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© Holger Bergmann 2015 - 2018

Das Scheitern vor Moskau

Der deutsch-sowjetische Krieg 1941 - 1945 gilt gemeinhin als das "Kernstück" des Zweiten Weltkriegs und als Inbegriff des verbrecherischen Eroberungskriegs, oder er wird von rechtsrevisionistischer Seite so in etwa als "heldenhafter Versuch der Rettung Europas vor dem Bolschewismus" bezeichnet. Heroisierungen brauchen wir innerhalb dieser Arbeit nicht weiter zu verfolgen, sie sind außerhalb des Mili- eus, in dem sie gepflegt werden, vollkommen unglaubwürdig. Dagegen sind Zwei- fel an der Figur des Eroberungskriegs eher ungewöhnlich, da man ja meint, sie mit Hitlers Vorstellungen aus "Mein Kampf" begründen zu können, worin man de- ren dortige Begrenztheit geflissentlich übersieht. Außerdem würde eine Eroberung der Sowjetunion durch Hitlers Truppen ja aus ideologischen und strategischen Gründen durchaus Sinn machen. Das Dumme an dieser Auffassung ist jedoch, dass das Nazitum keinen Sinn macht, und seine Handlungen ebenfalls sehr häufig einer sinnvollen Begründung entbehren.

 

 

Eingangsüberlegungen

 

Wenn man den Russlandfeldzug beurteilen will, politisch wie militärisch, muss man das Umfeld betrachten, innerhalb dessen er sich ereignet hat. Wir wissen, dass Hitler sich gern ein Stück aus der Sowjetunion herausgesäbelt hätte, das aber am liebsten mit westlicher Genehmigung. Der Sieg über Frankreich, verbun- den mit der unerwarteten Unbeugsamkeit Großbritanniens, hatte ihn in eine stra- tegische Sackgasse geführt. Um daraus in Form einer "fortgesetzten Mittelmeer- Strategie" herauszukommen, fehlten Hitler wie seiner Generalität der nötige Über- blick wie das Vertrauen zu den Hauptverbündeten Japan und Italien, denen das perspektivische Denken genauso abging. Diesen "circulus vitiosus" auch noch zu "quadrieren" versuchte Hitler, indem er die Sowjetunion angriff. Ein Sieg über die Sowjetunion würde die Angelsachsen friedensbereit machen, so spekulierte er. Was er dann mit der Sowjetunion anstellen wollte, spielte in seinem Entschluss zum Krieg gegen Stalins Reich keine Rolle. Das gilt genauso für die üblicherwei- se angeführten rasseideologischen Vorstellungen Hitlers. Nicht diese verursach- ten seinen Kriegsentschluss, sondern umgekehrt, der Kriegsentschluss ließ sie wieder aufleben, nachdem Hitler sich in seinem Pakt mit Stalin ja zu vorüber- gehenden Koexistenz mit der Sowjetunion bereit erklärt hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich bin mir im Übrigen absolut sicher, dass es im Fall eines britischen Friedens- schlusses vor Ende Juni 1941 nicht zum deutsch-sowjetischen Krieg, einschließ- lich aller Folgen wie der Durchführung der Judenvernichtung, gekommen wäre. In diesem Fall hätten Großbritannien und die USA eine Bestandsgarantie für die Sowjetunion abgeben und weiter rüsten können, die Zeit hätte weiter gegen Hitler gearbeitet. Einen Aggressionskrieg gegen die Sowjetunion aus einer Friedenssitu- ation heraus hätte er intern nicht motivieren können, außerdem wäre offenbar ge- worden, dass so ein Krieg sich nicht hätte begrenzen lassen. Da Hitler aber so keine weiteren Erfolge hätte erzielen können, seine Herrschaft aber von kontinu- ierlichen Erfolgen abhing, hätte sein Sturz bevorgestanden. So aber wäre ein deutscher Machtstaat im Zentrum Europas erhalten geblieben - mit der Möglich- keit eines Zusammengehens mit Russland, der Chimäre also.

 

 

Sowjetische Politik vor dem Ausbruch der Feindseligkeiten

 

Alternativ zu Hitlers Kriegsentschluss stand auch eine Einbindung der Sowjetuni- on in die antiwestliche Front der Achsenmächte in Form einer neuen "Kontinen- talblockkonzeption" zur Debatte. Stalin hatte sogar Bedingungen für den Beitritt der Sowjetunion zum Dreimächtepakt gestellt, was die grundsätzliche Möglichkeit dieser Vorgehensweise dokumentiert. Aber der Hitler-Stalin-Pakt war nicht die Chimäre, für die die Angelsachsen ihn gelegentlich gehalten haben mochten. "Ehrlich sei der Pakt nie gewesen; denn die Abgründe der Weltanschauung seien tief", so hatte Hitler geäußert. "Zwei einander - nicht nur prinzipiell, sondern auch wegen ihrer sich in Ostmitteleuropa kreuzenden Stoßrichtung - ausschließende machtpolitisch-ideologische "Kriegsziel"-Programme standen sich 1940/41 gegen- über", so Andreas Hillgruber, und das war dem Westen durchaus geläufig.

 

Der Grund, warum die Kontinentalblockkonzeption scheiterte, lag aber nicht an der grundsätzlichen Unvereinbarkeit bzw. Gegeneinanderrichtung der Systeme, sondern so schlicht wie ergreifend in der sowjetischen Politik. Bereits seit dem späten Frühjahr 1940 hatte die Sowjetunion eine ganze Reihe von Provokationen gegen Deutschland und seine Verbündeten unternommen. Programmatisch pass- te hierzu der Ausspruch von Außenminister Molotow, man wolle sich mit dem Er- reichten nicht zufrieden geben (die Sowjetunion hatte sich im Zuge des Hitler- Stalin-Pakts die baltischen Staaten einverleibt, Rumänien zur Abtretung Moldawi- ens und im "Winterkrieg" Finnland zur Aufgabe von Gebieten gezwungen). Be- rechtigte Forderungen hatte die Sowjetunion nicht anzumelden, die deutschen Siege von 1939/40 waren m.e. eher auf ihr Stillhalten als auf ihr Mittun infolge von Handels- und Transitlieferungen zurückzuführen, ein möglicher Vergleich mit der Situation 70 Jahre vorher geht schon daher fehl, als es 1940 im Gegensatz zu 1870 kein Österreich-Ungarn gab, das in Schach zu halten gewesen wäre, das konnte die Sowjetunion lediglich bei sich selbst praktizieren. Vielmehr hing die he- rausfordernde Haltung der Sowjetunion mit einer Neubewertung der Kriegslage durch Stalin infolge der britischen, von den USA gestützten Unnachgiebigkeit zu- sammen, ihre Fortsetzung im Spätherbst 1940 mit den militärischen Misserfolgen Deutschlands und Italiens gegen Großbritannien.

 

Bereits Ende Mai 1940 hatte sich die Sowjetunion gegen italienische Interessen in die Balkanpolitik eingemischt. Stalin meldete gegenüber Botschafter Cripps, ganz in zaristischer Tradition, im Gegensatz dazu aber mit defensiver Ausrichtung, wie- der Ansprüche auf die türkischen Meerengen an. Mit der Forderung zur Über- lassung der Nickelerzkonzession für die Gruben von Petsamo wurde Finnland un- ter Druck gesetzt. Sowjetische Truppen besetzten absprachewidrig einen litau- ischen Grenzstreifen, dieser hätte an Deutschland gehen sollen. Nach Verhand- lungen leistete die Sowjetunion eine finanzielle Entschädigung. Ebenso besetzten die Sowjets die zu Rumänien gehörenden Inseln im Chilia-Arm. Berühmt ist der Besuch Molotows in Berlin wegen der maßlosen Forderungen, die er (vergeblich) stellte. Man kann angesichts der Wirkung, die er verursachte, nur über die Motivation rätseln: ein bereits in einem aussichtslosen Krieg befindliches Deutschland einer Steuerung durch die Sowjetunion zum gemeinsamen Kampf gegen die angelsächsischen Mächte zu unterwerfen, oder Deutschland gegen die Sowjetunion in idiotisch-selbstgefährdender oder prowestlich-hinterhältiger Weise aufzubringen. In Ostasien kooperierte die Sowjetunion mit den chinesischen Nationalisten gegen Japan und erklärte ihre Politik mit der der USA "identisch"! Den sich abzeichnenden Einmarsch deutscher Truppen in Bulgarien angesichts der italienischen Schwierigkeiten an der Balkanfront bezeichnete die UdSSR als "Verletzung ihrer Sicherheitsinteressen". Die letzte Perle an dieser Kette stellte der Abschluss eines Freundschaftsvertrages mit der jugoslawischen Putsch- regierung dar, hatte sich der Putsch doch gegen den Beitritt des Landes zum Dreimächtepakt gerichtet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Aus den obigen Ausführungen lässt sich eine latent aggressive Haltung der Sow- jetunion Deutschland und seinen Verbündeten gegenüber durchaus ablesen. Man macht es sich aber sicher zu einfach, wenn man behauptet, der schlaue Stalin hätte sich bereits im Vorfeld des Krieges gegen sein Land auf die Seite der West- mächte gestellt. Gehen wir besser davon aus, dass er sein Trio-Infernal-Spiel noch eine Weile weitertreiben wollte. Demnach konnte der geeignete Zeitpunkt für einen sowjetischen Angriff auf Deutschland noch nicht gekommen sein. Vielmehr war Stalin anscheinend der Ansicht, durch seine permanenten Provokationen sein Blatt wohl überreizt zu haben, und zeigte Deutschland gegenüber wieder Entge- genkommen, um erneut Zeit zu gewinnen. Zog er einen deutschen Angriff auf sich, würde er am Ende des Trio-Infernal-Spiels nur den Mittelplatz einnehmen. Deshalb machen auch alle Behauptungen eines deutschen Präventivkriegs ge- gen die Sowjetunion keinen Sinn, denn sie zeugen von Missverstehen der sowjeti- schen Strategie.

