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© Holger Bergmann 2015 - 2018

Die Dämonisierungsstrategien Antisemitismus und Antigermanismus

Deutungsversuche von Katastrophen und anderen Unglücken können grundsätz- lich in zwei Richtungen verfahren. Entweder sucht man nach den tatsächlichen Ursachen bzw. den wahren Schuldigen. Oder man macht irgend jemand Unbeliebtes verantwortlich, sehr häufig soziale Außenseiter. Seit alters her müssen die Juden, die sich als einzige Volksgruppe etwa im Frankenreich erfolgreich der Christianisierung widersetzten, für alles mögliche herhalten.

 

Für die Katastrophen des frühen 20. Jahrhunderts galt nichts anderes. Da Dumm- heit und Ressentiment bekanntlich auf dem selben Holz wachsen, nimmt es nicht wunder, dass der Antisemitismus fest zum Repertoir des Nationalsozialismus und seiner Vorgängerströmungen gehörte, wie wir bereits im zweiten Kapitel dieses Teils gesehen haben. Deutschland brauchte für antisemitische Tendenzen sicher keinerlei Nachhilfe, erhielt sie aber dennoch. Zwar können hier unmöglich alle in- nereuropäischen Verflechtungen des Antisemitismus verfolgt werden, eine Verbin- dung fällt aber besonders auf.

 

 

 

 

 

 

 

Seit dem späten 18. Jahrhundert kam es im Russischen Reich immer wieder zu Verfolgungswellen gegen die dortige jüdische Bevölkerung. Verfolgte Juden strömten nach Westen, um dort Schutz zu suchen. Man kann davon ausgehen, dass auf deutschem Boden Deutungsversuche dieses Phänomens, und nachdem eine Informationsgesellschaft nicht bestand, solche der zweiten Richtung, unter- nommen wurden. Vertreter der deutschen Gegenaufklärung unterhielten Bezieh- ungen in die baltische Region, die im Zuge des Nordischen Krieges in das russi- sche Reich einverleibt worden war, Johann Gottfried Herder etwa hatte eine Zeit lang in Riga gewirkt. Vom (orthodoxen) Russland war dieser deutsche Protestant ziemlich angetan.

 

 

 

 

Mit dem vorhandenen Quellenmaterial kann eine direkte Verantwortung der russ- isch-orthodoxen Kirche für die antisemitischen Ausschreitungen in Russland nicht nachgewiesen werden, mann kann aber indirekt darauf schließen. Verfolgungs- wellen gegen russische Juden und anschließende Ausreisewellen setzten sich jedenfalls im 19. Jahrhundert fort. Nicht zuletzt nimmt die wohl wichtigste antise- mitische Hetzschrift der neueren Zeit, die "Protokolle der Weisen von Zion", ihren Ausgang in Zusammenhang mit "Wahrsagungen" über das Erscheinen des "An- tichristen", der (selbstverständlich) jüdischer Abstammung ist, im Umfeld der russ- sich-orthodoxen Kirche. Nachweisbar ist jedenfalls die Beeinflussung Adolf Hitlers (der u. U. nie wirklich Antisemit war, sondern den Antisemitismus nur zur Vernich- tung Deutschlands benutzte) mit Hilfe dieser Schrift über den aus dem Baltikum stammenden Alfred Rosenberg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

So nimmt es nicht wunder, dass infolge eines derartigen "geistigen" Klimas in Russland "die Juden" auch für den Ausgang des russisch-japanischen Krieges, für den sie nun überhaupt nichts konnten (die tatsächliche Entwicklung wurde im ersten Teil dieser Arbeit in vielen Einzelheiten ausgebreitet), verantwortlich ge- macht wurden, was in neuen Pogromen und einer neuen Ausreisewelle resultier- te. Als in Deutschland die Schwierigkeiten, den Ersten Weltkrieg zu gewinnen, ein schier unüberwindliches Ausmaß annahmen, nahm auch hier das Misstrauen ge- genüber vermeintlich Schuldigen an der Misere, bei denen es sich "ja nur um die Juden" handeln konnte, ganz wesentlich zu.

