Einleitung

Einleitung

 

(mit Disclaimer, Feedback und Impressum am Ende)

Die Kunst des Weglassens - oder wie man den gewollten Eindruck erzeugt. Wenn

man böse wollte, könnte man zahllosen Publikationen zu den Themen Erster und Zweiter Weltkrieg diese Absicht unterstellen. Machen wir uns nichts vor: der deut- sche Kaiser hat 1914 die Kriegserklärungen unterschrieben, und Hitler hat 1939 den Angriff auf Polen befohlen. Aber wie es im Detail dazu kam, wird nicht erzählt.

 

Während zur Thematik des Beginns des Ersten Weltkriegs sich in letzter Zeit ein Umschwung ereignet hat, steht die deutsche Schuld am Zweiten Weltkrieg wei- terhin außerhalb jeder Diskussion. Vom "Griff nach der Weltmacht" zur "Schlaf- wandler-These" ging die Entwicklung in Bezug auf den Ersten Weltkrieg. Alle sind also da irgendwo "reingerutscht", haben demnach die Konsequenzen ihres Han- delns nicht übersehen. Dieser Auffassung werde ich hier widersprechen. Der Zweite Weltkrieg wurde zum antinazistischen Kreuzzug der Allierten verklärt. Was allerdings erst im Nachhinein geschehen konnte und ohne die nazitypischen Me- gaverbrechen nicht oder wenigstens nicht in der vorhandenen Form und Intensi- tät möglich gewesen wäre. Zu Beginn des Krieges konnte diese Motivation nicht vorgelegen haben, denn die Naziverbrechen waren weder bekannt noch in ihrer Dimension allgemein vorstellbar. Tatsächlich, und das werde ich hier nachzuwei- sen versuchen, folgte der Zweite Weltkrieg in seiner Anlage der des Ersten.

 

Persönlich hätte ich eigentlich gerne eine Relativierung der deutschen Kriegs- schuld unterlassen. Ich bin mit dem deutschen Schuldkomplex aufgewachsen und kann auch weiterhin gut damit leben. Man wird sicher versuchen, mir vorzu- werfen, meine Ergebnisse würden aufgrund einer selektiven Schwerpunktsetzung

einseitig ausfallen. Dazu versichere ich, auf passende Gegenargumente gespannt

zu sein. Niemand kann alle Informationen vermitteln, Bücher und Filme müssen irgendwann enden. Die sich durch eine Website bietenden speichertechnischen Möglichkeiten werde ich bei allem Fleiß sicher nicht ausschöpfen. Für passende Erweiterungen wird also Raum bleiben, sodass bei Bedarf Kontroversen ausdiskutiert werden können.

 

Wie komme ich überhaupt darauf, mich in diesem Bereich zu engagieren? Ich bin kein studierter Historiker, aber der Zweite Weltkrieg, eins der einschneidendsten geschichtlichen Ereignisse überhaupt, hat mich stets interessiert. Kurz nach dem Milleniumswechsel las ich die dreibändige Schrift von Manfred Rauh, "Geschichte des Zweiten Weltkriegs". Dabei fielen mir außer meinen durch oberflächliches Konsumverhalten verursachten Kenntnismängeln einige Merkwürdigkeiten auf.

 

Zunächst beschäftigt sich der erste von Rauhs drei Bänden nicht mit dem Zweiten Weltkrieg, sondern mit dessen Vorgeschichte. Den Beginn der Ereignisse verortet Rauh in die 1870er Jahre, also ungewöhnlich früh. Weiterhin wird nicht, wovon ich sonst stets ausgegangen war, praktisch alle Kriegsschuld beim Deutschen Reich gesucht, sondern einiges anderen Akteuren zugeschoben, Großbritannien dabei an erster Stelle. Ursprünglich war Rauhs Reihe als kürzere Ergänzung zum Großwerk "Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg" diverser Historiker ge- dacht und als solches vom Militärgeschichtlichen Forschungsamt der Bundeswehr herausgegeben worden. Diese Herausgeberschaft bezieht sich aber nur auf den ersten Band, für die anderen beiden zeichnet Rauh allein verantwortlich. Was war da passiert? Waren Rauhs Thesen dem MGFA zu heiß geworden?

 

Insgesamt tendierte ich dazu, Rauh unter die Revisionisten einzuordnen und legte die Lektüre beiseite. Jahre später wollte ich über den Beginn des Ersten Weltkriegs mehr wissen. Sönke Neitzels Bändchen "Kriegsausbruch" erwies sich hierzu als sehr interessant. Besonders auffällig war, dass sich zu Rauhs Thesen keine Widersprüche, sondern Parallelen ergaben. Im Gegensatz zu Rauh, über den öffentlich so gut wie nichts bekannt und der möglicherweise als Revisionist verfemt ist, scheut Neitzel nicht das Licht der Publizität, sondern ist aus zahlreichen Fernsehauftritten bekannt. Was war oder ist nun wirklich von diesen Thesen zu halten?