 

Deutscherseits hätte es sich vielleicht angeboten, den Überfall als zum Schick- salskampf hochstilisierte Auseinandersetzung mit einem weit überlegenen und skrupellosen Gegner hinzustellen. Das hätte irgendwie zum fanatischen Element des Nationalsozialismus gepasst, es hätte aber auch die eigene verzweifelte Si- tuation verdeutlicht. Stattdessen wurde das deutsche Volk mit der Präventivkriegs- lüge abgefunden. Dazu hätte aber die Rote Armee bereits in Bewegung oder mit laufenden Motoren auf den Angriffsbefehl warten müssen, wovon aber gar keine Rede sein kann.

 

 

 

 

 

 

 

Grundsätzliche Fehlanlage des Feldzugs

 

Es wird von vielen Seiten in Zweifel gezogen, ob man Russland überhaupt ero- bern kann oder konnte, selbst Hitler soll das einmal verneint haben [was erneut auf die Widersprüchlichkeit seines Handelns hinweisen würde]. So, wie man es versucht hat, funktionierte es jedenfalls nicht. Das Scheitern vor Moskau hatte dabei nicht einen bestimmten, sondern eine ganze Reihe von Gründen, und schon jeder einzelne hätte m.e. ausgereicht, den Erfolg zu vereiteln (im Umkehr- schluss hätte vielleicht das Nichtbestehen eines einzigen der Gründe den Erfolg ermöglicht).

 

Der Grundfehler des Feldzugs war der, dass er unbedingt in einem Stück durch- gezogen werden musste. Hier klingt wieder das alte, und für eine Auseinander- setzung im Weltmaßstab untaugliche Motiv des kurzen Krieges an. Selbst, wenn Russland besiegbar war, konnte dieses nicht in Form eines "Blitzkriegs" gesche- hen, dafür ist das Land nun doch zu groß. Russland im Ersten Weltkrieg nieder- zuringen hatte jahrelange Abnutzungskämpfe und eine Erschütterung des politi- schen Systems vorausgesetzt. Verstärkt wurde dieser selbst erzeugte Zeitdruck durch eine nicht ganz falsche und eine irrige Vorstellung: zum einen, die sowjeti- schen Kräfte könnten sich durch angelsächsische Hilfslieferungen alsbald erholen und wären dann 1942 ein "diesmal ernst zu nehmender Gegner" ([R], S. 133, zur mangelnden "Ernstnahme" 1941 s.u.), zum anderen meinte Hitler, die Einnahme Moskaus würde Großbritannien friedensbereit machen (S. 134f, vom Motiv des Ausgleichs mit den Briten konnte er einfach nicht lassen).

Auf Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg, nach denen die geographischen und klimatischen Gegebenheiten Russlands sowie die Widerstandsfähigkeit des rus- sischen Soldaten bekannt sein mussten, wurde nicht zurückgegriffen.

 

 

 

 

Aus der o.a. Annahme eines "Grundfehlers" folgt, dass die Fortsetzung des Feld- zugs ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr sinnvoll war. Für ein Operieren in Russland muss man bedenken, dass schon allein aufgrund der Bodenverhältnisse hierfür nur ein enges Zeitfenster zur Verfügung steht, andernfalls könnte man höchstens noch auf dem gefrorenen Winterboden Operationen ausführen, und dazu muss man erst einmal in der Lage sein. Im Frühjahr lässt bis Ende Juni die Schneeschmelze die Flüsse derart ansteigen, dass Wasserstand und Fließge- schwindigkeit ein Überqueren mit Pioniermitteln unmöglich machen, deshalb be- gannen alle bedeutenden Sommeroffensiven immer erst sehr spät. Ab Oktober setzt die berühmte Schlammperiode ein. Sinnvolle Operationen müssen sich also auf ein Zeitfenster zwischen Ende Juni und Anfang Oktober beschränken. Ent- sprechend gliedert sich der Feldzug in eine Phase sinnvoller Operationen, die große Geländegewinne brachte, eine Phase sinnloser Operationen, durch die man sich deutscherseits nur unnötig abnutzte, und eine Konsolidierungsphase im Winter, wo es gelang, die zwischenzeitlich arg in Bedrängnis geratene Front doch noch zu stabilisieren. Beurteilungen des Feldzugs, soweit er (vor der Konsolidie- rungsphase) überhaupt offensiven Charakter hatte, sollten berücksichtigen, ob die betrachteten Details in die sinnvolle Phase fallen, nur dort kann eine Kritik an den Details ihrerseits sinnvoll sein, oder ob sie in die sinnlose Phase fallen, wo sich zuvor gemachte Fehler unbarmherzig auswirken und Detailkritik nur noch in Be- zug auf diese Fehler einen Sinn hat. Das Einnehmen einer Winterstellung hätte bereits Anfang September 1941 erwogen werden können, als die operativen Re- serven des Oberkommandos des Heeres (OKH) feldzugsbedingt schon aufge- braucht waren, bevor das Einsetzen der Schlammperiode (06.-08.10.) eine schnelle Operationsführung verunmöglichte.

 

 

 

 

 

Fehler in der Vorbereitung

 

Aufgrund der Anlage des Feldzugs auf kurze Frist waren auch in Rüstung und sonstiger Vorbereitung gravierende Fehler aufgetreten. Die deutsche Wehrmacht ging mit einer für den Umfang des Feldzugs viel zu geringen Zahl an Panzern in den Kampf, noch dazu handelte es sich bei einem beträchtlichen Teil um leichte bzw. veraltete Beutepanzer aus tschechischen Beständen. Hitler hatte Fernauf- klärungsflüge über der Sowjetunion aus Geheimhaltungsgründen verboten, dafür standen ohnehin so gut wie keine geeigneten Maschinen zur Verfügung. Der Feldzug sollte sogar ohne Neuproduktion von Panzern stattfinden! Hitler hatte be- fohlen, Panzernachschub bei Totalausfällen müsste von ihm ausdrücklich geneh- migt werden. 1941 verfügte die Wehrmacht noch über kein ausreichendes Feld- reparatursystem für Panzer. Selbige mussten, wenn reparaturfähig beschädigt, in die Heimat verschickt werden und beeinträchtigten zumindest auf dem Rücktrans- port die Kapazität der Eisenbahn. Im September ergab sich ein hoher Fehlstand an Kraftfahrzeugen und Zugmaschinen.

 

Bereits Anfang/Mitte Juli wurde klar, dass die Heeresgruppen Nord und Süd Pan- zerkräfte aus der Heeresgruppe Mitte benötigten. "Mitte" wird daraufhin von den Sowjets erstmals ernsthaft aufgehalten. General Guderian hatte vor der Stärke der sowjetischen Panzertruppen gewarnt, Hitler hatte ihm nicht geglaubt, andern- falls hätte er "den Krieg" nicht angefangen [aber was sonst?]. Schnee fällt bereits ab 15.10., aber Winterkleidung ist nicht vorhanden. Aufgrund der hohen Panzer- verluste sind die deutschen Angriffstruppen spätestens ab jetzt zu schwach.

 

Die geplante Bevorratung von Versorgungsgütern war trotz erfolgreicher Umnage- lung der Eisenbahnschienen auf die mitteleuropäische Spurbreite misslungen. Die Transportkapazität der Bahn reichte nicht aus, insbesondere bei Betriebsstoff und Munition. Die Reichsbahn benötigte 240.000 Waggons, 142.000 (Tagesgestel- lung, nicht Gesamtanzahl) sind vorhanden. Es wird auf Verschleiß gefahren, was die Leistungsfähigkeit der Reichsbahn weiter einschränkt. Die Schlammperiode potenzierte auch die Versorgungsprobleme. Schon deshalb lagen die deutschen Verbände (weitgehend fest). Die Autobahn Wjasma-Moskau war von den Sowjettruppen zeitzündervermint worden.

 

Der Wintereinbruch würde die Situation absehbar verschärfen, Abhilfe war absehbar nicht möglich. Bei der Zugsteuerung versagte die Reichsbahn, und die Wehrmacht verstand ihre Belange nicht. Es gab zeitweise 70% Ausfall an Lokomotiven wegen Kälteschäden. Man konnte die Loks wohl winterfest machen, dazu hätte man sie aber kurzzeitig aus dem Einsatz nehmen müssen.

 

So fragt man sich, wie unter den eingetretenen Umständen die Soldaten über- haupt noch kampffähig waren. Die Verpflegungsrationen wurden um 50% gekürzt, Verlausung trat auf. Sanitätswagen hatten damals "in der Regel" keine Innenheizung. Die deutsche Luftwaffe stand im Matsch oder auf Eis, während die sowjetischen Flieger im Raum Moskau über feste Flugplätze verfügten.

