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© Holger Bergmann 2015 - 2018

Zeugnisse des Selbstvernichtungswillens

Diese Arbeit wurde mit dem Ziel geschrieben, transparent zu machen, wie es geschehen konnte, dass Deutschland 1945 am absoluten Tiefpunkt seiner Geschichte anlangte. Außer den beiden Wirkungslininen der angelsächsischen Intrigen und der deutschen Dummheit bzw. Unfähigkeit, ihnen zu entgegnen, kristallisierte sich noch eine dritte dabei heraus: der totale Vernichtungswille, den Adolf Hitler, den die Deutschen sich zum Führer gewählt hatten, gegen Deutsch- land und sich selbst richtete.

 

Im Zuge dieser Arbeit habe ich bereits an einer ganzen Reihe Stellen Belege da- für gesammelt, dass Hitler nicht schlicht als Feldherr unfähig war, sondern über- haupt nie vorhatte, den Krieg zu gewinnen. Aussprüche der Verfluchung Deutsch- lands sind von ihm zu Genüge bekannt und werden auch im Folgenden zitiert. An dieser Stelle möchte ich die einschlägigsten Funde rekapitulieren:

 

- Dass Hitler von den Deutschen nichts hielt, haben wir bereits in der Bespre- chung von "Mein Kampf" gesehen.

 

- Hitler beginnt den Krieg als aus seiner Sicht "womöglich" aussichtsloses Va- banquespiel, mit nicht ausreichender militärischer Vorbereitung.

 

 

 

- Die rassistische Ausrichtung des Naziregimes und speziell Hitlers Britenduselig- keit erschwerte eine Koalitionskriegführung mit Süd- bzw. Osteuropäern und Ost- asiaten.

 

- Den entscheidenden Panzervorstoß im Westfeldzug 1940 hätte Hitler durch ein- en Haltebefehl [schon vor "Dünkirchen"] beinahe vereitelt.

 

- Zu einer konstruktiven Koalitionskriegführung mit den Verbündeten im Rahmen einer "Mittelmeer-Strategie" kann Hitler sich nicht durchringen.

 

- Hitler unterband eine erfolgversprechende Einbeziehung Japans in mögliche ge- meinsame Aktionen gegen Großbritannien und Russland.

 

 

 

 

 

- Vor Moskau hätte Hitler beinahe schon den Untergang der Heeresgruppe Mitte produziert.

 

- Mit dem völlig verfehlten Kaukasusvorstoß und dem irren Versuch, die daraus folgende völlig überdehnte Frontlinie zu halten, führte Hitler die Katastrophe von Stalingrad herbei.

 

- Bereits zuvor hatte Hitler im Osten den Übergang zum starren Halten der Front angeordnet, ein sicheres Konzept für eine Niederlage in einem Bewegungskrieg.

 

- Was darauf folgte, war eine Defensive ohne Strategie.

 

- Die Schwerpunktverlagerung Richtung Westen in Verbindung mit den zur An- stachelung der russischen Rachsucht geeigneten deutschen Grausamkeiten im Osten lassen den Schluss zu, dass Deutschland nach Hitlers Willen dem Bolsche- wismus zum Opfer fallen sollte, und in Verbindung mit der Judenvernichtung noch Schlimmeres.

 