 

 

 

 

Den letzten und ganz wesentlichen Schub erhielt der deutsche Antisemitismus dann im Zuge des russischen Bürgerkriegs, und zwar weniger in Folge des rela- tiv hohen Anteils jüdischstämmiger Funktionäre an den revolutionären Bewegung- en sowohl in Russland als auch in Deutschland, sondern gerade durch die Wir- kung des antisemitischen Vorwurfs, der die weißgardistische Seite im Bürgerkrieg zu den folgenreichsten Ausschreitungen gegen Juden vor dem Holocaust veran- lasste. Eine neue und massive Ausreisewelle russischer Juden in Richtung West- europa, und damit Deutschland, war das Ergebnis, ebenso wiederholten sich die ressentimentbehafteten Deutungsversuche und feuerten den ohnehin durch die Fehlinterpretation der Kriegsereignisse verstärkten deutschen Antisemitismus noch zusätzlich an. Nazisystem und Naziideologie waren also nicht Ursache, sondern (unter anderem) Folge eines im Ausmaß heute kaum noch vorstellbaren antisemitischen Klimas.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Problem mit all diesen Ressentiments, und der Grund für die intensive Be- schäftigung hier damit ist, dass, wenn man die Falschen anschuldigt, man die wahren Schuldigen nicht erkennen kann, und die, im Gegensatz zu den verfemten Außenseitern, einem selbst unter Umständen näher stehen, als einem lieb ist. Bei wem es sich um die wahren Schuldigen für die historische Entwicklung handelt, wurde im ersten und dritten Teil behandelt, auch der Untertitel dieser Arbeit be- zieht sich darauf. Und in der ersten Hälfte der 30er Jahre legten diese Kreise die selbe alte Platte wieder auf.

 

Um 1934 war es klar, dass Hitlers Regime nicht von kurzer Dauer zu sein brauch- te. Stalin hatte, nach Diadochenkämpfen, zu dieser Zeit sein Reich bereits so fest im Griff, dass er sich eine intensive Säuberungswelle leisten konnte. Der mit dem Ersten Weltkrieg durch die Angelsachsen erstrebte und erzielte Effekt, Russland und Deutschland als Großmächte von der Bildfläche verschwinden zu lassen, verflüchtigte sich nach und nach. Da sich beide Länder zu neuer Macht erhoben, fing in maßgeblichen angelsächsischen Kreisen die Zwangsvorstellung, beide Länder könnten sich, ungeachtet aller ideologischen Gegensätze zwischen Kom- munismus und Nationalsozialismus, miteinander vereinen, wieder zu kursieren an. Die altbekannte "Chimäre" erstand aufs Neue und zog das Unheil eines neuen Weltkriegs nach sich.

 

Denn das Mittel, um die Vereinigung der beiden alten und nun neuen Mächte zu verhindern, war dasselbe, nämlich sie gegeneinander in den Krieg zu treiben. Nur war auch dieses Mal der Krieg nicht so einfach zu bekommen. Trotz Hitlers Agrar- raumvorstellungen im Osten war Deutschland zunächst viel zu schwach und vor allem zu isoliert, um einen neuen Krieg vom Zaun zu brechen. Um zum Krieg zu kommen, musste man also, wie etwa 40 Jahre zuvor, zunächst eine passende Entwicklung in Gang setzen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Es waren dabei dieselben Kräfte, die wie anfangs des 20. Jahrhunderts Europa zielsicher in den Ersten Weltkrieg steuerten, welche nun in Gestalt ihrer personel- len Nachfolger wieder aktiv wurden. Im britischen Foreign Office saß der Staats- sekretär Robert Vansittart. Er war ein Schüler Eyre Crowes gewesen. Seinem Namen nach mussten seine Vorfahren wie der zum Teil deutschstämmige Eyre Crowe zumindest in männlicher Abstammungslinie vom Kontinent gekommen sein. Wie Eyre Crowe kannte Vansittart Deutschland aus eigener Anschauung, und hasste es. Am anderen Ufer des Atlantiks war der kriegswütige Marinestaats- sekretär des Ersten Weltkriegs, Franklin D. Roosevelt, inzwischen Präsident ge- worden. Im Gegensatz zu seinen überwiegend isolationistischen und selbstbezo- genen Landsleuten verfolgte er die Entwicklung in Europa wachen Auges - und, wie wir noch sehen werden, mit einer deutlichen Sympathie für seinen späteren "Kriegskameraden" Josef Stalin.