 

Der Antransport von Winterbekleidung war zunächst "wegen Transportschwierig- keiten" zugunsten von Munition, Betriebsstoff und Verpflegung zurückgestellt wor- den. Diese Schwierigkeiten potenzierten sich mit Beginn der Kälteperiode. Winter- bekleidung war ja sowieso eigentlich für unnötig befunden worden, weil man a) den Feldzug vor Winterbeginn abgeschlossen haben wollte und b) Sicherungs-divisionen "stationär" unterbringen wollte [und worin sollten die draußen Wache schieben?]. Die Sowjetluftwaffe zerstörte eigene Ortschaften hinter der deut- schen Front mit Brandbomben und schweren Bordwaffen, um die Unterbringung deutscher Soldaten zu verhindern und somit Erfrierungen zu verursachen.

Winterkampfführung sowie Pflege von Waffen und Gerät unter Kältebedingungen waren deutscherseits nicht geübt worden.

 

Es waren jedoch weder Schlamm, Kälte, Versorgungsprobleme noch der Gegner, der die deutschen Truppen ursächlich aufhielt. Es war die generelle Überdehnung <in räumlicher Zielsetzung und zeitlichem Bedarf> des Feldzugs, die die genann- ten Faktoren erst zur Geltung kommen ließ.

 

 

Andauernde Unterschätzung des Gegners

 

Dennoch sollte man es sich nie leisten, seinen Gegner zu unterschätzen. Das tat die deutsche Seite jedoch permanent, über den Feldzug hinaus und auch wider besseres Wissen. Darin war sie aber zunächst nicht allein. Auch Briten und Ame- rikaner rechneten nicht mit einem Standhalten der Sowjetunion. Selbst Stalin war sich darin anfangs bekanntlich nicht sicher, früh kam seine Forderung an die Briten nach Errichtung einer zweiten Front. Man muss allerdings zugeben, dass der abschätzigen Bewertung der Sowjetarmee durch Hitler (Dezember 1940) deren Anfangsniederlagen entsprechen. Auf den nicht ausreichenden Rüstungs- und Bereitschaftsgrad der Roten Armee wurde bereits hingewiesen. Die Leistungsfähigkeit von Stalins Truppen hätte aber auf Basis des "Winterkriegs" und des Nomonhan-Konflikts, die noch nicht lange zurücklagen und in denen sie (letzten Endes) erfolgreich gekämpft hatten, realistisch berechnet werden können.

 

Entgegen den deutschen Planungen gelang es der Masse der Roten Armee, trotz aller erlittenen Verluste bereits 1941, sich dem deutschen Zugriff zu entziehen. Trotz aller das Gegenteil suggerierenden Ereignisse wurde permanent daran ge- glaubt, der Zusammenbruch der Sowjetunion stünde unmittelbar bevor. Anfangs konnte man sich nicht vorstellen, dass die Russen in der Lage wären, überhaupt neue Verbände aufzustellen, wurde aber bereits Mitte August eines Besseren be- lehrt. Die bereits aufgetretenen bzw. sich abzeichnenden Schwierigkeiten hinder- ten die deutsche Generalität Anfang Oktober nicht an der Annahme, die verblei- benden 350 km bis Moskau doch noch in kurzer Zeit zurücklegen zu können.

 

Hitler unterschätzte hartnäckig die Russland verbliebenen Möglichkeiten, auch gegen den Rat von Fachleuten. Er und sein Apparat waren der Meinung, es müs- se der Roten Armee wesentlich schlechter gehen als den eigenen Truppen. Mitte Juli hatte er die Munitionsfertigung einstellen lassen (es gab anfangs große Vor- räte, nachdem der Verbrauch durch die früheren Feldzüge geringer ausgefallen war als geplant). Im November sind die Bestände teilweise aufgezehrt, die Prod- uktion muss neu aufgenommen werden (die notwendige Umsetzung von Arbei- tern und Rohstoffen verschärft die Rückstände in anderen Bereichen der Rüs- tungsproduktion).

 

Im November ist die Beweglichkeit der deutschen Truppen infolge horrender Kraft- fahrzeug- und ebenfalls sehr hoher Pferdeverluste bereits entscheidend einge- schränkt. Dieses wird jedoch in die Lagebeurteilungen der obersten Führung nicht mit einbezogen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt hätte man zwingend zur Vertei- digung übergehen müssen. Ein Übergang zur Abwehr und eine Fortsetzung der Offensive 1942 hätte nach Reinhardt sowohl das Eingeständnis des Scheiterns des Feldzugs als auch das Scheitern Hitlers "strategischer Pläne" bedeutet. Das fortgesetzte "uns geht es nicht gut, aber dem Gegner noch viel schlechter" ist Vo- gel-Strauß-Politik angesichts des innerlich bereits eingestandenen Misserfolgs, dieses jedoch entgegen zutreffender anderslautender Meldungen des Feindlage- berichts.

 

Der Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte Bock schätzte die russischen Ver- stärkungen wieder als "schwach" ein, auch die 9. Armee sieht den Kampfwert des Gegners auch Ende November 1941 noch immer als gering an. Tatsächlich waren von den 890 der Roten Armee vor Moskau verbliebenen Panzern "90% leichte oder veraltete Typen". Über den ab Dezember zu führenden Abwehrkampf exis- tierten innerhalb der deutschen Führung keine Vorstellungen. Die Möglichkeit ei- ner großen sowjetischen Gegenoffensive schloss man aus.

 

Als sich die Lage im Frühjahr 1942 vorübergehend entspannt hatte, neigte das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) sofort wieder zur Verharmlosung. Auch zum Vorstoß in Richtung Kaukasus 1942 ging Hitler weiter von der schweren Angeschlagenheit der Roten Armee aus. Die Unterschätzung des Gegners hielt an. Im Sommer 1942 meinte Hitler nun auf einmal, die russischen soldatischen ("keine Überraschung", "bereits im [Ersten] Weltkrieg"), rüstungstechnischen und rüstungswirtschaftlichen Leistungen anerkennen zu müssen.

 

 

So unbegründete wie bewusste Unterschätzung

 

Wäre die systematische Unterschätzung der sowjetischen Kampffähigkeit "ehr- lich" gewesen, hätte es weder einen Hitler-Stalin-Pakt zur Zügelung des sowjeti- schen Potenzials gebraucht, noch hätte man von einer Rückenbedrohung durch dieses angeblich unfähige Gebilde ausgehen müssen, noch wäre es notwendig gewesen, zum Angriff die Riesenmasse von 153 Divisionen aufzubieten. Statt- dessen muss man diese propagandistisch bedingte Verblendung als Vogel- Strauß-Politik, als verzweiflungsbedingte Selbsttäuschung angesichts der eigenen strategischen Ideenlosigkeit und sogar der Unterschätzung des eigenen Potenzi- als zur Führung eines langfristigen Krieges ansehen.

 

 

Inhumanität der Kriegführung als Mitursache der Niederlage

 

Von den einzelnen Ursachen, die zum Scheitern des Feldzugs führten, ist die un- menschliche Behandlung von kriegsgefangenen Soldaten und der Zivilbevölke- rung der besetzten Gebiete eine der wichtigsten, wenn nicht DIE wichtigste. Die deutschen Truppen wurden vielerorts anfangs als Befreier begrüßt. Möglicher- weise wäre Stalins Herrschaft tatsächlich wie ein Kartenhaus zusammengebro- chen, hätte nicht die deutsche Vernichtungspolitik das russische Volk wieder in Stalins (Fang-)Arme getrieben. Das Nazisystem führte sich also durch seine Un- menschlichkeit selbst ad absurdum.

 

Aber für Hitler waren auf diesem Kriegsschauplatz Kriegsziel und -mittel eins, weshalb er sachlogische Überlegungen, denen er sonst immer wieder mal zu- gänglich war, hier weitgehend ausschloss. Der Vernichtungscharakter des Krieges wurde bereits im Mai 1941 festgelegt. Deshalb war die bereits erwähnte anti- bolschewistische Welle, die er zunächst erzeugt hatte und ihm auch eine gewisse Zahl freiwilliger Soldaten aus Westeuropa zuführte, ihm ganz und gar nicht recht, denn um einen antibolschewistischen Befreiungskrieg sollte es sich bei seinem Vorgehen ja gerade nicht handeln.

 

Die grausame Behandlung von Kriegsgefangenen und Zivilbevölkerung hatte sich jedenfalls in Windeseile auch auf der anderen Seite der Front herumgesprochen und führte ab etwa 20.07. zu versteiftem sowjetischem Widerstand. Die sowohl militärtraditionell bedingte als auch kalkulierte deutsche Soldatensitte, sich aus dem besetzten Land zu verpflegen, machte "Drusch-Aktionen" durch die Streit- kräfte notwendig, wodurch das weitere Vorrücken nach Osten ver- oder mindes- tens behindert wurde. Der Hungertod der betroffenen Bevölkerung wurde dabei billigend in Kauf genommen.

 

Die kriegsgefangenen jungen Männer hätten, vom häufig geringen Bildungsstand abgesehen, auch sehr gute Arbeiter für die eigene Wirtschaft abgegeben. Aber Hitler weigerte sich zunächst, mehr als 120.000 von ihnen im Deutschen Reich einzusetzen. Von den Millionen, die den Deutschen in die Hände gefallen waren, erwiesen sich ohnehin nur 200.000 als einsatzfähig, der Rest litt aufgrund der äußerst schlechten Behandlung an Unterernährung und Flecktyphus. Wegen der angespannte Transportsituation der Bahn konnten ohnehin nur geringe Mengen an Kriegsgefangenen und angeworbenen Arbeitskräften ins Reich gebracht wer- den.