Für die Achsenmächte war die Möglichkeit, den Zweiten Weltkrieg zu gewinnen, sicher auch ohne Hitlers Fehlleistungen gering. Mit der obigen Aufzählung aber meine ich nachweisen zu können, dass Hitler nicht erst seit "1941/42" den Krieg verloren gegeben hat, sondern alles tat, was er konnte, um die infernalische Nie- derlage herbeizuführen. Seine wahren Absichten musste er hinter fortgesetzten Duchhalteparolen und Siegespropaganda verstecken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hitler zu wählen, und seinen Krieg mit zu führen, waren Akte der Unvernunft. Aus einem derart unvernünftigen Krieg konnte es keinen vernünftigen Ausweg, und der wäre eine vorzeitige Kapitulation gewesen, geben. Sonst hätte man ja die Fra- ge zulassen müssen, warum man den ganzen Mist überhaupt mitgemacht hat. Jede Rekursion zur Ermittlung des "vernünftigen" Ausstiegszeitpunkts hätte nichts als die totale Unvernunft des Handelns zutage gefördert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Alliierten, Stalins Position ist dabei sicher etwas zweifelhaft, hätten dabei nie etwas anderes als die bedingungslose deutsche Kapitulation akzeptiert, und das von Anfang an. Und die auf sich zu nehmen, solange noch in großem Maßstab kampffähige deutsche Truppenverbände existierten, hätte nur eine neue Dolch- stoßlegende fabriziert. So gesehen war auch das Attentat vom 20.07.1944 ver- fehlt, es kam viel zu spät [und diente nur der Nachkriegslegendenbildung zum Nachweis der (Fort-)Existenz eines "ehrenhaften" Teils Deutschlands]. Hitler zu beseitigen hätte nur dann Sinn gemacht, solange die letzte Siegchance bestand.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Den Einwänden Bernd Wegners gegen die Sichtweise, Hitler hätte, in Überein- stimmung mit seinen Verlautbarungen, am Ziel eines positiven Kriegsausgangs festgehalten, wird hier vollumfänglich zugestimmt. Widersprochen wird allerdings der These Wegners, Hitler hätte irgend eine Art strategischen Überblick beses- sen, zumindest besaß er keinen für einen Sieg, und darum sollte jede Strategie sich bemühen. Hitler ist auch mit Sicherheit nicht an seinem eigenen System ge- scheitert, als Machthaber hätte er die notwendigen Änderungen anordnen kön- nen. Seine Endsiegpropaganda erweist sich so als reine Täuschungsmaßnahme.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Unter den bis hierhin unterbreiteten Voraussetzungen konnte die willkürliche Hi- nauszögerung des Kriegsendes also nur zwei Ziele haben:

 

- die Verhinderung einer Kapitulationssituation wie 1918 und

 

- die Durchführung der Judenvernichtung.

 

 

Das Problem mit der genozidalen Argumentation ist allerdings, dass Hitler nicht alle, noch nicht einmal alle europäischen, Juden im Zugriff hatte, ein tatsächliches Ausrottungsziel also nie hätte erreichen können. So gesehen kann die Judenver-nichtung nicht ihr eigener, letztendlicher Zweck gewesen sein, sondern musste anderen Zwecken dienen. Als solche sind vorstellbar:

 

- in das Siegesgeheul der Alliierten sollte sich dieses Mal Entsetzen mischen

 

- die Alliierten sollten zur Vernichtung der Deutschen motiviert werden.

 

Letzteres, weil Hitler den kompletten Selbstmord der Deutschen weder anordnen noch durchführen konnte, stattdessen sollten die alliierten Sieger sein "Werk" der Volksvernichtung vollenden.

 

 

Die moralische Vernichtung Deutschlands infolge der in seinem Namen durchge- führten infernalisch-partiellen Judenvernichtung sollte also die Basis für die phy- sische Vernichtung der Deutschen bilden. Insofern sind Rückgriffe Wegners auf die deutsche Romantik mit ihrer Verklärung des Heldentods, obwohl nicht bestrit- ten wird, dass es derartige Einflüsse auf Hitler gegeben hat, verfehlt. Man kann weder die totale Steigerung des Antisemitismus bis zur Judenvernichtung aus der Romantik ablesen, noch die die totale Selbstvernichtung [eher hätte dazu wohl noch das jüdische "Masada" Hitler beeinflusst]. Und der Heldentod hatte "ehren- haft" zu sein. Megaverbrechen passen dazu nicht, sie vernichten nicht nur die Opfer, sondern auch die Ehre der Täter, und die endgültig.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wegner belegt, dass die physische Vernichtung der Deutschen von Hitler geplant war, und das nicht erst seit den berühmten "Nero-Befehlen" angesichts der be- vorstehenden totalen Niederlage Mitte März 1945, sondern es gab bereits im Sep- tember 1944 das definitve Vorhaben zur Selbstvernichtung.

 

 

 

Die physische Vernichtung der Deutschen würde natürlich auch eine romatisch- propagandistische "Wiedererstehung" nach einem Untergang verunmöglichen. So gesehen erweisen sich auch solche positiven Einsprengsel in die Verlautbarungen als reine Täuschungsmanöver. Allen derartigen, vorgespielten Anwandlungen zum Trotz war Hitler bei seiner in "Mein Kampf" formulierten Verfluchung Deutsch- lands geblieben.

