten, insgesamt genügend Truppen, um den Russen wenigstens in der Defensive erfolgreich entgegentreten zu können. Auch die Verbände Österreich-Ungarns schlugen sich, ihren schweren Anfangs- niederlagen und immer wieder eintretenden kleineren Rückschlägen zum Trotz, insgesamt ganz passabel. Bei Lodz gelang es schließlich, die russische 2. und 5. Armee beinahe einzuschließen. Die Kräfte der Mittelmächte waren aber insgesamt zu schwach für die Aufgabe. General Hoffmann meint, da im Westen kein Sieg mehr möglich war, wäre es besser gewesen, die Westfront hätte rechtzeitig mehr Truppen an den Osten abgegeben, anstatt sie bei Ypern zu verheizen. So blieb "ein großer taktischer Erfolg" (Hoffmann) aus.

 

Die zweite Chance hätte darin bestanden, die Sommeroffensive der Mittelmächte 1915 als Umfassungsoperation auszuführen. Wie bereits in Kapitel 1 zu diesem Teil argumentiert, hätte eine solche Vorgehensweise aufgrund der geographi- schen Voraussetzungen, des weit nach Westen vorspringenden russischen Teil Polens, schon zu Kriegsbeginn bestanden. Nach insgesamt einigermaßen erfolg- reicher gemeinsamer Kriegführung der Mittelmächte ergab sich diese Chance im Sommer 1915 erneut. Dennoch mussten die Truppen der Mittelmächte immer wie- der frontal angreifen, sodass die Russen ihren "Großen Rückzug" durchführen, große Truppenmassen dem Zugriff der Mittelmächte entziehen und den Krieg in die Länge ziehen konnten. General Falkenhayn, der Moltke als Oberbefehlshaber nachgefolgt war, bevorzugte gegenüber den Russen eine politische Lösung. Eine schwerwiegende russische Niederlage hätte seiner Ansicht nach dieses Ziel uner- reichbar gemacht. So unterblieb die Möglichkeit, im Osten die Weichen entschei- dend zu stellen. Die angestrebte Verhandlungslösung sollte sich erst nach der Machtübernahme der Bolschewiki ergeben. Im Jahr 1915 begann nun auch im Osten der Stellungskrieg. Insgesamt blieb der östliche Schauplatz das Stiefkind der deutschen Kriegführung. Vermutlich hätte eine Schwerpunktverlagerung nach dem Osten zu jedem Kriegszeitpunkt größere Erfolge dort erbracht.

 

 

Eine andere Möglichkeit für die Mittelmächte hätte darin bestanden, das Staatsge- biet der Türkei für einen geostrategischen Krieg zu nutzen. Als auf sich selbst ge- stellter Verbündeter waren die Türken keine große Unterstützung. Gegen die Russen in Ostanantolien und die Briten am Suezkanal holten sie sich nur blutige Nasen. Die Türkei war außerdem kaum industrialisiert und hatte entsprechend auch so gut wie keine eigene Rüstungsindustrie, zusätzlich war das Land von den Balkankriegen noch ausgeblutet. Der Kriegseintritt der Türkei führte sicher zur Bindung von Ententetruppen, insbesondere russischen, die in den Winterkämpfen in Ostmitteleuropa fehlten. Vermutlich hätte es aber den türkischen Kriegseintritt nicht gebraucht, um Österreich-Ungarn in der Winterschlacht in den Karpaten zu "retten", "aggressive Neutralität" der Türkei, d.h. drohende Aufstellung von Trup- pen unter Beibehaltung des neutralen Status hätte ebenso russische Truppen binden können, ohne dass auf türkischer Seite prekäre Verluste eingetreten wären.