 

Selbst NS-Funktionär Rosenberg protestierte gegen die unmenschliche Behand- lung der Kriegsgefangenen. Aber der deutsche Soldat sollte sich bei Gefangen- nahme ein ähnliches Schicksal vergegenwärtigen und entsprechend fanatisch kämpfen. Die Folgen des Vernichtungsbefehls waren, auch militärisch, katastro- phal. Nachdem es sich bei den verantwortlichen Akteuren zwar um Idioten, nicht aber um Vollidioten handelte, kann diese Katastrophe nur gewollt gewesen sein. Auf die Herbeiführung dieser Katastrophe, die mit der Schlusskatastrophe des Krieges untrennbar verbunden war, zielte ihr ganzes Handeln ab.

 

 

 

Fehler in der Ausführung des Feldzugs

 

Es nimmt nicht wunder, dass in dieses Konglomerat aus Grausamkeit und syste- matischer Stümperei sich auch zahlreiche schlicht handwerkliche Fehler einschli- chen. Ein Leichtes es wäre gewesen, für die Führung des Balkanfeldzugs wie die des späteren Vormarsches auf dem Südflügel zwei unterschiedliche Kommando- instanzen zu bilden. Die Heeresgruppe Süd entstand einfach durch Umbenenn- nung der kurz zuvor noch auf dem Balkan aktiven 12. Armee. Die in Rumänien stehenden, zu geringen Kräfte sollten sich am Angriff zunächst gar nicht beteili- gen, sondern defensiv verbleiben. Also handelte es sich anfangs nur um einen Zweidrittel-Vorstoß. Der Südflügel blieb erst einmal hängen.

 

Nach den Anfangserfolgen von Mitte Juli sollten zunächst wieder hauptsächlich Flugzeuge und U-Boote gebaut werden. Auf die zu geringe Anzahl an Panzern wurde bereits hingewiesen. Wie schon in der Planung des Feldzugs, und dann später im Jahr 1942, überbetonte Hitler die Rohstofffrage als Zielsetzung, im spe- ziellen Fall von 1941, hier als Begründung für das Abdrehen von eigenen Kräften von "Mitte" nach "Süd". Für die Bedeutung der Frontbegradigung und der Aus- schaltung bedeutender sowjetischer Kräfte war diese Variation jedoch nicht ganz unsinnig, sie war aber durch den Ansatz viel zu schwacher eigener Panzerkräfte bei "Süd" erzwungen worden.

 

Um den Marsch auf Moskau wieder aufnehmen zu können, müssen die an "Süd" abgegebenen Panzereinheiten wieder zu "Mitte" zurückkehren, was viel länger dauert als erwartet. Hitler hatte Panzer für Operationen nach "Barbarossa" gehor- tet und gab für die Fortsetzung dieser Operation nur eine geringe Menge frei.

 

Mehrfach misslang es, gebildete Einschließungskessel undurchdringlich zu hal- ten. Teilen der bei Brjansk eingeschlossenen sowjetischen Truppen gelang unter z.T. enormen Verlusten der Ausbruch. Der deutsche Vormarsch wurde dadurch erneut entscheidend gehemmt. Die Panzergruppe 3 lehnt es zunächst ab, von der Luftwaffe mit Betriebsstoff versorgt zu werden, muss aber dann doch darauf zu- rückgreifen und liegt dadurch 1 Tag fest (05.10.). Dadurch schließt sich der Kessel von Wjasma zu spät, worauf ebenso erhebliche sowjetische Kräfte entkommen.

 

Obwohl die Kesselkämpfe noch in vollem Gang sind, meint Generalfeldmarschall Bock, wegen des "günstigen Operationsverlaufs" weiter gesteckte Ziele setzen zu können. Dabei wird ihm aber von Hitler die Panzergruppe 3 weggenommen und nach Norden angesetzt (08.10.). "Diese Kräfte fehlten im entscheidenden Au- genblick zum schnellen Ansatz gegen Moskau, als die neue russische Abwehrli- nie noch nicht gefestigt und die Reservekräfte zum großen Teil noch im Antran- sport waren." Man meinte, sich aufgrund der Feindbeurteilung sich selbiges leis- ten zu können.

 

Im November befahl Hitler die Verlegung eines Großteils der Luftflotte 2 in den Mittelmeerraum. Aufklärungsmeldungen (der Luftwaffe, von Agenten und Gefang- enen) über das Zusammenziehen neuer Feindtruppen waren von der deutschen Führung ignoriert worden (Keitel wollte sich "grob verrechnet" haben). Der Ein- satz einer speziellen panzerbrechenden Granate (Hohlladungsgeschoß "Rotkopf- granate") war von Hitler aus Geheimhaltungsgründen untersagt worden. Zeitwei- se verfügten die deutschen Truppen über keine Abwehrmöglichkeit gegen sowje- tische Panzer. Am 22.12. musste Hitler den Einsatz freigeben.

 

Divisionen, die bisher im Westen lagen, gab Hitler nur zögerlich zur Verstärkung frei, da er weiter reichenden Plänen nachhing. Die aufgetretenen Schwierigkeiten lastet er ausschließlich der deutschen Heeresführung an: allein der Begriff "rück- wärtige Stellung" hätte Ausweichbedürfnisse verursacht (woraus Verachtung für die deutschen Truppen spricht) und für Frost wäre nicht genügend vorgesorgt worden (was er größtenteils selbst zu verantworten hat). Schließlich wurden di- verse Verbände und auch Lufttransportraum aus dem Westen zugeführt.

 

Außer den bereits o.a. Bodenverhältnissen in Russland während einer langen Periode des Jahres hätte auch der Mineralölverbrauch eine streng limitierende Wirkung auf die Zeitdauer von umfangreichen Feldzügen haben müssen. Haupt- erdöllieferant war Rumänien, ohne dessen Erzeugung eine motorisierte Kriegfüh- rung in großem Stil unmöglich war. Der Monatsverbrauch der westlichen Achsen- mächte betrug 1,15 Millionen Tonnen Erdöl [vermutlich wurde hierbei ein Monat mit großen militärischen Operationen zugrunde gelegt], "Erzeugung und Einfuhr" lagen aber bei nur 850.000 Tonnen monatlich. Das bedeutete, dass man bei Auf- brauchen der Bestände zwangsläufig lange Operationspausen einlegen musste, um dann wieder einige Monate Bewegungskrieg führen zu können. Die rumäni- sche Erdölföderung betrug maximal monatlich etwa 500.000 Tonnen, wobei deut- scherseits, transportkapazitätsbedingt, monatlich 400.000 Tonnen abgezweigt werden konnten. Die rumänische Förderung fiel auf 73.000 Tonnen im Februar 1942, warum, wird nicht ganz klar ("verminderte Förderkapazität"). Sollte es sich hierbei um Arbeitskräftemangel gehandelt haben, stellt auch dieses Problem vermutlich einen durch sinnvolle Planung vermeidbaren Engpass dar.

So rächte es sich, die irakischen Ölfelder nicht im Zuge einer erweiterten "Mittel- meer-Strategie" rechtzeitig in Besitz genommen zu haben. Die Treibstofflage machte Druck, stattdessen die Ölfelder des Kaukasus zu bekommen. Die notwen- digen Einschränkungen wirkten sich auf andere Gebiete empfindlich aus (Wirt- schaft, Italien, Kriegsmarine [letztere nicht expressis verbis aufgeführt] usw.).

 

 

 

Sinnlose Phase, Gegenangriffe und Konsolidierung

 

Diese Arbeit dient überwiegend dazu, historische Ereignisse miteinander in Zu- sammenhang zu bringen, zu analysieren und zu bewerten. Wie oben bereits fest- gestellt, enthielt der Russlandfeldzug des Jahres 1941 auch eine sinnlose Phase, die zu analysieren und zu bewerten also keinen Gewinn bringt. Es erscheint der Vollständigkeit halber an dieser Stelle aber erforderlich, die Endereignisse des Feldzugs bis zum Abschluss der Konsolidierungsphase im Februar 1942 in geraff- ter Form wiederzugeben.

 

Die über Moskau hinausreichenden Pläne der deutschen Führung bewirkten ein Zerreißen der Heeresgruppe Mitte. Die kulminierenden Versorgungsschwierigkei- ten verhindern aber die Ausführung. So steht die Heeresgruppe Mitte Ende Okto- ber mit offenen Flanken, ohne Schutz gegen Schnee und Kälte und einen wieder- erstarkten Gegner. Der kämpfte allerdings praktisch schon mit dem Rücken zur Wand, so Reinhardt über die Rote Armee, der die bis zu 100 km tief gestaffelten sowjetischen Verteidigungsstellungen und die flexible Kampfführung des Fronto- berbefehlshabers Schukow aber ausdrücklich lobt. Konzentrierte deutsche Luftan- griffe auf das Moskauer Eisenbahn-Verteilernetz unterblieben.