 

Mit meinen obigen Ausführungen hoffe ich nachgewiesen zu haben, dass die Ver- nichtung Deutschlands nicht, wie Sebastian Haffner am Ende seiner Schrift zu Hitler anmerkte, das "letzte" Ziel Hitlers war, sondern sein Ziel von Anfang an, und nie, nicht erst seit September 1944, eine andere "Strategie" als die der Selbstver- nichtung vorlag. Das gescheiterte Attentat vom 20.07.1944 schweißte "Volk und Führer" tendenziell eher enger zusammen. Besonders hartes Durchgreifen hitler-fanatischer Militärführer wie Generalfeldmarschall Schörner gehört in dieselbe Ecke.

 

 

Aber die Vernichtung Deutschlands scheiterte, die alliierten Sieger hatten andere Pläne und beließen es bei Bestrafungen [Zweifel an deren Gründlichkeit mögen angebracht sein]. Als Gegensatz zu Ernst Jüngers Nihilismus (Zitat o. in den An- merkungen) soll ein Ausspruch des Psychologen und Philosophen Karl Jaspers dienen: "Haben wir wirklich alles verloren? Nein, wir Überlebenden sind noch da. Wohl haben wir keinen Besitz, auf dem wir ausruhen können, auch keinen Erinne- rungsbesitz, (...) doch dass wir am Leben sind, soll einen Sinn haben!"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Argumentation der bisherigen Teile zusam- menfassende Vorbemerkungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Folgend hier im Anmerkungsteil (bis auf zwei Stellen) Verweise auf diejenigen Vorkapitel, wel- che denen die entsprechen Funde beinhalten.

 

 

 

 

3. Kapitel im 3. Teil (und um den 3. Dreier voll- zumachen, insbesondere 3. Abschnitt).

 

Hitler-Zitat der Aussichtslosigkeit 1. Kapitel im 6. Teil, des "va banque"-Spiels (als Entgegnung auf einen Einwand Görings) 4. Kapitel im 5. Teil.

Thematisierung der Rüstungsmängel 2. Kapitel im 6. Teil.

 

 

Entsprechende abschätzige Bewertung siehe

Buchbesprechung "Hofer" im 5. Teil, darauf fol- gend passendes Zitat des italienischen Außen- minsters Ciano.

 

Rauh, Literaturhinweis s. Einleitung, Bd. II, S. 192, Hitler "...hätte am liebsten den Vormarsch ganz angehalten", ca. 17.05.1940.

 

Hypothetische Überlegungen (ähnliche standen tatsächlich im Raum) 1. Kapitel im 6. Teil.

 

 

Argumentation zum "rechtzeitigen japanischen Kriegseintritt" (gegen Großbritannien) 1. Kapitel im 6. Teil, Hitler mit der Bemerkung "Erntehelfer"

auf geeignete japanische Sondierungen (Martin, Literaturangabe ebenda, S. 19), gemeinsames

Vorgehen Deutschlands und Japans gegen die

Sowjetunion möglich 5. Kapitel im 6. Teil.

 

Ausführlich 4. Kapitel im 6. Teil.

 

 

5. Kapitel im 6. Teil (unter Verzicht auf Detailkri- tik am Feldzug).

 

 

 

Ds., "Groß"-Zitat.

 

 

Ausführlich 1. Kapitel im 7. Teil.

 

Ds., "Haffner"-Zitat i.V. mit ihm vorangehender Argumentation. Kontraproduktivität der Inhuma- nität der deutschen Kriegführung auf sowjeti- schem Boden 4. Kapitel im 6. Teil.

 

 

 

Gewiss nicht nur persönliche Bewertung.

Die ab hier folgende Argumentation orientiert sich an einem Aufsatz von Bernd Wegner, "Hit- ler, der Zweite Weltkrieg und die Choreographie des Untergangs", erschienen in: Geschichte und

Gesellschaft 26, Verlag Vandenhoeck & Rup- recht, Göttingen 2000, dort S. 493 - 518, Zitate und Bezüge daraus i.F. ohne weitere Kennzeich-

nung.