 

Im Laufe weiterer Zeit habe ich mich intensiver mit zahlreichen Details der Ereig- nisse beschäftigt. Tatsächlich gibt nach meiner Kenntnis bisher keine Publikation die Geschehnisse so vollständig und schlüssig wieder, dass die zugrunde liegende Motivation wirklich nachvollziehbar wird, auch die o.a. von Rauh und Neitzel nicht, so wertvoll sie im Einzelnen auch sein mögen. Daher habe ich mich daran gemacht, meine Detailsammlungen in Zusammenhang zu bringen und in der Form dieser Website zu veröffentlichen. Das ist gerade der wesentliche Punkt: den Zusammenhang zwischen historischen Details herzustellen, die sonst für sich allein stehen. Der Leser mag selbst entscheiden, inwieweit mir das gelingen mag. Besonders weise ich daruf hin, keinerlei neue Fakten erarbeitet zu haben. Meine Informationen sind alle allgemein zugänglich. Persönliche Schlussfolgerungen und Spekulationen werden von mir als solche gekennzeichnet, darauf verzichten kann ich nicht.

 

Ob es überhaupt richtig ist, wie Rauh es tut, den Beginn der Ereignisse in die 1870er Jahre zu legen, war für mich eine wesentliche Frage. Tatsächlich finde ich es zutreffend, den Anfang sogar noch weit früher anzusetzen, nämlich auf das Ende der 1830er Jahre, also eine Zeit, wo Deutschland als einheitlicher Staat noch gar nicht existiert. Vielleicht würden andere sogar einen noch früheren "Startzeitpunkt" bevorzugen, etwa zum Wiener Kongress 1814/15. Mir ging es jedoch darum, den ersten Zeitpunkt von Handlungen zu finden, die in ihrer Konsequenz in den Ersten Weltkrieg führen. 1838/39 finden einige synchrone Ereignisse der britischen Politik statt, die auch tatsächlich, bis auf eins am Rande, mit Deutschland noch gar nichts zu tun haben. Hier wird aber eine Zielrichtung deutlich, die für das britische Handeln der nächsten Jahrzehnte kennzeichnend sein sollte.

 

Dabei darf man nicht meinen, es hätte ein "Plan" vorgelegen, zumindest lässt sich kein solcher nachweisen. Die "Verschwörung zum Krieg" war eher informell. Man kann sich das mehr als eine Art Lawine vorstellen. Zu Beginn nur ein Steinchen, setzt sich nach und nach ein ganzer Hang in Bewegung. Auf allgemeine Zielset- zungen, Überlegungen und diplomatische Auseinandersetzungen folgen dann in den 1890er Jahren erste, direkt auf einen späteren Kriegsausbruch angelegte Aktionen. Gleichzeitig steigen die Vereinigten Staaten von Amerika mit einer eige- nen Zielsetzung in das britische Spiel ein. Über Jahrzehnte ergibt sich aus der angelsächsischen Staatsräson eine Handlungsfolge, sozusagen in Form einer Stabübergabe zwischen Politikern verschiedener, aufeinander folgender Regie-rungen.

 

Das Deutsche Reich war dabei weder in der Lage, das angelsächsiche Ränkespiel zu durchkreuzen, noch praktisch bis kurz vor Kriegsausbruch überhaupt zu durchschauen. Man hat aber nicht "geschlafen", wie sollte man hinter einen solchen "Plan" kommen, wenn es gar keinen gab? Andererseits ist das Auslösen einer Lawine auch eine andere Qualität als das Mitschliddern in einer solchen, insofern kann auf jeden Fall von zielgerichtetem Handeln gesprochen werden. Wollte man den Krieg als reinen Unglücksfall ansehen, hätte es ohne die Niederlage der Mittelmächte eine Friedensmöglichkeit zwischen ihnen und den Westmächten gegeben. Das war nicht der Fall. Der Erste Weltkrieg diente dazu, die Machtstrukturen auf der Welt zugunsten der angelsächsichen Mächte zu verändern (Frankreichs Erfolg war dabei nur ein Nebeneffekt).

 

Einen Krieg zu gewinnen, ist die eine Sache, ob der Sieg von Dauer ist, eine an- dere. Während sich die angelsächsischen Mächte 1914 auf die russische Expan- sivität als dynamisches Moment verlassen konnten, war es 1939 die deutsche. In beiden Fällen wäre es ohne entscheidende Weichenstellungen seitens der angel- sächsichen Mächte nicht zum Krieg gekommen. Nicht, dass die anderen, insbe- sondere Deutschland, nichts dafür konnten, wie ich bereits eingangs formulierte. Aber, und das ist zu beweisen, beide Weltkriege wurden von den Angelsachsen "gemacht". Darüber hinaus blockierten sie im Zweiten wie im Ersten Weltkrieg je- den vorzeitigen Friedensschluss. Auch diese Tatsache wird außerhalb der ein- schlägigen Fachliteratur in der deutschen öffentlichen Diskussion (mit gering- sten, die Regel bestätigenden Ausnahmen) komplett ignoriert.