 

Generalstabschef Halder meinte am 03.11., der Feind könne Moskau halten. Pan- zergeneral Hoth glaubte, es wäre besser, zur Verteidigung überzugehen. Auch Heeresgruppen-Oberbefehlshaber Bock will wegen der völlig unzureichenden, auch nicht behebbaren Versorgungslage bei "Mitte" eigentlich den Befehl zum Eingraben geben. Die Flanken von "Mitte" sind überdehnt, zu "Nord" und "Süd" besteht keine Verbindung. Eine Fortführung des Angriffs verschlechtert die Situa- tion noch.

 

General Sodenstern meldet: "Kräfte am Ende." Bock wehrt sich gegen die völlig überzogenen Angriffsvorstellungen der deutschen Führung, will aber unverständ- licherweise dennoch in kleinem Rahmen weiter vorgehen, obwohl jeder weitere "Erfolg" "Mitte" mit noch weiter überdehnten Flanken hätte dastehen lassen.

Ein freiwilliger Rückzug ist in der "deutschen" Mentalität nicht vorgesehen. Gene- ral Geyer bemüht "positives Denken" und eine "letzte kleine Anstrengung" bis zum Äußersten.

 

Wieder wird auf genügend Zulauf von Versorgungsgütern gehofft, aber die Schwierigkeiten halten an. Gegenangriffe legen die 4. Armee zunächst lahm. Ma- terieller und personeller Ersatz bleiben aus. "Mitte" hatte zu allem Überfluss noch Divisionen abgeben müssen. General Guderian hatte mal 1000 Panzer und im Laufe des Feldzugs 150 zugewiesen bekommen, ebenso viele waren am 18.11. noch übrig. Dennoch wäre (ca. 19.11.) Guderian beinahe der Durchbruch gelung- en. Jetzt bleiben seine Panzer aber wegen Betriebsstoffmangels und Vereisung (ihre Ketten verfügten über keine "Winterstollen") liegen. Die Kräfte der 2. Panzer- armee sind zu diesem Zeitpunkt bereits völlig erschöpft.

 

Die Zersplitterung des Angriffs führt zu Querelen unter den deutschen Oberbe- fehlshabern. Hitler ist von seinen über Moskau hinaus reichenden Vorstellungen noch nicht einmal abgewichen [was möglicherweise von der Motivation zeugt, die eigenen Truppen in haltlosen Angriffsbefehlen zu vernichten]. Zwischen 21. und 30.11. versteht Bock endlich die Aussichtslosigkeit der Lage: "Angriff ohne Sinn und Zweck". Dennoch gelingen Guderian in diesem Zeitraum (24. - 28.11.) über- raschend doch noch Vorstöße - mit vielleicht noch 37 Panzern. Zwischen 29.11. und 02.12. kommt sogar "ein Teil" des bisher festgefahrenen rechten Flügels der 4. Armee zum Angriff. Russische Reserven werfen aber die hier kaum mehr kampffähigen deutschen Verbände wieder zurück.

 

Die Einschließung der Stadt Tula glückte - bei minus 35 Grad Celsius! - nicht mehr vollständig. Abbruch der Kämpfe und Rückzug erfolgten ab dem 05.12.. Etwa zur selben Zeit kam es nun anscheinend zu offenem Ungehorsam der Frontführer, um nicht noch die letzten Kräfte sinnlos zu opfern: "Mit den Leuten ist nichts mehr anzufangen." Die deutschen Truppen müssen bleiben, wo ihr Angriff sich totgelaufen hat, auch wenn das Gelände hierfür nicht geeignet ist und Nach- schub weiterhin nicht sichergestellt werden kann.

 

Die häufiger deutscherseits konstatierte Schwäche des Gegners sieht dieser selbst. Aber sein großer Gegenangriff steht nun bevor. Die schlecht ausgebildeten und ausgerüsteten Rotarmisten haben dennoch Erfolg. Bock gesteht am 07.12. seine Fehleinschätzung ein. Hitler befiehlt ab 08.12. die Abwehr. Rückzüge dürfen aber nur in vorbereitete Stellungen durchgeführt werden. Diese gibt es so gut wie nicht, und sie können auch nicht geschaffen werden. Es kommt der Truppe so vor, als würde sie sinnlos geopfert [was nach meiner Überlegung oben auch zutrifft]. Halders: "Der deutsche Soldat geht nicht kaputt!" erwies sich dann hier tatsächlich als richtig, was aber mehr ein Wunder als eine Leistung darstellte.

 

Am 16.12. erlässt Hitler den wohl ersten seiner berüchtigten "bedingungslosen Haltebefehle". Will man es positiv sehen, kann man konstatieren, eine genehmig- te Ausweichbewegung hätte sehr bald in eine unkontrollierte, kopflose Flucht ge- mündet. Der Befehl wird sowieso nur "flexibel" ausgeführt (oder von Guderian gar nicht weitergegeben). Die mögliche Zerstückelung der Armee durch immer neue Feindeinbrüche hätte Hitler (billigend) in Kauf genommen.

 

Bock und Brauchitsch, nunmehr ideenlos und gesundheitlich angeschlagen, wer- den etwa zum selben Zeitpunkt abgelöst. "Mitte" meldet im gleichen Zeitraum im- merhin: "Russische Angriffsfreudigkeit nicht groß." Obwohl Bocks Nachfolger Klu- ge am 23.12. von Hitler die Genehmigung zum Zurückweichen erhält, "wenn es keine andere Möglichkeit gibt", lässt er Guderian am 25.12. wegen erheblicher Differenzen in dieser Frage ablösen. Insbesondere legt sich Halder gegen eine Rücknahme der Front quer, letzteres wird von Hitler auch wieder verboten. Der 08.01. sieht die Ablösung General Hoepners wegen eigenmächtiger Rücknahme des XX. Armeekorps, das besonders exponiert stand. Hitler erlaubte daraufhin der 4. Armee den Rückzug. Das unsägliche Hickhack zwischen den Frontoberbe- fehlshabern und der obersten Führung geht mindestens bis 11.01.1942 weiter (Kluges Besuch im Führerhauptquartier).

 

Die schlecht ausgebildeten und geführten sowjetischen Truppen können ihre Er- folge nicht richtig ausnutzen (untere Führungsebenen beherrschen keine Taktik außer verlustreichen Frontalangriffen, was Schukow verärgert). Am 20.12. be- kommt Stalin Appetit darauf, die Heeresgruppe Mitte in einer weiträumigen Um- fassungsbewegung zu zerschlagen. Da er jetzt aber Hitlers Fehler übernimmt (Überschätzung der eigenen und Unterschätzung der fremden Truppen) und seine Maßnahmen ungenügend vorbereitet, wird die Aktion scheitern.

 

Hätte Stalin seine Kräfte nicht verzettelt (u.a. Angriffe frischer Kräfte in dichtem Wald und Sumpfgelände ohne Versorgungsstraßen), hätte er womöglich die Hee- resgruppe Mitte komplett vernichten können. Am 15.01. hatte Hitler seinen Halte- befehl endlich fallengelassen. Die Front konnte so nach und nach stabilisiert werden. Doch die "Schanja-Stellung", obwohl gut ausgebaut, durfte erst nach extremer Intervention von General Kübler besetzt werden. Zwischen 16.01, und 24.01. gelingt der 2. Panzerarmee ein Gegenangriff zur Entsetzung der einge- schlossenen Stadt Suchinitschi. Nun sind auch die sowjetischen Reserven auf- gebraucht.

 

Luftlandungen und anderweitige Einbrüche bedrohen ab dem 18.01. die 4. Armee erneut im Rücken. Erst ein "Angriffsrückzug" kann am 03.02. die Verbindung mit der 4. Panzerarmee herstellen. Die Russen sind dann auch hier erschöpft. Zwi- schen 23.01. und 20.02. gelingt es, sowjetische Kräfte bei Rschew einzuschließen und zu neutralisieren. An dieser Stelle endet "Barbarossa".

 

 

 

Einschätzung des sowjetischen Standhaltens

 

Bei der häufig bewundernden Bewertung des sowjetischen Standhaltens "aus eigener Kraft" muss in Rechnung gestellt werden, dass Stalin sich außer aufgrund seiner eigenen grausamen Rigorosität, die keinerlei Widerstand duldete [das rus- sische Volk muss wohl gefühlt haben, dass es einen Diktator brauchte, der sich alles erlauben konnte, außer sich öffentlich nackt auszuziehen und irre Parolen zu brüllen, sonst hätte es den Krieg nicht überstanden], nur wegen Hitlers Grausam- keit und dessen strategischer Unvernunft hielt. Die geographische Weite Russ- lands und die meteorologischen Verhältnisse kamen dazu, siehe die obige Schil- derung.

 

Stalin siegte im Zweiten Weltkrieg nur wegen der fortgesetzten strategischen Unvernunft Hitlers, wie noch zu zeigen sein wird, und weil die Angelsachsen sich auf seine Seite stellten, indem sie zu keinerlei Arrangement mit Deutschland be- reit waren [weil sie eben eins mit der moralisch kaum weniger als Nazideutsch- land verdorbenen Sowjetunion bevorzugten]. DESHALB sah sich Stalin nie ge- zwungen, sich in eine effektive Abhängigkeit von den Angelsachsen zu begeben, nicht wegen der Qualität seiner Truppen (bzw. deren übermächtiger Zahl), seiner Rüstung oder seiner Führung. Und genauso basieren auf dieser grundsätzlichen angelsächsischen Politik, deren Ziel eben der neue deutsch-russische Krieg war, auch alle angelsächsischen Versuche der Verhinderung eines deutsch-sowjeti- schen Sonderfriedens.