 

Der von Vansittart und Konsorten imaginierte Feind war dabei nicht Hitlers Natio- nalsozialismus, ganz im Gegenteil erschien ihnen Hitler mit seinem Antikommu- nismus als der angenehmere deutsche Gegenpart, da von den Nazis ein Zusam- mengehen mit der Sowjetunion weniger zu erwarten war. Nein, sie waren nicht auf die neue deutsche Entwicklung fixiert, sondern auf ihr traditionelles Deutsch- landbild, den preußischen oder preußisch dominierten Junker- und Militärstaat. Nachdem diese Kreise die einzigen waren, die Hitlers Herrschaft noch gefährlich werden konnten (und zu zwei Gelegenheiten wurden), muss man es im Nachhi- nein als klar anererkennen, dass sie von britischer (und damit angelsächsicher) Seite nichts zu erwarten hatten (die Zeitgenossen machten sich immer wieder vergebliche Hoffnung in diese Richtung, wie wir noch sehen werden).

 

Unter der Adresse seiner gesellschaftlich immer noch führenden Kaste war es also Deutschland insgesamt, das erneut ins Fadenkreuz seiner Feinde geriet, deren Haltung man durchaus Antigermanismus (oder Germanophobie) nennen darf, und von der Anbahnung eines antinazistischen Kreuzzugs konnte überhaupt keine Rede sein. Man muss vor allem auch einmal anerkennen, dass ca. 1934 Deutschland überhaupt noch nichts "gemacht" hatte, wobei für die Sowjetunion etwa dasselbe gilt. Die Kommunisten hatten zwar in Mittelasien und im Kaukasus in etwa sich das alte zaristisch beherrschte Gebiet wieder einverleibt (wobei sie der Türkei territoriale Zugeständnisse gemacht hatten). Niemand konstatierte aber eine neue Bedrohung Indiens oder der Meerengen. Kommunistische Parolen von der "Weltrevolution" waren, ebenso antikommunistische mit der Warnung vor ihr, eben nichts als Parolen.

 

Nein, es ging einfach nur um die Machtentwicklung der beiden Länder und ihre theoretisch mögliche Verbindung, in der die Angelsachsen die einzig denkbare wirkliche Bedrohung ihrer dominierenden Position sahen, die "gute alte Chimäre", wie ehedem. Und es ging um das probate Mittel dagegen, einen neuen Weltkrieg, in dessen Folge der Antisemitismus in Form des Holocaust zu "höchster Blüte" "empor-" stieg. Denn die als "Appeasement" bekannte britische Politik der zweiten Hälfte der 30er Jahre war, wie wir noch sehen werden, kein Mittel, um den Frie- den zu wahren, sondern um auf geradezu "albion-perfide" Weise den Krieg her- beizuführen. Während die zugrunde liegende Strategie dieselbe war, wurde aber situationsbedingt die Taktik geändert. Der damals "richtige" Weg, Deutschland (und Österreich-Ungarn) einzukreisen, erwies sich nun im Lichte der neuen-alten Zielsezung nicht mehr als angemessen, die Siegermächte des Ersten Weltkriegs hätten, auch noch in den 30er Jahren, Deutschland durch gemeinsame Abstim- mung untereinander weiter niederhalten und so den Zweiten Weltkrieg ohne wei- teres verhindern können. Stattdessen "musste" man, um zum Krieg zu kommen, dem isolierten Deutschland erst einmal Verbündete zutreiben. Und der verrückte Hitler würde seinen Teil zum Erfolg der angelsächsischen Sache beitragen, auf Kosten von Deutschen und Juden als prominenteste Massenopfer.

 

 

 

In diesem Kapitel geht es einerseits um die Res-

sentimentbehaftung der in die Niederlage des Zweiten Weltkriegs führenden deutschen Dummheit einerseits, andererseits um die Un- terlegung von britischen Ressentiments als Hilfsmittel in einen neuen Krieg führender Intri- gen.

 

 

Aus Platzgründen werden zwei unten zitierte Werke hier angeführt: Judenbilder. Kulturge- schichte antijüdischer Mythen und Vorurteile, von Stefan Rohrbacher und Michael Schmidt, Ro- wohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbek 1991, sowie Michael Hagemeister: Trilogie der Apokalypse. Vladimir Solov'ev, Serafim von Sa- rov und Sergej Nilus über das Kommen des An- tichrist und das Ende der Weltgeschichte, in An- tichrist. Konstruktionen von Feindbildern, he- rausgegeben von Wolfram Brandes und Felici- tas Schmieder, Akademie Verlag GmbH, Berlin 2010. Diese Schriften (im zweiten Fall die an- deren Beiträge des Sammelwerks) zeichnen ein

erschreckendes Bild des über Jahrhunderte grassierenden Antisemitismus mit Auswirkung- en bis in die heutige Zeit.