 

Wie bereits angedeutet sollen in diesen Zusammenhängen nicht nur Fakten dis- kutiert, sondern auch spekulative Momente eingebracht werden. Zur Beurteilung von Handlungen ist eine kontrafaktische Geschichtsschreibung bis zu einem ge- wissen Grad unerlässlich. Zu einen gilt das für eine mögliche "hellsichtige" deutsche Politik bis 1914, zum anderen auch für alternative Kriegsausgänge. Nach meiner Analyse waren, so merkwürdig das klingt und so unerwünscht der Fall der Fortsetzung des Naziregimes gewesen wäre, beide Kriege gewinnbar, der Zweite Weltkrieg wenigstens bis zu einem gewissen Zeitpunkt. Welche geistige Blockade im Ersten Weltkrieg für die strategischen Fehlentscheidungen verant- wortlich war, entzieht sich weitestgehend meiner Phantasie. Für den Zweiten Weltkrieg war ein Sieg bereits durch die Geistfeindlichkeit der Nazi-Ideologie aus- geschlossen, deshalb gehe ich darauf gesondert ein. Aus der materiellen Unter- legenheit heraus zu gewinnen setzt geistige Überlegenheit voraus (will man nicht, wie heute üblich, den "bequemen" Gegner durch kein Ende findende "asym- metrische Kriegführung" auf Dauer zermürben). Auch wenn technisch-geistige Überlegenheit der traditionellen Stellung Deutschlands als führender Indus- triestaat in der Kontinuität auch während der Nazizeit entspricht, wurde die Nutzung der entsprechenden Potentiale zugunsten von blindem Fanatismus fast bis zuletzt, wo sie sich in Form von "Wunderwaffen" (wenn überhaupt) wieder manifestierte, hintangestellt.

 

Die Großmacht Deutschland scheiterte also nicht nur an den Intrigen ihrer Feinde, sondern auch an ihrer eigenen Dummheit. Die heutige politische Freundschaft zu den Angelsachsen war für Deutschland nur im heutigen Zustand als militärische "Mindermacht", wie es Sönke Neitzel einmal ausgedrückt hat, überhaupt erreichbar. Die Frage, ob es nicht besser gewesen wäre, Deutschland den Groß- machtstatus zu belassen und zu diesem Deutschland eine Partnerschaft "auf Augenhöhe" zu suchen, liegt auf der Hand. Aber vorbei ist vorbei.

 

Persönlich lasse ich mich jedenfalls in meiner Anglophilie nicht beirren. Und sollte ich für diese Arbeit Beifall von der falschen Seite bekommen, nehme ich ihn teils bedauernd, teils billigend in Kauf. Deutschland ist heute eine gefestigte Demokratie. Das Aussprechen der historischen Wahrheit wird ihr nichts anhaben können.

 

 

 

 

 

 

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Holger Bergmann

Geuderstraße 3

D-90547 Stein

 

 

Ich danke allen, die zum Zustandekommen dieser Arbeit beigetragen haben, ins- besondere Herrn P. P., und ungenannten Forenteilnehmern.

© Holger Bergmann 2015

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Manfred Rauh, Geschichte des Zweiten Welt- kriegs, Verlag Duncker & Humblot, Berlin.

Erster Band 1991, zweiter Band 1995,dritter Band 1998.

 

 

 

 

 

 

 

 

Rauh, Vorwort zum ersten Band, S. 3, verfasst durch den damaligen Amtschef BrigGen Dr. Roth, der im folgenden zwischen den Zeilen bereits deutliche Distanz zu Rauhs Thesen durchblicken lässt. Alleinverantwortung Rauhs siehe dessen Vorwort zum zweiten Band.

 

 

 

 

 

Sönke Neitzel, Kriegsausbruch, Deutschlands Weg in die Katastrophe 1900 - 1914, Pendo Ver- lag, München und Zürich 2002.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Ausdruck "Mindermacht" bei Neitzel, a.a.O., S. 26,

(dort bezogen auf die abgestiegenen Weltmäch- te Niederlande und Spanien, mit der Parallele für die deutsche Entwicklung).

 

 

 

 

Über die zahllosen Opfer der Kriege und ihrer Folgen, inklusive der Judenvernichtung, lasse ich mich nicht extra aus. Das haben andere zu Ge- nüge bereits getan.

 

 

 

 

 

 

 

Bemerkung zu Diplomatendienstgraden: Im ang- elsächsischen Bereich, wie im deutschen Kaiser- reich, gibt bzw. gab es keinen "Außenminister", der Posten wurde bzw. wird von einem "Staats- sekretär" (Secretary of State) bekleidet. In die- ser Arbeit wird nach der Gepflogenheit der deut- schen Republik seit 1919 vorgegangen. Der Chef

des Außenamts eines Staates ist daher stets "Au-

ßenminister", sein unmittelbarer Untergebener "Staatssekretär", die in der Literatur übliche und nach der angelsäschsischen Gepflogenheit bis heute übliche Bezeichnung "Unterstaatssekretär" wird weitgehendst vermieden. Auf die Nennung von Adelsprädikaten wird meist verzichtet.