 

Es ist jedenfalls nicht richtig, dass "Moskau" bereits "die" Kriegswende war. Auch wenn sehr viel dafür spricht, lässt es doch Alternativszenarien, die aufgrund der Fortsetzung der hitlerschen Fehlentscheidungen nicht zum Tragen kamen, außer Acht. Interessanterweise ereigneten sich die größten Verluste an Soldaten für die deutsche Seite nicht in der Winterkriegführung, sondern in den Monaten des Vor- marschs (Ende August 580.000 Mann, Panzer und ähnliche Fahrzeuge 1.500, Ende Oktober (seit Feldzugsbeginn) 670.000 Mann und 5.180 Flugzeuge. Nach Reinhardt wäre selbst ein Sieg bei Moskau nicht mehr als eine äußerst zweifel- hafte operative Lageverbesserung gewesen.

 

Die erfolgreichen Angriffe der 9. Armee und der Panzergruppe 4 ab 15.11.1941 zeigen jedenfalls, dass die deutschen Kräfte, so weit sie überhaupt irgendwie zu Angriffsoperationen fähig waren, von der Roten Armee nicht gestoppt werden konnten. Diese Beobachtung zieht sich bis in die letzten Apriltage 1945 praktisch durch den ganzen Krieg hindurch, man denke an die Kämpfe in Niederschlesien im Februar 1945 oder an die neu aufgestellte 12. Armee, die die bei Halbe einge- schlossene 9. Armee kurz vor Kriegsende heraushaute. Deshalb erscheint eine erfolgreiche Fortsetzung der Operationen gegen Moskau im Jahr 1942 als durch- aus denkbar.

 

 

 

Kein Eindruck auf Großbritannien im Erfolgsfall

 

Wenn Hitler sich auf etwas verlassen konnte, dann darauf, dass Großbritannien auch bei einer Einnahme Moskaus garantiert nicht friedensbereit sein würde. Es kann an dieser Stelle nicht abschließend diskutiert werden, ob es den Briten mit ihrem 1941 vorhandenen Flugzeugmaterial gelungen wäre, die deutsche synthe- tische Treibstofferzeugung auszuschalten. Bei Erfolg, so viel steht fest, wäre die deutsche Wehrmacht in kurzer Zeit bewegungsunfähig gewesen. Entsprechende Angriffe ereigneten sich erst im Jahr 1944. Die Gründe, warum diese nicht früher durchgeführt wurden (u.a. vorrangig Angriffe auf die deutsche U-Boot- und Flug- zeugproduktion) kann man auch als fadenscheinig bezeichnen. Denn sonst wäre der deutsch-russische Krieg in der Form, in der er stattfand, nicht möglich ge- wesen. Was, wie wir zu wissen meinen, nicht im angelsächsischen Interesse sein konnte.

 

 

 

Untergangsgedanken

 

Im Zuge des gescheiterten Ostfeldzugs, der weiter nicht bestehenden britischen Friedensbereitschaft und dem unmittelbar drohenden bzw. inzwischen sich ereig- neten amerikanischen Kriegseintritt kommt in Berlin Endzeitstimmung auf. "Wenn das deutsche Volk einmal nicht mehr so stark und opferbereit genug sei, sein ei- genes Blut für seine Existenz einzusetzen, so soll es vergehen und von einer an- deren, stärkeren Macht vernichtet werden," so Hitler zum dänischen Außenminis- ter Scavenius am 27.11.1941. Rüstungsminister Fritz Todt gab den Krieg am 29. 11.1941 Hitler gegenüber "militärisch und rüstungswirtschaftlich" verloren.

 

Man kann Hitlers weitere "Politik" durchaus so deuten, dass die hier und bereits in "Mein Kampf" angedeutete Vernichtung Deutschlands nun auch vollzogen werden sollte. Auf Entgegnungen Kluges, die körperlich und seelisch ausgezehrte Truppe könne nicht bei minus 20 - 30 Grad Celsius so einfach Stellungen halten, antwor- tete Hitler: "Wenn das so ist, dann wird das das Ende des deutschen Heeres sein." (31.12.1941). Hitler wollte nur noch bis zum Ende Zeit gewinnen. Der "Kampf um jeden Tag, jede Stunde" sei ein Gewinn (Hitler zu Kluge am 11.01. 1942).

 

Seltsamerweise ist im Februar 1942 die Stimmung bei der Truppe bis etwa zu den Bataillonskommandeuren wieder relativ gut, aber ab den Divisionsführungsstäben aufwärts schlecht. Die Truppenführer fühlen sich nicht ernstgenommen und spre- chen von einer vermeidbaren Katastrophe. Die verbreitete [und anscheinend rich- tige] Vermutung vom Dezember, sinnlos geopfert zu werden, war nicht vergessen. Hitler hatte seine Vernichtungsphantasie am 27.01.1942 wiederholt: "Wenn das deutsche Volk nicht bereit ist, für seine Selbsterhaltung sich einzusetzen, gut: dann soll es verschwinden."

 

 

 

Schlussbetrachtungen und Ausblick

 

Die infolge "Barbarossa" erlittenen Personal- und Materialverluste stellten für die deutsche Wehrmacht sicher einen tiefen Einschnitt dar. Rein für sich gesehen handelte es sich aber bei "Barbarossa" um einen Riesenerfolg, betrachtet man den erzielten gewaltigen Geländegewinn. Für eine Wiederaufnahme der Offensive 1942 lag Moskau nun viel näher als ein Jahr zuvor. Sicher hätte man in diesem Fall dort (wieder) mit dem konzentrierten Widerstand der Roten Armee zu rechnen gehabt. Aber die deutschen Soldaten kämpften, auch in Unterzahl, stets wesent- lich effektiver als ihre sowjetischen Widerparte, die regelmäßig viel höhere Ver- luste erlitten.

 

Notwendig für einen Erfolg wären aber die Verfügbarkeit aller Errungenschaften der modernen motorisierten Kriegführung, verbunden mit einer strategisch und taktisch klugen Führung gewesen. Hitler war aber bereits Ende Oktober 1941 ge- danklich zur Raumverteidigung übergegangen: "Sicherung des kontinentalen Raums entscheidendes Gebot." Entscheidend für den Sieg dagegen wäre stets die Gewinnung wichtiger strategischer Punkte, wie Moskau, gewesen. Das begriff Hitler jedoch nie. Auch für 1942 existierte keine Gesamtkonzeption.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Erarbeitung der Komplexität des "Unterneh- mens Barbarossa" (die Benennung stellt ein schlechtes Odium dar, nachdem der Namens- geber auf einem "Ostfeldzug" ums Leben kam) erfolgt m.e. zu selten mit der notwendigen Detailliertheit, vielmehr werden häufig die übli- chen Verkürzungen bemüht. Grundlagenwerk zur Beurteilung der militärischen Ereignisse ist zweifellos Klaus Reinhardt, Die Wende vor Mos-

kau, DVA, Stuttgart 1972, Zitate hier abgekürzt mit [R]. Die weitere Hauptstütze der Erörterung- en hier, besonders für den politschen Bereich, stellt wieder Andreas Hillgrubers "Hitlers Strate- gie" dar, Literaturangabe 5. Kapitel im 5. Teil, hier

abgekürzt mit [H], die Buchstaben in eckigen Klammern werden weggelassen für unmittelbar folgende Zitate aus derselben Quelle.

 

 

 

Fortsetzung des "Burckhardt-Zitats" (sonst bereits siehe 4. Kapitel im 5. Teil) [H], S. 29:

"Ich brauche die Ukraine, damit man uns nicht wieder wie im letzten Krieg aushungern kann."

 

Strategische Erörterungen siehe 1. Kapitel die- ses Teils.

 

 

"Circulus vitiosus" [H], S. 394, Hitlers Verzweif- lung [angesichts der scheinbar unlösbaren Auf- gabe] und seine Vermessenheit, sie [durch den "ganz großen Entschluss"] doch noch zu lösen S. 511. Hitlers machtpolitisches Kalkül vom 31. 07.1940: "Wenn Hoffnung auf Rußland wegfällt, fällt auch Amerika weg, weil [auf] Wegfall Ruß- lands eine Aufwertung Japans in Ostasien in un-

geheurem Maß folgt." (S. 200). Zur Bedingtheit von Kriegsentschluss und rasseideolgischen Konsequenzen S. 362, bereits mehrfach ange- führt (5. Kapitel des 5. Teils und Buchbespre- chung "Hofer"). Dass Hitler auf sein Rassenkon-

zept auch gut verzichten konnte, machte er Mussolini gegenüber in seiner Begründung sei- nes Paktes mit Stalin deutlich, nachdem letzte- rer "eine Wandlung des bolschewistischen Prin- zips in Richtung auf eine nationale russische Lebensform..." vollzogen hätte, "...gegen die zu kämpfen wir weder Interesse noch einen Anlaß besitzen." (S. 30 Anm. 13).

 

Persönliche spekulative Überlegungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Kontinentalblock-Projekt, zu dem Ribben- trop Molotow nach Berlin einlud und für das Mussolini gewonnen wurde (S. 241f), wider- sprach m.e. den Interessen der Achsenmächte, da es defensiv ausgerichtet war und das "Ge- setz des Handelns" den Angelsachsen überließ.

Stalins Bedingungen S. 358, 307f (s.u.).