 

 

Wikipedia zum Antisemitismus bis 1945 (i. F. [W]) Anm. 8.

 

 

 

 

 

 

"...im Gegensatz zu seinen Landsleuten mochte

er [Herder] Russland und die Ukraine." (Stern- hell, Literaturhinweis s. zweites Kapitel dieses Teils, liefert uns auf S. 88 wenigstens diese Ein-

schätzung (eigene Übersetzung des englischen Originals)). Ein antisemitisches Zitat Herders findet sich bei [W], Anm. 18.

 

Das Einzige, was man ohne Zitatbasis konsta- tieren kann, ist das geistige Klima in Russland und die besondere Verantwortung der maßgeb- lichen geistigen Institution des Landes, der or- thodoxen Kirche, die nicht anders als besonders

ablehnend der Aufklärung gegenüberstehen konnte. Die Genese der "Protokolle" ist aller- dings eher französisch als russisch, es handelt sich sowohl bei ihnen um eine Fälschung (Rohr-

bacher und Schmidt S. 202ff, insbes. S. 210) als

auch sehr wahrscheinlich um eine solche bei den "Weissagungen" des Serafim von Sarov. Letztere stammt vermutlich von dem russischen

Schriftsteller Sergej Nilus (Hagemeister S. 273), der vor allem für die Verbreitung der "Protokolle" bekannt ist. Die verheerende Wirkung dieser "Machwerke" (ds. in Bezug auf Serafim. S. 268) ist dabei ihrerseits wieder eine Verfälschung, da der Endzustand laut den "Protokollen" eine tota- litäre Verdummungsdiktatur und damit nicht die übelste aller Perspektiven darstellt (ds., S. 258), die anderen Schriften am Ende von Bekehrung und Erlösung der Juden handeln (ds., S. 268ff). Zu Rosenberg beispielsweise Rohrbacher und Schmidt, S. 214.

 

Etwa durch einen "ungenannten russischen Offiziellen" gegenüber dem amerikanischen Botschafter in St. Petersburg George von Leng- erke Meyer S. 506 in Norman E. Saul, The Kit- tery Peace, dieses in The Russo-Japanese War

in Global Perspective, Brill, Leiden/Boston 2005 (trotz seines Umfangs gibt das Werk für die Zwecke dieser Arbeit wenig her, deshalb kein Zitat daraus im ersten Teil). Meyer fügte hinzu, "der Russe beschuldigt immer andere [genau das ist das Problem!] und lernt nie aus Erfah- rung."

Ausreisewelle von Juden 1905 in Wikipedia zu Juden in Osteuropa., sonst [W] Abschnitt 4.7.

 

 

Hierzu Wikipedia zum so genannten "Jüdischen Bolschewismus".

 

[Liest man über einen Link in [W] die Worte des jüdischen Autors Saul Ascher: "Man muß die Menge, um auch sie für eine Ansicht oder Lehre einzunehmen, zu begeistern suchen; um das Feuer der Begeisterung zu erhalten, muß Brennstoff gesammelt werden, und in dem Häuflein Juden wollten unsere Germanomanen das erste Bündel Reiser zur Verbreitung der Flamme des Fanatismus hinlegen", wähnt man die Nazis bereits über 100 Jahre früher am Werk. Die Reaktion war eine Bücherverbren- nung, auf die Heinrich Heine dann mit den be- rühmten Worten "...wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen" rea- giert. Einschlägig in [W] sind unter vielen an- deren Zitaten die Worte des zum Antisemiten konvertierten deutschen Exkaisers Wilhelm II., denen McMeekin (Literaturhinweis Unterkapitel "1890 - 1897" zum 4. Kapitel im 1. Teil) be- scheinigt, Hitler hätte es auch nicht "besser" ausdrücken können (S. 358, mit seinen letzten Sätzen stempelt McMeekin Wilhelm zum Idioten,

S. 366)].

 

<Nachtrag 21.02.2017>: Insbesondere von rechtsradikaler Seite werden häufig "Juden und Freimaurer" als Schuldige verortet. Aus dem hier Vorliegenden ergibt sich die absolute Unter- repräsentierung jüdischstämmiger Politiker an den Ereignissen, "die Juden", betrachtet man die Bevölkerungsgruppe, haben damit gar nichts

zu tun. Ob die hier benannten tatsächlich Ver- antwortlichen irgendwelchen Freimauererlogen angehörten, ist ohne Bedeutung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Neue Furcht vor einer deutsch-russischen Ver- bindung im Foreign Office Rauh (Literaturhin- weis S. Einleitung) Bd. I S. 334.