 

Eine Chance hätte sich dann ergeben, nachdem Serbien Ende 1915 endlich nie- dergerungen war und über Bulgarien, das sich auf die Seite der Mittelmächte ge- stellt hatte, eine Landverbindung in die Türkei sich auftat. Eingefügt werden soll an dieser Stelle, dass nach Hoffmanns Ansicht es wieder Falkenhayn war, der durch Fehlentscheidungen sowohl eine größere Anzahl serbischer Truppen ent- kommen ließ als auch eine Bereinigung der verbleibenden Balkanfront unterband. (die Westmächte hatten unter Verletzung der griechischen Neutralität Truppen in Saloniki gelandet, von dort aus sollte im Herbst 1918 der entscheidende Schlag gegen Bulgarien und Österreich-Ungarn geführt werden).

 

 

 

Ein paar Jahre Pause zur Gewinnung frischer Jahrgänge für die Türkei, die Stati- onierung deutscher Truppen und Lieferung von Waffen vorausgesetzt, wäre 1916, vielleicht auch erst 1917 ein Zangenangriff der Mittelmächte und ihrer Verbün- deten um das Schwarze Meer herum denkbar gewesen. Die nach mehreren Jah- ren verlustreichem Krieg innerlich zerrüttete russische Position (infolge der Sper- rung der Dardanellen, der unfertigen persischen und der spät fertigen Murmansk- bahn waren westliche Waffenlieferungen an Russland nicht möglich) wäre wohl zusammengebrochen.

 

Richtig vorbereitet und ausgeführt hätte der Angriff auf den Suezkanal eine der interessantesten Operationen auf Seiten der Mittelmächte werden können (immer vorausgesetzt, man brächte die immmensen logistischen Probleme in den Griff). Nach einer Invasion Ägyptens von Osten her wäre auch ein weiteres Vordringen in Afrika möglich gewesen und so eine Variante des "Murawiew-Plans" von 1898, nun nicht mit Russland und gegen die Türkei, sondern mit der Türkei und gegen Russland. Die Verbände des äthiopischen Thronprätendenten Jesus V., der mit den Mittelmächten sympathisierte, und die deutsche Schutztruppe in Ostafrika, die sich bis Kriegsende dort hielt (alle anderen deutschen Kolonien mussten, er- wartungsgemäß in ihrer isolierten Position, mehr oder weniger schnell kapitulie- ren) hätten wertvolle Verstärkung auf dem Weg nach Südafrika ergeben können, wo sich 1914 die Buren wieder erhoben hatten (diese hätten auch besser abge- wartet, bis überlegene Einheiten der Mittelmächte am Rande ihres Gebiets er- scheinen). Gewiss eine utopische Möglichkeit, aber man führte ja immerhin einen "Welt"-Krieg, und dieser Utopie widerspricht eher die traditionelle deutsche militä- rische Engstirnigkeit als die tatsächlichen Möglichkeiten. Insbesondere nach einer russischen Niederlage wäre durch die Gewinnung weiter Teile Afrikas eine weite- re erhebliche Schwächung der Ententeposition möglich gewesen.

 

 

An dieser Stelle sei auch einmal auf ein Versäumnis der alliierten Seite hingewie- sen. Anstelle des sinnlosen und verlustreichen Gallipoli-Unternehmens (zu dem geplanten Zangenangriff auf die Meerengen kam es <Begründung eingefügt 11.05.2018> nicht, weil es der russischen Schwarzmeerflotte für eine eigenständige Aktion gegen den Bosporus an Reichweite fehlte, das Gallipoli-Unternehmen sortiert sich in die lange Reihe der Abwehrerfolge der Mittelmächte, auch die Kriegseintritte Italiens und Rumäniens brachten der Entente, unter dem Strich, nichts) hätte man eine Landung unter Nutzung Zyperns an der nördlichen Levanteküste ins Auge fassen können. Gemeinsam mit einem russischen Großangriff Richtung Südosten und einem koordinierten Aufstand der Armenier (diese stellten sich, wie zu erwarten, auf die Seite der Entente und waren somit Kriegspartei, ihre Verfolgung durch die Türken besitzt daher nicht denselben Stel- lenwert wie die Vernichtung der Juden durch Deutschland im Zweiten Weltkrieg, die Armenier begingen ihrerseits Massaker) hätte man die ganze türkische Front in kürzester Zeit zum Einsturz bringen und in der Folge die Position der Mittelmächte von Südosten her ausheben können.