Hitler-Zitat S. 369. Wörtliche Übernahme von Hillgruber S. 535, dort mit Veweis auf S. 87 Anm.

39: Stalins grundsätzliches Misstrauen gegenü- ber Deutschland, geäußert zum britischen Bot- schafter in Moskau Cripps.

 

 

 

 

 

 

Molotow am 01.08.1940 S. 114f.

 

 

 

 

 

Laut Molotow zum selben Datum waren "die deutschen Siege ohne die sowjetische Hilfe- stellung nicht möglich gewesen", S. 105. Hill- gruber kauft es ihm ab ("zu Recht").

Zu Russlands Handeln im deutsch-französisch-

en Krieg 1870/71 siehe 2. Kapitel im 1. Teil.

 

Sommer 1940 S. 114f Anm. 54.

Spätherbst 1940 S. 301.

 

 

 

Sowjetische Ansprüche auf "Mitsprache in allen Balkanfragen", vorgebracht in Rom, S. 86.

Weitergabe von Stalins Forderungen durch Cripps an seinen türkischen Amtskollegen S. 88.

Defensive sowjetische Vorstellungen S. 306.

Forderung an Finnland vom 23.06.1940 S. 112.

Besetzung des litauischen Südwestzipfels Mitte Juni 1940 S. 231. Der "Chilia-Arm" ist nicht, wie Hillgruber schreibt, der südlichste, sondern na- türlich der nördlichste Arm des Donaudeltas (kleiner Fehler beim großen Historiker). Beset- zung 26.10.1940 S. 304.

Molotow-Besuch 12./13.11.1940 S. 304ff. Er for- derte u.a. die Einverleibung Finnlands, die An- erkennung Bulgariens als Teil der sowjetischen "Sicherheitszone", sowjetische Stützpunkte an den türkischen und sowjetische Kontrolle der dänischen Meerengen und äußerte Interesse an Ungarn, Jugoslawien, Westpolen und Schwe- den (in etwa Bedingungen Stalins vom 25.11., s.o.).

Handelsabkommen und Nachschubwege für die Kuomintang, die ihrerseits vehement die chinesischen Kommunisten bekämpfte (Jahres-

wende 1940/41), sowie "identisch"-Erklärung des sowjetischen Botschafters in den USA (27.11.1940) S. 294.

Sowjetische Demarche an Berlin bez. Bulgari- ens vom 17.01.1941 S. 350. Jugoslawisch-sow-

jetischer Freundschafts- und Nichtangriffspakt vom 06.04.1941, wegen des zeitgleichen deut- schen Einmarschs rückdatiert um 1 Tag S. 429.

Der Besuch Molotows hätte nach deutscher Konzeption früher erfolgen sollen, um durch Zur-

schaustellung deutsch-sowjetischer Geschlos- senheit den US-Wahlkampf zu beeinflussen. Stalin hat das verhindert (S. 353).

Die sowjetischen Provokationen erinnern m.e. nicht zufällig an die russischen vor dem Ersten Weltkrieg (siehe hierzu erster Teil dieser Arbeit, insbesondere 5., 6. und 8. Kapitel). Aber sie be- wirkten eine Gewogenheit Rumäniens (S. 68) Finnlands, Bulgariens und der Türkei (S. 357f) im deutschen Sinn.

 

 

 

Von Stalins Rede vor Absolventen der sowjeti- schen Militärakademien vom 05.05.1941 gibt es mehrere Versionen (S. 431f). Man kann sich die zurückhaltende oder die aggressive aussuchen.

 

 

 

Zeitgewinn-Motiv S. 438. (<Nachtrag 20.12.2017:

Eine Konkretisierung des "Entgegenkommens"

Stalins kann nicht genannt werden. Vermutlich

wurden der deutschen Botschaft in Moskau da- hingehende Signale bekannt (Rauh, Bd. II,

S. 362)>).

 

 

 

Goebbels konstatierte erst angesicht der dro- henden Niederlage einen "elementaren Daseins-

kampf der Achsenmächte" (29.10., [R], S. 134, Anm. 70).

Wie bereits im zweiten Kapitel dieses Teils argu-

mentiert, war der Rüstungs- und Bereitschafts- grad der Roten Armee im Stadium vor dem Krieg für eine kontinentale Kriegführung nicht ausreichend ([H] S. 436f, auch S. 544f Anm. 48).

Über die defensive oder offensive Aufstellung der sowjetischen Heeresverbände lässt sich trefflich, aber ergebnislos streiten (S. 435). Es spielt auch keine Rolle, eine akute Bedrohung durch die Rote Armee (und damit ein Präven- tivkriegsgrund) existierte jedenfalls nicht, wurde auch von Hitler und seinem Generalstab nicht gesehen (S. 533).

 

 

 

 

Hitler nach Rauh, Literaturangabe s. Einleitung,

Bd. II S. 352. So zitiert Keitel Hitler gegenüber Bock (s.u., [R], S. 36 <Nachtrag 28.10.2017>).

Selbstverständlich hätte man "Russland" prinzi- piell erobern können, an der Argumentation für den Ersten Weltkrieg (1. Kapitel im 2. Teil) ist auch für den Zweiten Weltkrieg nichts zurück- zunehmen, dort wurde bereits auf 1941 verwie- sen.

 

Grundsätzliche "Blitzkriegs"-Vorstellung [R], S. 14, nach der Weisung zu "Barbarossa" war "Sowjetrußland in einem schnellen Feldzug nie- derzuwerfen" (S. 17, 18.12.1940).

Selbst unter günstigsten Umständen wäre das angestrebte Ziel des Feldzugs in der veran- schlagten Zeit nur schwierig zu erreichen gewe- sen ([H], S. 230, Anm. 96). Reminiszenzen an 1914/18 drängten sich [nicht erst ab September 1942, worauf sich das Zitat bezieht] auf (S. 554).

Die "Eroberung des europäischen Rußland" (S. 564, kursive Hervorhebung nicht im Original) zeigt wieder die sinnlose strategische Begrenzt-

heit von Hitlers Vorstellungen. Sein "...Aufbau ei- nes verteidigungsfähigen, "blockadefesten", au- tarken "Großwirtschaftsraumes"..." (S. 587) ließ sich mit seiner Methodik der Verfolgung nicht verwirklichen.

Unzureichende Lagebeurteilung Groß, Literatur- angabe 1. Kapitel im 2. Teil, S. 229, hartnäckiger

russischer Widerstand in Ersten Weltkrieg ds., S. 128. Hitler hielt die Russen [bekanntlich] für minderwertig, so bei Rauh, s.o., S. 353.

 

 

 

 

 

 

 

Zu den Frühjahrsüberschwemmungen [H], S. 505, Anm. 21 und S. 506, Anm. 28. Letzteres Zitat auch zu den Sommeroffensiven. Daraus wird ersichtlich, dass der Balkanfeldzug keine Verzögerung des Russlandfeldzugs verursacht haben kann.

Auch Manfred Rauh setzt sich in seinem II. Band intensiv mit "Barbarossa" auseinander.

Die Problematik der Frühjahrsüberschwemm- ungen missversteht er (Bd. II S. 377), da nicht der Abschluss des Balkanfeldzugs, sondern das

Ende der Überschwemmungen zeitlich später liegt. Ebenso wird seinen sonstigen Ausführung-

en hier nicht weiter gefolgt. Rauh geht davon aus, dass Hitler Halders ["genialen"] Feldzugs- plan, schnurstraks direkt auf Moskau zu mar- schieren, durch Verzettelung zerstört hat (ds., S. 435). Ein "Erfolg" hätte m.e. die Heeresgruppe Mitte gegenüber den weit zurückhängenden anderen Heeresgruppen in einer Weise isoliert, dass ihre Einschließung und Vernichtung in und um Moskau wahrscheinlich geworden wäre. "Mitte" hing Anfang Dezember 1941 auch so schon genug in der Luft (s.u.).

Aufgebrauchtheit der OKH-Reserven [R], S. 53, Schlussfolgerung persönlich. Schlammperiode S. 72f. Die betreffenden Probleme waren dem OKH bekannt, aber ignoriert worden (S. 78).

 

 

 

 

Für den Feldzug standen insgesamt nur 3100 "Panzerkampfwagen" zur Verfügung, "also von

vornherein ziemlich wenig, für das, was man

sich vorgenommen hatte." (Oswald, Literaturan-

gabe 1. Kapitel im 2. Teil, S. 346). Auch davon

gehörten nur gut 1400 zu den vergleichsweise kampfstarken Typen III und IV aus eigener Pro- duktion (ds.). "Fernaufklärung" [R], S. 18f.

S. 26 Anm. 85.

 

 

S. 55.

 

 

 

S. 55f.

 

 

S. 35.

 

 

S. 36.

 

 

S. 77.

 

 

 

S. 56.

 

S. 57.

S. 113.

 

 

S. 79f.

 

 

 

 

S. 114.

 

S. 172ff.

 

 

 

 

Ds.

 

 

 

S. 148, 89.

 

 

S. 127.

 

 

 

 

 

 

S. 148 Anm. 31.

 

 

S. 127f.

 

 

"Klimaproblem-Propaganda" durch Hitler S. 180,

[nach dem Krieg häufig unkritisch übernom- men], andere Faktoren von Reinhardt aufge- zählt, dagegen persönliche Schlussfolgerung.