Folgt man meiner obigen Darstellung, ist der et- waige Schluss aus Wegners Schrift, S. 499, nicht zulässig, Hitler hätte sozusagen im Zuge der Niederlage vor Moskau 1941/42 wegen der daraus folgenden [zwangsläufigen] Entwick- lungsrichtung des Krieges von "konstruktiv" auf "destruktiv" umgeschaltet. Vielmehr zieht sich die Destruktivität durch Hitlers gesamtes "Schaf-

fen".

 

Zur generellen Unvernunft des Nazisystems 4. Teil dieser Arbeit, im 2. Teil ist dort bereits auf den Schriftsteller Ernst Jünger verwiesen, von welchem Wegner seinem Aufsatz ein einschlä- giges Zitat vorausschickt: "Das tiefste Glück ei- nes Menschen besteht darin, daß er geopfert wird, und die höchste Befehlskunst darin, Ziele zu zeigen, die des Opfers würdig sind." Man fasst heutzutage nicht mehr, dass Menschen früher solchen Unsinn tatsächlich geglaubt ha- ben.

Wegner berichtet konkret von einem Vorstoß von General Jodl bei Hitler zu einer "politischen Lösung" Ende 1944 (S. 495), woraus natürlich nichts resultieren konnte. Ablehnung eines Ver- handlungsfriedens durch Hitler bereits im April 1943 gegenüber dem ungarischen Machthaber Horthy (S. 507).

 

Die hypothetische Möglichkeit eines deutsch- sowjetischen Sonderfriedens wurde im Rahmen

dieser Arbeit nicht thematistiert. Stalin wäre es zuzutrauen gewesen, im Rahmen seiner Stra- tegie darauf einzugehen (siehe hierzu 2. Kapitel

im 5. und 4. Kapitel im 6. Teil) Entsprechende Kontakte gab es, Hitler machte diese Möglich- keit zunichte (Thema des Buchs von Ingeborg Fleischhauer, Literaturangabe in Buchbespre- chung "Hofer" im 5. Teil).

Meine Kritik am "20. Juli" ist nicht singulär. Ähn- lich äußerte sich in einer Fernsehdokumenta- tion die verstorbene FDP-Politikerin Hildegard Hamm-Brücher. Im Fall des Gelingens wäre die Zwangsläufigkeit der Niederlage bezweifelt und das Enstehen einer neuen Dolchstoßlegende zwangsläufig, mithin die gründliche Abkehr vom Nazitum verunmöglicht worden.

Spekulative Begründung der Nichtbeteiligung des Großteils der deutschen Generalität am Attentat siehe 1. Kapitel im 7. Teil. "Letzte Sieg- chance" 5. Kapitel im 6. Teil.

 

S. 496ff.

 

S. 498: "Hitler verfügte schon seit Kriegsbeginn über ein im Vergleich zur großen Mehrheit seiner

Generale komplexeres Kriegsbild sowie ein rela-

tiv schärferes Bewußtsein von den Anforderung-

en eines gesamtgesellschaftlichen Krieges."

Im Gegensatz dazu hat Wegner selbst gezeigt, dass Hitler keine defensive Strategie besaß (1. Kapitel im 7. Teil und hier S. 504). Ausführlich wird im 6. Teil argumentiert, dass Hitler auch kei-

ne offensive Strategie hatte (1. bis 4. Kapitel), demnach verfügte er nie über eine Strategie im positiven Sinne.

Dass auch ein Zerfall der Gegnerkoalition illuso- risch war, gab Hitler selbst zu (S. 500f). Wie oben argumentiert, besaß die deutsche Führung

nicht erst 1942 "kein gesamtstrategisches Kon- zept" (i. Ggs. zu S. 501), war also nie "strate- gisch agierende Macht" (i. Ggs. zu S. 503). Da- von unbenommen ist, dass Hitler strategische Überlegungen anstellte (S. 502f), denn diese blieben Stückwerk, stellten also gerade kein Konzept dar. Die Formulierung Wegners, dass Hitler sein "Kriegsbild" (s.o.) "unter den Beding- ungen seines Regimes nicht umzusetzen ver- mochte" (S. 498), ist abwegig, da Hitler die "Be- dingungen" jederzeit hätte ändern können.

 

"Atempausen für das eigene Regime", S. 504.