 

Was gar keinen Sinn machte, war die Aufwiegelung der islamischen Welt durch deutsche Agenten. Nicht nur waren eingeborene Truppen dem Gegner militärisch nicht gewachsen (die arabischen Hilfstruppen am Suezkanal liefen davon, die libyschen Senussi, die die Italiener in deren Küstenstützpunkte scheuchen konnten, wurden von überlegenen britischen Einheiten mit Maschinenwaffen gnadenlos niedergemäht, um nur zwei Beispiele zu nennen), die Ausrufung des "Islamischen Heiligen Krieges" (wobei es den Moslems nicht leicht zu erklären war, warum die einen Christen Feinde, die anderen aber Verbündete sein sollten) hat Folgen bis heute. Abgesehen davon schadete die Behandlung Eingeborener als gleichrangige Verbündete mindestens vom damaligen Standpunkt aus der imperialistischen Auffassung. Eingeborene Verbände hätten nur, unter absolutem Verzicht auf religiöse Aspekte, den eigenen, überlegen gestalteten Vormarsch großer Einheiten der Mittelmächte in überaus zurückhaltendem Maße flankieren können.

 

 

 

 

Die Möglichkeit, die sich im Kriegsjahr 1916 ergab, lag in Italien. Die österreich- isch-ungarische Offensive im Trentino war zunächst gut vorangekommen, und es hätte nicht viel zum Durchbruch in die Po-Ebene gefehlt, als sie wegen der im Südabschnitt der Ostfront auf Bitten der Italiener vorzeitig angelaufenen zweiten Phase der russischen Brussilow-Offensive abgebrochen werden musste. Hätte man sich deutscherseits den ultrablutigen Unsinn von Verdun gespart und statt- dessen die dort verheizten Truppen im Osten eingesetzt, hätte man den Italienern eine empfindliche Niederlage bereiten können, was auch auf die französische Kriegführung erhebliche Rückwirkungen gehabt hätte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bei aller Angespanntheit der Kräfte sah die Lage der Mittelmächte Ende 1916 überraschend gut aus, hält man sich die Stärkeverhältnisse vom Kriegsbeginn und die anhaltende britische Seeblockade vor Augen. "Verdun" hatte zwar nichts gebracht, aber, sieht man von der ungeheuren Zahl an Opfern ab, auch "nichts gemacht". Rumänien zahlte den Preis für seinen Kriegseintritt, es war zum grö- ßeren Teil besetzt worden, und die Ölfelder von Ploiesti gerieten unter die Kontrol- le der Mittelmächte. Bei Kut-el-Amara in Mesopotamien hatten die Türken, die 1916 ihrerseits gegenüber den Russen weitere Gebietsverluste hinnehmen muss- ten, den Briten nach Gallipoli die zweite, empfindliche Niederlage zugefügt. Die Hauptfronten im Westen, Osten und Süden waren so gut wie stabil geblieben. Der britische Kriegsminister Kitchener war mit einem Panzerkreuzer auf den Grund des Ozeans gesunken. Und in Russland zeigte die Herrschaft des Zaren erste Auflösungserscheinungen, nachdem es seinem autokratischen System nicht ge- lungen war, das rückständige Land auf die immer totalere Kriegführung ein- zustellen.