<Einfügung links 20.12.2017>.

 

 

 

Rassistisch bedingte Fehleinschätzung [R], S. 22.

[H] S. 214, dort und S. 443ff zur angelsächsi- schen Einschätzung, ebenso S. 544 Anm. 47, dort auch "zweite Front" (18.07.1941). Stalins

Selbstzweifel [R], S. 32, Anm. 127

 

[H] S. 363, relativiert März 1941 S. 509.

S. 436f.

 

[R], S. 20. Dennoch ging der Oberbefehlshaber

des Heeres Brauchitsch von einer Feldzugsdau-

er von "bis zu vier Wochen" aus ([H], S. 509).

 

Nach deutschen Vorstellungen ([R], S. 15ff) soll-

te der Gegner westlich der Dnjepr-Düna-Linie gestellt werden. Das gelang "nicht planmäßig" (S. 35).

S. 32 Anm. 126 (15.08.1941).

[oberes Zitat zeitlich nach unterem!]

S. 34 Anm. 148 (11.08.1941).

 

OKH und Generalfeldmarschall Bock (s.u.) S. 58, 61.

 

S. 97.

S. 101.

 

S. 114f.

 

 

 

 

 

 

 

 

Nur noch 15% der an sich vorhandenen Fahr- zeuge einsatzbereit, für die es offensichtlich auch kein geeignetes Feldinstandsetzungs- system gab (S. 115f, "Pferde" und "Lage" (man ging stets von der Sollstärke aus) S. 116),

Schlussfolgerung persönlich.

S. 132, mit (im 2. Fall gekürzter) wörtlicher Ent- nahme. Das Scheitern einzugestehen mochte man so sehen, musste man aber nicht. Eine "vernünftige" Entscheidung wäre vielmehr ein Zeichen für die Anwendung einer echten "Stra- tegie gewesen (persönliche Beurteilung).

 

 

 

Bock S. 149 Anm. 37, 9. Armee S. 163 Anm. 154.

 

S. 150 Anm. 50.

S. 170.

 

S. 171.

 

 

S. 261 Anm. 44.

 

 

S. 295.

 

S. 290 Anm. 173. Nach den Bemerkungen in der

Klammer war seine rassistische Fehleinschät- zung in Wirklichkeit eine Lügenkonstruktion.

 

 

 

 

 

 

 

Auch Hillgruber zitiert aus dem "Bormann-Tes- tament" (s. Buchbesprechung "Krämer" im 5. Teil): "die "ungeheure Gefahr", die die Sowjetuni-

on für Deutschland darstellte, "allein durch die Tatsache ihrer Existenz"." ([H], S. 361 Anm. 45 Punkt 5). Unsinnige deutsche Vorstellungen in aller Breite [R], S. 18ff, Anzahl Divisionen S. 24, Bewertung persönlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 22. Auch Jörg Baberowski, Verbrannte Erde,

Stalins Herrschaft der Gewalt, Verlag C. H. Beck

oHG, München 2012, S. 410f.

Stalin sah sich genötigt, die nationalistische Karte zu spielen, und erklärte den "Großen Va- terländischen Krieg". ([R] S. 22, Anm. 54).

 

 

[H], S. 393.

 

S. 521.

 

S. 500f, "antibolschewistische Welle" Anm. 96.

 

 

 

 

"Kriegsgefangene" [R] S. 90, "Zivilbervölkerung" S. 92.

"Versteifung des Widerstands" [H], S. 545.

 

 

"Drusch-Aktionen" mit Folgen [R], S. 191.

 

 

 

 

An Hitlers Rassendünkel wäre auch eine rüs- tungswirtschaftliche Erschließung eines besetz-

ten Russlands gescheitert ([H], S. 267).

[R], S. 40.

 

 

S. 105 Anm. 18, 185. Selbstredend behinderte auch der Abtranport von Juden die Gestellung von Zugkapazität für den Nachschub (S. 188f).

 

 

 

S. 186.

So Hitler S. 187.

 

[H], S. 284 und insbes. 528.

Idiotie des Nazitums siehe Teil 4 dieser Arbeit.

Persönliche Auffassung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 503.

 

 

 

 

[R], S. 27.

 

[H], S. 541.

 

 

 

 

 

[R], S. 42.

 

 

Eigene Überlegung.

 

 

 

 

S. 52f (Mitte September 1940).

 

 

S. 53f: 70 Panzer III, 15 Panzer IV und eine nicht

genannte Anzahl solcher tschechischer Herkunft (Haupttext zu Anm. 30 S. 54).

 

S. 66f.

 

S. 69.

 

 

 

 

 

S. 71f.

 

 

 

Wörtliche Übernahme von S. 72.

 

 

 

 

 

S. 144.

 

S. 202.

Keitel S. 204.

 

S. 212f Anm. 122.

 

S. 216, 218.

S. 216 Anm. 146.

 

 

 

S. 219f.

 

 

 

Persönliche Überlegung.

 

 

 

 

[H], S. 543, Anm. 44.

 

 

 

 

 

 

[R], S. 116f.

 

 

 

 

 

Siehe hierzu 1. Kapitel dieses Teils.

 

S. 117ff.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 82ff. Eine Teilnahme der Heeresgruppe Nord an "Taifun", der Operation zur Einnahme Mos- kaus hatten Gegenangriffe verhindert (S. 51).

S. 86.

S. 88. Hitler wollte noch nicht einmal die Kapitu- lation Moskaus akzeptieren, sondern die Stadt aus der Luft und per Artillerie "zermürben" (S. 82).

S. 88 Anm. 271.

 

 

Halder S. 128.

Hoth S. 129 Anm. 37.

Bock S. 130 Anm. 46.

 

S. 131.

 

 

 

Sodenstern S. 134 (29.10.).

S. 136ff.

 

 

 

Geyer S. 138. Die Fehlinterpretation der Marne-

schlacht in Deutschland nach dem Ersten Welt-

krieg mag hier eine Rolle gespielt haben (S. 133,

eigene Auffassung s. 2. Kapitel im 2. Teil).

 

S. 144f.

S. 146f.

 

 

S. 155 Anm. 85.

 

 

S. 156.

 

 

S. 157.

 

 

 

S. 158f.

 

 

 

 

S. 160f.

S. 165f.

S. 169f.

 

 

 

 

S. 167.

 

 

Zitat General Chales de Beaulieu, S. 164 Anm. 162.

S. 165.

 

 

S. 197ff. Der Angriff sollte auf eine Tiefe von 60 -

100 km beschränkt werden (S. 198).

Erfolg der Rotarmisten S. 201.

S. 213f.

 

 

S. 215.

 

Halder-Zitat ds., sinngemäß wiederholt 22.12. S.

226f.

 

S. 220, f Diskussion mit Bezug auf Napoleon 1812.

 

 

S. 222.

 

 

 

Zu Bock S. 217, zu Brauchitsch S. 219, deren Ablösung S. 223. "Mitte" S. 225.

S. 228.

 

 

 

S. 229f.

S. 230.

S. 239.

S. 240.

 

S. 233.

 

 

 

S. 234.

 

 

S. 235.

 

 

 

 

 

S. 245.

 

S. 248.

 

S. 246.

S. 242.

 

 

 

 

 

S. 250ff.

 

 

S. 248f.

 

 

 

 

 

 

[H], S. 562. Entgegnende Bewertung persönlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Siehe folgendes Kapitel.

 

 

 

 

Eigene Begründung für Hillgrubers Beobach- tung, S. 557.

 

 

 

 

Ds. f Anm. 105.

 

 

Reinhardts Eingangsthese, [R], S. 7.

Hierzu ebenso nächstes Kapitel. Reinhardt kommt es offensichtlich auf die Wesentlichkeit der Verlustzahlen an (S. 257). Darüber wird noch diskutiert.

Tabelle der Verlustzahlen S. 256 Anm. 8.

August S. 38 Anm. 177, Oktober S. 103 Anm. 8 (Personal), S. 110 (Flugzeuge).

 

S. 143.

 

 

S. 153. Schlussfolgerungen diesem Block per- sönlich.

 

 

 

"Schlacht bei Lauban".

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Im Kriegstagebuch der Seekriegsleitung ver- merkte Äußerung Halifaxens, nachdem ein entsprechendes deutsches Friedensangebot Churchill Gelegenheit zu schärfster Ablehnung gegeben hätte (S. 182 Anm. 71, 25.10.1941).

Selbstverständlich entgegen Hitlers heißesten

Hoffnungen (S. 135 Anm. 71, 27.10.1941).

 

Sonst zu diesem Block [H], S. 420f. Die per- sönliche Schlussfolgerung entspricht der ge- samten Argumentation dieser Arbeit, nach der der deutsch-russische Krieg im Interesse der Angelsachsen war, um die "Chimäre" zu ver- hindern.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

[R], S. 180.

 

 

 

 

S. 184.

 

 

 

"Mein Kampf" s. 3. Kapitel im 3. Teil.

S. 231.

 

 

 

S. 233.

 

 

 

 

 

S. 255f.

S.o. S. 215.

 

S. 262.

 

 

 

 

 

 

 

 

Persönliche Überlegungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

S. 135 Anm. 71.

 

 

 

Hillgruber meint, keine "neue" Gesamtkonzepti- on für 1942 ([H], S. 555). M.e. existierte 1941 eine "Gesamtkonzeption" genausowenig wie 1939 oder irgend sonst.