 

Diese meine persönliche Einschätzung fand Bestätigung an unerwarteter Stelle. Zur Beurtei- lung der Persönlichkeit Hitlers kann man auch das Werk "Anatomie der menschlichen Des- truktivität" des Psychologen und Philosophen Erich Fromm zu Rate ziehen (Rowohlt Taschen-

buch Verlag GmbH, Reinbek 1997), das aller- dings für die hier verfolgten Zwecke zu weit führt. Auf S. 481f bezieht sich Fromm auf die britische Politik der Vorkriegszeit. Danach be- stand (S. 482, Anm. 55) seitens der britischen Konservativen die "...Bereitschaft, Hitler die Sowjetunion angreifen zu lassen."

<Nachtrag 19.02.2017>: Aus der von Fromm zitierten Quelle, den Tagebüchern von Vansit- tarts Nachfolger im Amt Cadogan (The Diaries of Sir Alexander Cadogan, herausgegeben von David Dilks, Putnam, New York 1972), erschließt

sich Fromms Schlussfolgerung nicht. Eine Be- merkung zum Thema erfolgt im ersten Kapitel des fünften Teils.

<Nachtrag 21.02.2017>: Tatsächlich liefert Rauh

(Bd. II S. 36) ein hier verwendbares Zitat des langjährigen konservativen britischen Premier- ministers Stanley Baldwin. Hierzu wird auf das zweite Kapitel des fünften Teils verwiesen.

 

 

 

 

Persönliches Verhältnis zwischen Eyre Crowe und Vansittart siehe SPIEGEL Nr. 19/1958, S. 38ff.

 

 

 

 

 

Einschätzung Roosevelts, auf dessen Politik später noch im Detail eingegangen wird, siehe

4. Kapitel im 2. Teil.

 

 

 

Diverse britische, von Sachkenntnis weniger getrübte Einschätzungen der Art Nazideutsch- land sei, wegen der ideologischen Differenzen zur Sowjetunion, dem kaiserlichen vorzuziehen, oder der Röhm-Putsch hätte die alten Eliten gestärkt und Deutschland wäre im Begriff, zur Politik von vor 1914 zurückzukehren, Rauh, Bd. I S. 335. Persönliche Beschwörung der Chimä- renfurcht durch Vansittart ds., S. 335f.

 

Für die der breiten Öffentlichkeit kaum bekann- ten deutschen Friedensbemühungen im Zwei- ten Weltkrieg ist ein eigenes Kapitel vorgesehen.

 

 

Pikanterweise schrieb der jüdischstämmige Schriftsteller Robert Neumann über Vansittart eine Persiflage mit dem Titel "Die Protokolle der Weisen von Bonn" (Deutsche Wikipedia zu Van-

sittart).

 

Antisowjetische Ressentiments in Großbritan- nien Rauh, Bd. I S. 332f, mit Bezug auf Cado- gan.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Gegensatz zwischen den Appeasern, an prominentester Stelle Neville Chamberlain, und den Hardlinern wie Winston Churchill (ds., S. 333) und Vansittart ist dabei nur ein scheinbarer.

Mit iher Politik der direkten Konfrontation gegen Deutschland hätten eher die Hardliner den Frie- den bewahrt, aber nicht die imaginierte Bedro- hung beseitigt! Ablehnung einer neuen Einkrei- sungspolitik ds., S. 334.

 

Obwohl Rauh bis dahin die Motivation der bri- tischen Politik genau verstanden hat, entgeht ihm der wahre Charakter des Appeasements, auch er fällt auf den Anspruch des "friedlichen Ausgleichs mit Deutschland" herein (S. 333). Fast schon folgerichtig ist der genaue Weg zum Zweiten Weltkrieg seinem Werk nicht voll- ständig zu entnehmen.