 

Die deutsche Führung weigerte sich allerdings beharrlich, die günstige Situation auszunutzen, auch im Westen. Im Mai 1917 kam es im französischen Heer zu ausgedehnten Meutereien. Diese waren, wie Gerd Krumeich im entsprechenden Wikipedia-Eintrag zititert wird, der deutschen Seite bekannt. Sie wollte aber den Umstand nicht für einen Angriff nutzen, "weil sie eine "Ansteckung", ein Übergrei- fen der Meutereien auf deutsche Truppen" befürchtete. Auch nach bald drei Jahren tapferen Kampfes, von gelegentlichen Ausfallerscheinungen, wie sie in je- der Armee vorkommen, und ab und zu Verbrüderungen mit dem Gegner abgese- hen, hatte der deutsche Soldat nicht das Vertrauen seiner Führung gewonnen.

 

Ebensowenig machte man sich das Chaos der Februarrevolution 1917 in Russ- land, die zum Rücktritt des Zaren führte, und der Zeit danach zunutze. Stattdes- sen versuchte man, mit der neuen bürgerlichen Regierung in Verhandlungskon- takt zu kommen, und sie gleichzeitig durch Unterstützung revolutionärer Umtriebe, wie denen Lenins, in Schwierigkeiten zu bringen. Die Provisorische Regierung in Russland selbst rechnete sich offensichtlich noch immer Chancen aus, zu einem für Russland vorteilhaften Kriegsende zu kommen, und ordnete eine neue Offen- sive unter General Brussilow an. Sie war aber ihrerseits nicht in der Lage, das Land zu stabilisieren. Fast erwartungsgemäß scheiterte auch der Angriff Brussi- lows. Nach General Hoffmann wäre es durchaus möglich gewesen, [wegen der innerrussichen Auseinandersetzungen des Spätsommers 1917] mit deutschen Truppen bis St. Petersburg durchzumarschieren. Es unterblieb.

 

Stattdessen musste die Ostfront Truppen für den Westen und Italien abgeben. Blieb man im Osten defensiv, hätte man für Italien sogar noch mehr Truppen abgeben und die im Ansatz erfolgreiche Operation vom Mai 1916 wiederholen können. Mit dem, was man hatte, blieb nur der begrenzte Erfolg der 12. Isonzo- schlacht vom Oktober/November 1917. Dadurch erzielte man in Venetien zwar einen erheblichen Geländegewinn, ein den Krieg gegen Italien entscheidender Sieg blieb aber aus.

 

Die Möglichkeit eines "Erfolgs zur See", etwa durch den U-Boot-Krieg, verneine ich. Der U-Boot-Krieg ist eine maritime Form des Klein- oder Partisanenkriegs, mit der man zwar den Gegner schwächen kann, ihm aber das "Feld", d.h. hier die Meersoberfläche, überlassen muss. Die Schlachtflotte war dazu verurteilt, die vor- hergesehene "traurige Rolle" zu spielen, da änderte der taktische Sieg vom Ska- gerrak überhaupt nichts. Die zunächst großen Erfolge der deutschen U-Boote lie- ßen sich mit simplen Gegenmaßnahmen (Bewaffnung der Handelsschiffe, Konvoi-

system) eindämmen. Auch noch mehr U-Boote hätten da, vermute ich, wenig ge- bracht. Nur eine Zusammenarbeit des U-Boots mit dem Flugzeug hätte diese Lage ändern können. Dem Flugzeug des Ersten Weltkriegs mangelte es aber dazu noch an Leistungsfähigkeit.

Kurzer Verweis auf die Kriegsereignisse zur Herstellung des Zusammenhangs. Auf die Kriegsereignisse zum Ersten, wie später zum Zweiten Weltkrieg, wird nur insofern eingegang- en, als sie für die Argumentation hier wesentlich sind.

 

 

 

 

 

 

 

Diese Überlegungen basieren auf denen von General Max Hoffmann, "Krieg der versäumten Gelegenheiten", Literaturangabe s. Kapitel 1, dort bereits als "eigentlicher Koordinator der Mittelmächte-Kriegführung im Osten" bezeich- net. Hoffmann spielt aber tatsächlich nur auf taktische Erfolge an. Strategisch hielt er Russ- land, laut seinem Wikipedia-Eintrag, nicht für besiegbar: "Vollständig niederzuwerfen ist das russische Heer nicht, das könnten wir nur, wenn

wir eben nur mit Rußland allein Krieg führten."