 

 

 

 

S. 506 Abschnitt III (beide Ziele betreffend).

 

 

 

Persönliche Überlegungen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ds., im Gegensatz zu "Shoah"-Regisseur Clau- de Lanzmann, der für die Judenvernichtung kein "Warum" erkennen kann und will (Martina Thiele,

Publizistische Kontroversen über den Holocaust

im Film, LIT Verlag, Berlin 2007, S. 416).

 

Abwegig ist auch die Vorstellung, der Start der Judenvernichtung hätte mit dem Misserfolg des Feldzugs gegen die Sowjetunion zu tun. In den Wikipedia zum Holocaust findet sich der Satz:

"Am 31. Juli erteilte Hermann Göring Heydrich den Auftrag, einen „Gesamtentwurf“ für eine „Gesamtlösung der Judenfrage“ zu erstellen."

Also lange vor Eintreten des Scheiterns vor Moskau!

Die "rauschhafte Todesbejahung" diverser ro- mantischer Lyriker (S. 512) wie das nicht weni- ger heftige Bekenntnis des Militärtheoretikers Clausewitz (S. 513), worauf Hitler sich häufig bezog, bildeten keineswegs, oder nur vorder- gründig, eine "historische Legitimation" für den Volksvernichter, da es sich nur auf den Unter- gang der "Freiheit" bezieht, das Volk jedoch durch "Pflichterfüllung" der Gefallenen seine dereinstige "Wiedergeburt" begründet sehen darf. Angesichts der Massenmorde kann es auch nicht sein, dass "spätere Generationen [durfte es die überhaupt noch geben?] vor Be- wunderung erschauern" würden (S. 508). Der "Abbruch der Brücken" lt Goebbels (S. 507, leicht umgestellt) bezog sich auch auf die zur Zukunft. Die Wagner-Helden Siegfried (S. 511) und Rienzi (Joachim Fest, Der Untergang, Hitler und das Ende des Dritten Reiches, Alexander- Fest-Verlag, Berlin 2002 S. 133) als Vorbilder zu bemühen führt ebenso in die falsche Richtung. Eher wirkt Hitler, als hätte Marcus Porcius Cato als Karthager von Karthago aus die Römer zur Vernichtung seiner Stadt angestachelt (Kartha- go-Motiv lt. dem amerikanischen Präsidentenbe-

rater Harry L. Hopkins, ds., S. 4).

Die Suggestion einer direkten Linie von der deut-

schen Romantik zum Holocaust (etwa über das "Ascher"-Zitat, 4. Kapitel im 4. Teil), bitte ich mit einem Fragezeichen zu versehen.

Anstatt ihn zu bewundern würden ihn "morgen schon Millionen verfluchen", so Hitler unmittelbar

vor seinem Selbstmord zu Magda Goebbels (Fest, S. 116 [und Deutschland, dass das Stig- ma der Naziverbrechen wohl nie ganz los wird, mit ihm]).

 

Entsprechende Absichtserklärungen Hitlers an "zuständige" Ministerien und ein diesbez. Artikel im "Völkischen Beobachter" S. 510.

Für Heinrich Schwendemann (Aufsatz in Mythos

und Realität, Literaturhinweis 3. Kapitel im 7. Teil) ist das erwähnte Vorhaben Aufhänger für seinen Titel "Strategie der Selbstvernichtung".

 

Dem schwach gewordenen, untergehenden deutschen Volk sei keine Träne nachzuweinen, so Hitler am 18.03.1945 zu Speer (S. 518). Ähn-

lich hatte sich Hitler bereits in "Mein Kampf" und Ende 1941 geäußert (4. Kapitel im 6. Teil, Ab- schnitt "Untergangsgedanken").

 

 

 

 

S. 204, Literaturhinweis 1. Kapitel im 7. Teil.

 

 

Zum 20. Juli John Zimmermann in seinem Auf- satz Die Kämpfe gegen die Westalliierten 1945 usf. in Kriegsende, Literaturhinweis 1. Kapitel im 7. Teil. Zu Schörner Schwendemann, S. 235, allgemeine Beispiele zuvor.

 

 

 

 

 

Jaspers eingangs zitiert von Jörg Echternkamp in dessen Aufsatz Von Opfern, Helden und Ver- brechern - Anmerkungen zur Bedeutung des Zweiten Weltkriegs in den Erinnerungskulturen der Deutschen 1945 - 1955, in Kriegsende, S. 301.