Da sich die Gelegenheit aber 1918 tatsächlich ergab, halte ich die Spekulation auf einen frühe- ren russischen Zusammenbruch, siehe Kapitel 1, nicht für komplett unrealistisch. Diese bot m.e. die einzige geostrategische Siegmöglich- keit, die Umsetzung wäre aber dennoch hoch riskant gewesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hierzu Hoffmann S. 75ff. In Wikipedia zur Schlacht bei Lodz findet sich eine Karte, die die Beinahe-Einschließung der russischen Truppen gut wiedergibt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoffmann, ca. S. 110, auf dieser Seite auch ne- gative Stellungnahme zu Falkenhayn. "Großer Rückzug" so bei Wikipedia, dort auch Stellung-

nahme zu Falkenhayns Motivation: "Ihm wider- strebte der Gedanke, weit in das Territorium des Zarenreichs einzudringen; vielmehr bevorzugte er den Gedanken, Russland durch eine Abnutz- ungsoffensive zu einem Separatfrieden zu be- wegen."

 

 

 

Zur Geringschätzung des östlichen Kriegs- schauplatzes Gerhard P. Groß, Mythos und Wirklichkeit, Literaturangabe in "Russlands Expansivität" im ersten Teil, S. 109/128.

 

 

 

 

Niederlage der Türken gegen die Russen bei Sarıkamış s. Wikipedia, gegen die Briten am Suezkanal siehe McMeekin, The Berlin-Bagh- dad-Express, Literaturangabe s. "1890 - 1897" im ersten Teil, S. 176ff. Zur Schlacht am Suez- kanal gibt es keinen deutschen, aber einen aus- führlichen englischen Wikipedia-Eintrag ("Raid on the Suez Canal").

 

 

Persönliche Überlegungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoffmann zu Falkenhayn S. 125f/231f. Eine sehr ausführliche, zeitgenössische Darstellung der Kriegsereignisse bietet diese Digitalisierung der oberösterreichischen Landesbibliothek:

http://digi.landesbibliothek.at/viewer/toc/AC01858814/0/LOG_0000/.

Als Browser wird hierfür Mozilla Firefox empfoh- len. Für den Hinweis auf die Digitalisierung dan- ke ich Herrn Dr. Frank Buchholz.

 

 

Spekulativ.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ebenso. McMeekin meint, die Türken hätten sich

einer stärkeren deutschen Truppenpräsenz ver- weigert (S. 260).

 

 

Zum "Murawiew-Plan" s. Unterkapitel "1898 - 1907" im ersten Teil.

 

Zu Iyasu (Jesus) V. existiert ein Wikipedia-Ein- trag. General Lettow-Vorbeck und seine ver- bliebenen, hauptsächlich eingeborenen Solda- ten ergaben sich bekanntlich erst am 25.11.

1918.

Burischer Aufstand 1914 bei Hew Strachan in "Der Schlieffenplan", Literaturangabe s. zwei- tes Kapitel zu diesem Teil, S. 283.

 

 

 

 

 

 

 

 

Planung eines britisch-russischen Zangenan-

griffs auf die Meerengen s. "Wormer" in "Weiter-

führende Literatur", Teil 1.

Reichweitenproblem der russischen Schwarz-

meerflotte in Harald Fiedler, Die Krisen der Mit- telmächte im Frühjahr 1915, Diplomarbeit, Uni- versität Wien 2010, S. 148f.

 

Entsprechende Überlegungen gab es (McMee- kin, S. 249), eine derartige Landung konnte aber nicht parallel zum Gallipoli-Unternehmen durch- geführt werden. Die Russen hätten Kräfte frei- machen müssen, waren aber komplett in Euro- pa gebunden (ds., S. 245). Armenischer Eingriff in den Krieg ds., S. 246, dort u. f. von Armeniern verübtes Massaker in der Stadt Van.

 

Spekulativ.

 

 

Damit beschäftigt sich McMeekin in seinem Werk durchgehend.

Zum Suezkanal s.o., Sieg der Senussi gegen die Italiener S. 266, Niederlage gegen die Briten S. 273.

 

 

Ds., insbesondere S. 123ff.

 

Ds. S. 360ff, mit dem Hinweis auf Mufti al Hus- seini, der ab 1920 zum Jihad aufrief und über Jahre Morde an hunderten Juden zu verantwor- ten hatte, im Zweiten Weltkrieg mit Hitler koope- rierte und als Verwandter Yassir Arafats das Bindeglied zwischen historischem und moder- nem arabisch-islamischem Gewaltkurs darstellt.

Zum Schluss eigene Überlegungen, gestützt auf McMeekin, S. 287: "What mattered was su- perior force in theatre, pure and simple. This was [and is] the true lingua franca of the Islamic world,... ".

 

Hoffmann zur Trentino-Offensive S. 138, zu de- ren Abbruch wegen der Brussilow-Offensive S. 141f, zu den strategischen Implikationen Italien betreffend S. 132f.

Mit der "Blutmühle" von Verdun, für die wieder Falkenhayn verantwortlich zeichnete und der nach der Niederlage alsbald durch Hindenburg und Ludendorff abgelöst wurde (Groß, S. 133f) und wo nicht einmal, so Hoffmann auf S. 132, ein Zangenangriff von beiden Maasufern aus zu Stande kam (der Kartenbetrachter wundert sich,

warum nicht unter Ausnutzung des Frontvor- sprungs von St. Mihiel eine großräumigere Ope-

ration zur gesamten Einschließung Verduns durchgeführt wurde) muss sich hier nicht weiter beschäftigt werden. Durch die Brussilow-Offen-

sive des Jahres 1916 erzielten die Russen noch

einmal, zum letzten Mal in diesem Krieg, einen großen Geländegewinn. Hoffmann meint (S. 140), ein geplanter deutscher Angriff bei Riga hätte die Brussilow-Offensive unterbunden.

 

"Verdun" sollte der letzte große, ohne wesent- liche fremde Hilfe errungene militärische Erfolg Frankreichs bis auf den heutigen Tag bleiben.

 

 

Die Förderanlagen waren zunächst, wie könnte es anders sein, nach dieser Webseite: http:// www.wabweb.net/history/oel/rumaenien.htm

auf britische Initiative hin zerstört worden. Nach dieser Webseite, die in suboptimalem Deutsch den Verlauf der Auseinandersetzungen wieder- gibt: http://destobesser.com/article/campaign-rumnien, konnten die deutschen Besatzer sie aber wieder in Betrieb nehmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

S. dort.

 

 

 

 

 

 

 

 

Hoffmann, S. 168.

 

 

 

 

 

In Wikipedia "Kerenski-Offensive", nach dem russischen Kriegsminister und späterem Re- gierungschef.

 

Hoffmann, S. 182f.

 

 

 

Ds., S. 185.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ausspruch des Admirals von Heeringen in Neit- zel, Blut und Eisen, Literaturangabe s. "Mang- elnde Vorbereitung", S. 118.

 

Hoffmanns Überlegung als Heeresgeneral, der die U-Boote erst zurückgehalten hätte, um sie dann in großer Zahl zu einem entscheidenden Schlag zusammenzufassen (S. 152), ist zu tak- tisch und zu wenig strategisch ausgerichtet. Diese Art Krieg ist immer ein Abnutzungskrieg, der nicht mit einer großen, aber zeitlich begrenz-

ten Aktion entschieden werden kann.